Aufsatz 
Einhards Translatio SS. Marcellini et Petrie in kulturgeschichtlicher Beziehung
Einzelbild herunterladen

21

begleiten, wurde aber unterwegs krank und mußte daher ſchließlich die ganze Reiſe aufgeben. Er ſchreibt darüber an den Kaiſer, und ſein Bericht beginnt folgendermaßen:domina mea iussit me post se ad Compendium venire, et ego, iussis eius obediens, cum primum caballos meos habere potui, post illam ad Compendium pergere coepi.)

Faſt ausſchließlich ſcheint auf allen Reiſen jener Zeit das Reitpferd das Beförderungsmittel geweſen zu ſein. Einhard, obgleich damals ſchon ein ſchwacher und kränklicher Greis, reiſte nicht zu Wagen, ſondern er ritt. Als er unterwegs zwiſchen Maastricht und Valenciennes erkrankte, konnte er freilichne unum quidem milliarium in integra die equitando conficere. Er ging zunächſt nach Gent, wo er ſolange bleiben wollte, bis ihm Gott wieder Kräftead iter faciendem d. h. zum Reiten gegeben haben würde; denn, ſo heißt es in dem an die Kaiſerin gerichteten Briefe weiter,cum primum equitare potuero, vel ad vos vel ad dominum imperatorem venire festinabo. Wie der Herr die Reiſen zu Pferde macht, ſo auch ſein Dienergefolge:pueri, ſagt die translatio§ 56,equis desiliunt und weiterascensis denuo equis. Auch die Briefboten ſind beritten; die Überanſtrengung ſeines Tieres hindert einen Boten z. B. an der Weiterreiſe. ²) Einhards Schreiber Ratleik machte, wie wir geſehen haben, ſogar die langwierige Romreiſe auf eigenen oder ſeines Herren Pferden. Zu Pferde reiſte auch der Diakonus Theothard von Aachen nach Valenciennes, wohin er mit einem Begleiter Reliquien(ſiehe Seite 8) zu bringen hatte:cum reficiendorum iumentorum gratia descendisset heißt es an der betreffenden Stelle, und der gelehrte, aber arme Schotte Dungal, der noch zu Ludwigs des Frommen Zeiten in St. Denis lebte, wendet ſich, als er einmal an den Hof reiſen mußte, offenbar mit der Bitte um ein Reitpferd an einen Abt Adam:meus enim caballus, jammert er,qui mihi aptus atque conveniens fuit, quem usque modo sum usitatus, quem mihi bonae memoriae abbas Sichelmus in sua donavit elemosyna, claudicat, ut eo uti non possim. Selbſt Bettler zogen reitend im Lande umher, wenn auch nicht zu Pferde, ſo doch zu Eſel: bei der Übertragung der Gebeine des heiligen Veit im Jahre 836 wird ein Mann geheilt, den ſeine Nachbarn ſeit langer Zeit alsclaudum et in asello victum quaeritantem kannten. Ja, ſelbſt Kranke wurden, wenn es anging, aufs Pferd geſetzt. So berichtet Einhard von einer Frau aus Urſella bei Frankfurt (Ober⸗ und Nieder⸗Urſeh, die die Maulſperre hatte, daß ſie von ihren Verwandtenzu Pferd nach Mühlheim geführt wurde. ³) Nur bei Schwerkranken und bei geringen Entfernungen, ſcheint es, bediente man ſich des Wagens d. h. eines zwei⸗ oder vierräderigen Fahrzeugs mit viereckigem Kaſten, der auf den Achſen ruhte. Eine gelähmte Nonne, Roudlang mit Namen, wurde z. B. durch Freunde und Verwandte am 16. Januar 828 in carro von dem Kloſter Makesbach(Mosbach) nach dem eine halbe Meile davon entfernten Groß⸗Oſtheim gebracht, in deſſen Kirche Einhards Reliquien eine Nacht lang aufbewahrt wurden. Es iſt dies die einzige Erwähnung des Wagens, die ich in Einhards Schriften gefunden habe. Denn das Gepäck, das Einhard auf ſeinen Hofreiſen mit ſich führte,¹) wurde ſicherlich auf Packpferden fortgeſchafft, ſonſt hätte man bei den ſchlechten Wegen nicht noch ſo ſchnell vorwärts kommen können, wie wir gleich ſehen werden. Daß gleichwohl auch damals ſchwere Laſtwagen viel in Gebrauch waren, zeigt uns eine Stelle der ſogenannten annales Einhardi, die über den harten Winter von 821 folgendermaßen berichtet:Dieſes Jahr ſchloß mit einem ungemein langen und ſtrengen Winter, bei dem nicht allein die Bäche und mittleren Flüſſe, ſondern ſelbſt die größten und bedeutendſten, der Rhein, die Donau, die Elbe und die Seine, mit einer ſo ſtarken Eisdecke überzogen wurden, daß dreißig Tage oder noch länger Frachtwagen(plaustra) wie auf einer Brücke herüber⸗ und hinüberfahren konnten ganz ſo wie im Winter 1879 über den Rhein bei Mainz!

1) ep. 10.

²) ep. 50propter lassitudinem iumenti. 5 s) iumento impositam ducere incipiunt, appropinquantes antem basilicae de iumento depositam pedibus decedere faciunt. tr.§ 53.

4) pueri, qui nos cum impedimentis procedere debuerant(tr.§ 56).