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Marcellinus errichtet worden war. Die Veranlaſſung hierzu war folgende geweſen. An dieſer Stelle nämlich⸗ hatten mich vor zwei Jahren, als ich mit den glücklich wiedererlangten Reliquien jenes Heiligen von Aachen heimwärts zog, die Einwohner Wiſibadas, die mir entgegengeeilt waren, getroffen. Zur Erinnerung an dies Ereignis hatten ſie als ein Zeichen oder Denkmal den heiligen Märtyrern zu Ehren jenes Kreuz errichtet. Als jetzt meine Knechte auf ihrer Irrfahrt dieſe Stelle erreicht hatten, beſchloſſen ſie, auf die anderen Genoſſen, die noch zurück waren, zu warten und das Horn ertönen zu laſſen, um jene vor Irregehen zu hüten und ſie hier zu ſammeln. Als darnach endlich alle beiſammen waren, flehten ſie die Märtyrer um Hülfe an und ſangen dreimal das Kyrie eleiſon!“ Das Gebet wurde erhört, der Nebel ſchwand, es wurde plötzlich taghell. Man ſah nun den Weg, den man einſchlagen mußte, ganz deutlich vor Augen und konnte, obwohl er durch finſtere, bewaldete Berge führte, weiterziehen, ohne irrezugehen, bis die Morgenröte am Himmel erſchien. Abends, als die Knechte mit Einhard im Nachtquartier wieder zuſammentrafen, erzählten ſie ihm ihr Erlebnis. Die„via, qua ire debebant“, war offenbar eine alte Römerſtraße, die von Kaſtel(bei Mainz) aus, über Wiesbaden weiter ziehend, den Taunus überſtieg und ſich heute noch bis Kemel, einem naſſauiſchen Dorfe in der Nähe von Langenſchwalbach(zwiſchen Wiesbaden und Koblenz), verfolgen läßt, alſo ganz die Richtung innehielt, die Einhard auf ſeinen Hofreiſen einſchlug. Auf dem kürzeſten Wege, in ziemlich ſchnur⸗ gerader Richtung zog nämlich Einhard von Mühlheim nach Aachen, was dadurch bewieſen wird, daß er auf ſeinen Hofreiſen, wie oben erwähnt, Wiesbaden und Sinzig am Rhein berührte. Daß er, wo es nur irgend anging, die alten, gutgebauten Römerſtraßen benutzte, darf man als ſelbſtverſtändlich annehmen, und der Römerſtraßen gab es in den Rheingegenden ſehr viele, zudem waren ſie damals ohne Zweifel größtentheils noch recht gut erhalten; giebt es doch z. B. in der Nähe von Mainz und in der Wetterau Römerſtraßen, die heutzutage, alſo ſiebzehnhundert Jahre nach ihrer Erbauung, noch befahren werden. Auch der von uns Seite 10 ff. beſprochene Verkehr zwiſchen Deutſchland, Frankreich und Italien bewegte ſich, wie es ſcheint, nur auf Straßen, die ſchon von den Römern angelegt worden waren. Eine römiſche Hauptſtraße führte z. B. von Pavia bis ins Thal von Aoſta, eine andere von Argentoratum(Straßburg) rheinaufwärts bis zum Bodenſee, zwiſchen beiden wurde eine Verbindung hergeſtellt durch eine dritte Römer⸗ ſtraße, die von Aoſta aus dem Thal der Dora Baltea über den Großen St. Bernhard nach Octodurum zog und von da weiter das Rhonethal abwärts um den Genferſee herum und über Solodurum an der Aar entlang ins Rheinthal führte. Auf dieſen Römerſtraßen zogen im Jahre 827 die päpſtlichen Geſandten und unzweifelhaft Ratleik, teilweiſe auch Hun und Deusdona von Italien nach Frankreich oder Deutſchland, denn Ratleik paſſierte Pavia, St. Moritz(in der Nähe des alten Octodurum),„Caput Laci“ am Genferſee, Solodurum und Argentoratum. Auf dieſer ſelben Straße hatte Karl der Große im Longobardenkriege 773 ſeinen Oheim Bernhard mit einer Heeresabteilung nach Italien geſandt¹). Als ferner im Jahre 804 Papſt Leo über die Alpen zog, um den Kaiſer zu beſuchen(in Rheims fand die Zuſammenkunft ſtatt), ſchlug er gleichfalls die obengenannte Alpenſtraße ein, denn die ſogenannten annales Einhardi berichten, daß der Kaiſer ſeinen gleichnamigen Sohn Karl dem Papſte bis„zum Kloſter des heiligen Moritz“ entgegenſchickte. Und die Reichsteilung vom Jahre 806 wurde ſo eingerichtet, daß demjenigen Kaiſerſohne, der das heutige Deutſch⸗ land und die Schweiz erhielt, auch eine Straße nach Italien zufiel, nämlich eben die durch das Thal von Auguſta(= Aoſta). Eben dieſe Straße, die nach alledem zu Einhards Zeit die belebteſte Verkehrsſtraße zwiſchen Deutſchland und Italien geweſen zu ſein ſcheint, bildete noch im zwölften Jahrhundert einen der Romvegir oder Romſtraßen der ſkandinaviſchen Pilger; denn Mainz, Straßburg, Baſel, Solothurn, Vevey⸗ am Genferſee, der Große Bernhard, Aoſta, Pavia waren die Hauptſtationen auf dieſer Route. Am Genferſee zweigte ſich eine Straße nach dem eigentlichen Frankreich ab.„Ratleicus Caput Laci praetergressus,“ ſagt Einhard(§ 14),„bivium, quo itinera in Franciam ducentia dirimuntur, attigit.“ Auch dieſer
¹) unam partem cum Bernhardo patruo suo per montem Jovis G= Große St. Bernhard) ire iussit. Sog. ann. Einh.


