Aufsatz 
Das 3. Kapitel des Briefes an die Römer : übersetzt und ausgelegt ; ein exegetischer Versuch / vom ... G. W. Matthias
Entstehung
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II. Text und Ueberſetzung.

Vorerinnerungen. Der beigedruckte Text iſt im Weſentlichen der Text der Tiſchen⸗ dorfſchen Recenſion(2. Ausg.). Nur an wenigen Stellen ſind abweichende, übrigens durch kritiſche Autoritäten hinreichend geſicherte Lesarten angenommen worden, ſo insbeſondere V. 2 m05or asy ſtatt dro ubde, V. 26 9s 2rdecku ſtatt /0⁸ r10. und ebendaſelbſt rd æ nlores Ty ο ſtatt 10 r tore⁵, V. 28 endlich 10εaae ſtatt ꝛ0. od. Außerdem iſt nach Maßgabe der befolgten Interpretation theils in der Annahme neuer Rede⸗ abſätze, theils und beſonders in der Interpunction*), an einigen Stellen auch in der Accentuation von Tiſchendorf abgewichen worden. Was namentlich die Differenzen der Accentuation betrifft, ſo ſind dieſe theilweiſe zugleich Abweichungen von einem allgemeinen, bisher unbeſtritten geweſenen Uſus. V. 19 nämlich iſt ky, V. 22 els, V. 30, weil auf dieſen Woͤrtern ein ganz beſonderer, in einem Gegenſatze begründeter Nachdruck liegt, mit dem Accent verſehen. Nothwendig erſchien dieſe Abweichung**) deshalb, weil Woͤrter, die vermöge ihres beſonderen Zuſammenhangs mit einem überwiegend ſtarken Tone zu ſprechen ſind, ohne inneren Widerſpruch nicht als tonloſe bezeichnet werden können**).

*) An einigen Stellen ſind die vorgenommenen Interpunctionsänderungen zugleich Abweichnungen von den mir bekannten Textesausgaben überhaupt; ſo namentlich V. 9, wo ich vor nãrras, und V. 24, wo ich vor 27 aurob Tdger, ein Komma geſetzt habe. Auf den Sinn äußern dieſe Aenderungen, wie leicht zu erachten iſt, einen mehr oder weniger weſentlichen Einfluß. V. 28 habe ich vor wole Loywy»Guον in Uebereinſtim⸗ mung mit älteren Textesausgaben das von Tiſchendorf getilgte Komma wiederherge⸗ ſtellt, weil ich nur unter Vorausſetzung dieſer Interpunction die Stelle erklärbar finde.

**) Unter den neueren Grammatikern betont Krüger(ſ. deſſen Griechiſche Sprach⸗ lehre§. 9, 1, A 1) die Proklitiken überall, wo ſie ſelbſtſtändig d. i. außer Verbindung mit einem vorhergehenden oder nachfolgenden griechiſchen Worte auftreten, ein Verfahren, das von dem bisherigen Uſus offenbar nicht minder als das in Frage ſtehende abweicht.

) Zur näheren Rechtfertigung des eingehaltenen Verfahrens diene Folgendes:

1) Silben, die in der Ausſprache den Ton haben, müſſen in der Schrift, vorausge⸗ ſetzt, daß dies an ſich möglich iſt, auch das Zeichen dieſes Tones d. i. den Accent haben;

2) wenn die Enklitiken, ſobald auf ihnen vermöge eines Gegenſatzes ein beſonderer Nachdruck ruht, orthotoniert werden müſſen(ſ. Krüger Gr. Spr.§. 9, 10 unter 3), warum nicht auch die Proklitiken?

3) auch in andern Fällen(ſ. Krüger Gr. Spr.§. 9, 1, A. 1; 2, A. 2 und 3) be⸗ halten Proklitiken, wofern ſie mit irgend einem Nachdruck geſprochen werden, ihren Ton;

4) daß dieſer Fall der Betonung von Proklitiken ſich bei den alten Grammatikern nicht erwähnt findet, kann nicht befremden: denn eines Theils iſt die Lehre von den Proklitiken überhaupt nicht ſowohl durch die Ueberlieferung der alten Grammatiker, als der Handſchriften begründet(ſ. Krüger Gr. Spr.§. 9, 1, A. 2), anderen Theils wurde jenes Schweigen eine genügende Erklärung darin finden, daß die Sache, weil ſie auf einem an und für ſich klaren Prinzip ruht, als ſelbſtverſtänd⸗ lich betrachtet wurde.

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