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bei einem Bekannten im Odenwald oder Maingau ein, und wartete bei demſelben ſolange,„donec inveniret homines Romam euntes.“¹¹) Als er endlich⸗Reiſegefährten gefunden hatte, erſuchte er— nebenbei bemerkt— unſern Einhard, ihn beim Erzbiſchof zu entſchuldigen,„quod tam diu inter vias moratus est.“ Es ſchloſſen ſich alſo ärmere Leute, die eine Reiſe, beſonders eine Pilgerfahrt, unternahmen, offenbar immer zu ganzen Trupps zuſammen. Einem ſolchen Pilgertrupp gehörte auch der bereits(S. 10) erwähnte taubſtumme Angelſachſe an, der in Mühlheim blieb, während die andern weiterzogen. Hohe Herren reiſten mit einem entſprechenden Dienergefolge, aber auch untergeordnete Geiſtliche in der Regel nicht ohne Begleitung. Zwar wird uns z. B. im erſten Buche der translatio nur erzählt, daß Einhard ſeinen Notar Ratleik und Abt Hilduin ſeinen Presbyter Hun dem Deusdona mitgegeben habe, um in Rom die für beide Herren beſtimmten Reliquien zu holen— aber wir erfahren doch gelegentlich, daß dieſe Reiſegeſellſchaft nicht bloß aus drei Perſonen beſtanden hat; von den beiden Franken Ratleik und Hun hatte jeder mindeſtens noch zwei „pueri“(Diener) bei ſich. Von den dienenden Begleitern Ratleiks werden zwei ſogar namhaft gemacht: erſtens der auf der Hinreiſe vom Fieber befallene Reginbald(„puer notarii mei“ ſagt Einhard§ 4) und zweitens der„puer procuratoris nostri Ascolfi“, den Ratleik von Pavia aus mit einem Briefe nach Gent ſchickte. Ferner: als Ratleik und Hun ohne Wiſſen Deusdonas die begehrten Reliquien St. Petri und St. Tiburtii holen wollten(vergleiche Seite 6) nahmen ſie ihre„pueri, quos secum adduxerant,“ mit. In der Kirche angelangt teilte man ſich: Hun blieb„cum aliquibus“ in der oberen Kirche, Ratleik begab ſich „cum reliquis“ in die anſtoßende Krypta.
Wenn wir demnach annehmen können, daß die ganze Reiſegeſellſchaft, welche im Jahre 827 unter Deusdonas Führung nach Rom zog, gewiß kaum weniger als zehn Köpfe gezählt hat, ſo war nach Einhards Urteil für eine derartige Reiſe die Zahl der Teilnehmer gering:„erant enim pauci,“ ſagt er, als er auf die Erkrankung Reginbalds zu ſprechen kommt,„et per hoc ab invicem separari nolebunt.“ Man wollte ſich alſo deswegen nicht trennen und Ratleik mit ſeinen Leuten verlaſſen. So blieben alle zuſammen, nur ging die Reiſe langſamer weiter,„weil man ſie, ſo oft Reginbald vom Fieber befallen wurde, unterbrechen mußte.“
Längere Reiſen ſcheint man damals immer in größerer Reiſegeſellſchaft gemacht zu haben. Als Einhard z. B. über den Ritt des mehrfach erwähnten Diakons Theothard von Aachen nach Valenciennes berichtet, ſetzt er als etwas beſonderes, alſo ungewöhnliches hinzu: is unum tantum comitem habens. Die Zahl der Begleiter, die Einhard auf ſeinen Hofreiſen bei ſich hatte, war freilich nicht ſehr klein. Er hatte, als er z. B. im November 828 auf einer dieſer Reiſen in Sinzig übernachtete, nicht bloß, wie wir wiſſen, eine bedeutende Anzahl Dienſtleute(ministri) bei ſich— es wird von„tertius et quartus et caeteri“ geſprochen; ſie waren auch in einer beſonderen Herberge untergebracht— ſondern auch Freunde und Vertraute, mit denen er in des Königs Hauſe Quartier nahm. Den Eindruck, daß Einhard ein großes Gefolge mit ſich führte, macht auch die ganze Stelle, die von dem„Wunder im Taunus“ handelt; da heißt es z. B.:„quo cum predicti pueri... venissent, consilium ierunt, ut sibi socios suos, qui sequebantur, opperire deberent, eosque, ne aberrarent, sonitu buccinae ad se congregarent.“ Freilich, Einhard gehörte zu den Großen des Reichs, zudem ſchlug er ja auch an dem Ziel ſeiner Reiſe Monate lang ſeinen Wohnſitz auf, und ſchon dieſer Umſtand nötigte ihn, viele ſeiner Leute von Mühlheim mit nach Aachen zu nehmen.
Mit ſeinem nicht geringen Gefolge fand Einhard, wie wir als ſicher annehmen dürfen, auf dieſen Hofreiſen unterwegs Unterkunft und teilweiſe Unterhalt auf königlichen Hofgütern oder ſonſt auf Koſten anderer, da das Geſetz gebot, daß niemand ſich unterfange,„Aufnahme und Unterhalt“ denjenigen zu verweigern, welche im Intereſſe des Königs reiſten. Wo und wie fanden nun aber andere Reiſende, die dieſer Vorteile nicht teilhaftig wurden, Unterkunft und Unterhalt? Das iſt die letzte Frage, welche bezüglich
¹) ep. 38.


