Aufsatz 
Einhards Translatio SS. Marcellini et Petrie in kulturgeschichtlicher Beziehung
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Eingehen er genau hielt, waren bedeutend. Dieſe günſtige äußere Lage machte unſern Einhard zum Gebieter über viele Kleriker und zum Herrn über Vaſallen und Zinsbauern, über Leibeigene und Freie. Ein Geiſtlicher war er ſelbſt nicht er wurde es erſt nach dem Tode ſeiner Gemahlin Imma(836) wenn er auch wegen ſeiner Beſitzungen ſchon vorher den Titelabbas führte.

Daß Einhards angeſehene Stellung und ſeine Würde als Inhaber mehrerer in verſchiedenen Teilen des Frankenreiches gelegener Abteien und Güter ſowohl einerſeits eine ausgebreitete Korreſpondenz von ihm verlangte, als auch andererſeits entweder ihn ſelbſt öfters von ſeinen Beſitzungen im Odenwald und Maingau, wo er ſich ſeit 815 am liebſten aufhielt, abrief oder doch die Abſendung von Untergebenen nötig machte das kann man nach der Lage der Dinge ſchon von vornherein annehmen. Aber die Wirklichkeit, wie ſie uns aus der translatio entgegentritt, übertrifft doch jede Annahme bezüglich des Reiſeverkehrs im Hauſe Einhards bei weitem. Wir wollen, um dies zu beweiſen, zunächſt die einzelnen Reiſen, die Einhard in der Zeit von 827 bis 830 ſelbſt unternahm oder veranlaßte, feſtſtellen. Dabei werden wir ganz chronologiſch verfahren, im übrigen uns aber der größten Kürze befleißigen, da ja auch die Mehrzahl der Reiſen dem Leſer bereits aus der ausführlichen Inhaltsangabe bekannt ſein wird.

Im Jahre 827: 1. Im Winter 826/27 hatte ſich Einhard wie gewöhnlich von Michelſtadt nach Aachen begeben; hier lernte er um Anfang 827 den Römer Deusdona kennen 2. Ratleik, der Schreiber, wird über Soiſſons nach Rom geſchickt und kehrt im Oktober oder November nach Michelſtadt zurück 3. Inzwiſchen hat ſich Einhard von Aachen über Maastricht nach Gent begeben 4. hierhin wird von Pavia aus ein Knecht(puer Ascolfi) durch Ratleik entſendet mit einem Briefe 5. Auf Einhards Geheiß geht einer ſeiner Vertrauten von Gent nach Maastricht, nimmt von hier Kleriker und Laien mit und reiſt mit dieſen den Heiligen bis Solothurn entgegen 6. nach Ankunft der Heiligen in Michelſtadt geht ein Bote von hier nach Gent ab 7. jetzt eilt Einhard ſelbſt von Gent nach Michelſtadt.

Im Jahre 828: 8. Durch einregale diploma berufen, begiebt ſich Einhard Ende Januar von Obermühlheim wieder nach Aachen 9. nach der Unterredung mit Hilduin ſchickt Einhard einen Boten von Aachen nach Mühlheim 10. darauf eilen Ratleik und Luniſo von Mühlheim nach Aachen 11. nach beendeter Unterſuchung kehren beide von hier nach Mühlheim zurück 12. zu gleicher Zeit werden der Presbyter Hildfrid und der Subdiakon Filimar durch Einhard von Aachen nach Soiſſons entſendet 13. um Oſtern(21. April) treffen beide mit den glücklich wiedererlangten Reliquienteilen Marcellins von Soiſſons in Aachen ein 14. Ende Juni ſchickt Einhard Reliquienteile beider Heiligen dem St. Bavonskloſter in Gent 15. im Juli, wie es ſcheint, kehrt er ſelbſt von Aachen über Wies⸗ baden nach Mühlheim zurück 16. indeſſen ſchon im November begiebt er ſich wiederum von Mühlheim über Sinzig nach Aachen 17. vier Wochen nach ſeiner Ankunft ſchickt er ſeinen Diener Ellenhard von Aachen nach Mühlheim zurück, um zu erfahren, wie es bei den Heiligen ſtehe 18. nach viertägigem Aufenthalt daſelbſt reiſt Ellenhard von Mühlheim nach Aachen zurück.

Im Jahre 829: 19.nec multo post(alſo wohl in den erſten Monaten des neuen Jahres) langte Ratleik, von Mühlheim kommend, in Aachen an und überbrachte eine Schrift 20. nachdem dieſelbe dem Kaiſer überreicht worden war, tritt Ratleik die Rückreiſe von Aachen nach Mühlheim an 21.sub idem fere tempus wurde unſerem Einhard eine zweite Schrift von Mühlheim aus nach Aachen überſendet 22. Ende Mai kehrte Einhard von Aachen nach Mühlheim zurück, wo erin die natalitio beatorum Martyrum(= 2. Juni) ein Wunder miterlebte 23. am 1. Dezember verließ er indeſſen ſeine Heiligen ſchon wieder, um nach Aachen zu reiſen, es trieb ihnquaedum necessitas secundum consuetudinem comitatum regis adire.

Im Jahre 830: Für die erſte Hälfte dieſes Jahres greifen hier ergänzend ein die von Jaffé heraus⸗ gegebenen und mit Nr. 8 bis 10 bezeichneten Briefe Einhards. Aus ihnen ergiebt ſich, daß Einhard nach dem Aufbruch des Kaiſers(2. März) die Kaiſerin Judith von Aachen nach Compidgne begleiten ſollte