Das 3. Capitel des Römerbriefes.
Die vorliegende Arbeit iſt ein Theil meiner Studien über den Römerbrief. Aufforderung, gerade ihn zu veröffentlichen, war mir das ehrende Urtheil, mit welchem ſich meine„exegetiſche Abhandlung über Röm. III, 1—20,“ abgedruckt im Programm des Gymnaſiums zu Hanau vom Jahre 1851, in der 5. Auflage von Tholuck'’s Commentar zum Brief an die Römer S. 119 erwähnt findet. Nach meinem anfäng⸗ lichen Plane ſollte hier von der„genannten Abhandlung eigentlich nur eine Fortſetzung nachfolgen. Da jedoch eine ſolche nicht ohne viel⸗ fache, mitunter ermüdende Wiederhokungen aus dem erſten Theil jener Arbeit möglich geweſen wäre, ſo entſchloß ich mich, das ganze Capitel im Zuſammenhange und zwar nach völlig verändertem Plane zu bearbeiken, zumal da ſich mir hinſichtlich jener Abhandlung im Ver⸗ folg meiner Studien ergeben hatte, daß Manches in derſelben theils der Berichtigung, theils wenigſtens der Ergänzung oder der genaueren Begrün⸗ dung bedürftig ſei. Das Ganze im Zuſammenhang zu erörtern, ſchien mir ohnehin ſchon deshalb unerläßlich, weil ich eine Beſtätigung meiner in vielen,— zum Theil ſehr weſentlichen Punkten abweichenden Auslegung gerade darin fand, daß ihr zufolge der Zuſammenhang überall klar und in ſtrengſter Gedankenfolge hervortrat, während ich dies bei den traditio⸗ nellen Erklärungen an nicht wenigen Stellen theils ganz vermißte, theils nur als Ergebniß einer minder genauen Interpretation anerkennen konnte. Eigenthümlich iſt der nachfolgenden Auslegung, daß ſie häufiger, als ſonſt zu geſchehen pflegt, auf den Redeton Rückſicht nimmt, um auf dieſem Wege den Sinn ganzer Gedanken zu entwickeln. An und für ſich betrachtet kann dies Prinzip der Auslegung, wofern es ſich in ſeinen naturgemäßen Schranken hält, unmöglich einem Bedenken unterliegen;
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