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auch eines Vertrauten, dergleichen leisten zu können? Darum sind Biographien, auch die gepriesensten, wohl im Grunde für nicht viel mehr zu achten, als für verbrämte, bald mehr bald weniger glaubhaft aufgestutzte Personalien; aber theoretisch mögte bey allem dem gegen Cicero's Ansicht, falls ich sie richtig aufgefaſst haben sollte, und sie überhaupt vorhanden gewesen ist, wenig zu erinnern seyn.
Da ich eine solche Lebensbeschreibung meines verstorbenen Colle- gen und Freundes Roth nicht einmal zu versuchen im Stande bin, so muſs ich mich damit begnügen, als Erinneru ng an ihn, dasjenige zu vervollständigen und weiter fortzuführen, was von ihm selbst im Jahre 1806, kurz nachdem er sein Lehramt am Gymnasium angetreten hatte, aufgesetzt und meiner damaligen Einladungsschrift*) einverleibt worden ist.
Georg Michael Roth wurde am 19. Februar 1799 hier in Frankfurt gebohren. Von seiner frühesten Bildung im väterlichen Hause ist mir nichts bekannt geworden: eine der hiesigen deutschen Schulen besuchte er, bis er als zwölfjähriger Knabe am a. May 1781. in die vierte Classe des Gymnasiums aufgenommen werden konnte: denn erst von dieser Classe an lies der Vater seine drey Söhne jedes-— mal das Gymnasium besuchen. Seine Lehrer waren nun bis zur Uni- versität die jetzt sämmtlich verstorbenen: Zink, Schiller, Scher- bius, Rambach und Purmann. Als die wohlthätige Stiftung der
*) De Sirona Dea, Prolusio l. p. 16. 17. Ich will bey dieser Gelegenheit be- merken, daſs in Meusels Gel. Deutschlande XV. B. S. 219. die irrige Angabe, Roth sey den 22. März gebohren, zu verbessern ist. Er wurde, wie es in dem dort angeführten Programm heilst, gebohren XI. Kal, Martias, also den 19. Februar. Aus irriger Reduction römisch ausgedrückter Geburtstage mögen in jenem Werke, in welchem ich selbst um ein ganzes Jahr jünger erscheine, noch sonst
manche Fehler anzutrelfen seyn.


