Aufsatz 
Das 3. Kapitel des Briefes an die Römer : übersetzt und ausgelegt ; ein exegetischer Versuch / vom ... G. W. Matthias
Entstehung
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doppelt gerechtfertigt aber erſcheint es da, wo einer Darſtellung neben reicher Gedankenfülle prägnante Kürze beſonders charakteriſtiſch iſt. Was ſeine Anwendung im einzeluen Falle betrifft, ſo iſt für dieſe ſtets weſent⸗ liches Erforderniß, daß ſie entweder auf grammatiſcher oder auf logiſcher Nothwendigkeit ruhe. Wortſtellung und Zuſammenhang ſind hier in allen

Fällen ſichere Führer.

I. Summariſche Ueberſicht.

Das 3. Capitel des Römerbriefes mit Ausſchluß des letzten Verſes, der eine neue Gedankenreihe eröffnet, dreht ſich um die Frage:was hat der Jude zum Voraus, oder was nützt die Beſchneidung? Entwickelt wird dieſelbe mit beſonderer Rückſicht auf das Hauptthema des Briefes: das Evangelium iſt eine Gotteskraft zum Heile für Jedermann, der da glaubet, für den Juden zuvörderſt, aber auch für den Griechen (ſ. Cap. I, 16). Nach ganz allgemeinen Umriſſen angegeben gliedert ſich der Geſammtinhalt dieſes Abſchnittes zu drei Haupttheilen, die eben ſo ſehr zu einander wie zu dem Hauptthema des Briefes in genauer Be⸗ ziehung ſtehen. Der erſte dieſer Theile handelt von dem Betrautſein der Juden mit dem Worte Gottes als von einem der wichtigſten Vor⸗ züge, die ihnen vor den Heiden verliehen ſeien, und von der Untreue, die ein Theil der Juden in Bezug auf dieſen ihnen anvertrauten Vorzug bewieſen habe(V. 14). Im zweiten Theile redet Paulus von der Gerechtigkeit des Zornes, den Gott zwar vorzugsweiſe über die Juden um ihrer Untreue willen, mit nicht geringerem Rechte aber, weil eben Alle unter der Herrſchaft der Sünde ſeien, auch über die Heiden verhängen werde(V. 518). Der dritte Theil endlich(V. 19 30) handelt von dem alleinigen Heilsweg für Juden und Heiden, und zwar zuerſt(V. 19 20) in negativer, ſodann(V. 21 30) in poſitiver Beweisführung..

Mit feinſter Dialektik ſind dieſe Theile, ſo weit ihr Inhalt auch aus einander zu liegen ſcheint, gleichwohl auf das Engſte mit einander verbunden, ſo daß ihre Uebergänge ſich als kaum merkliche darſtellen und alle einzelnen Sätze, gleich Gliedern einer Kette, ein feſt in ſich ge⸗ ſchloſſenes, durchaus unzertrennliches Ganze bilden.