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die ihnen gebotenen Almoſen zu ernähren. Dies war z. B. bei dem fünfzehnjährigen Daniel aus der Gegend von Sedan der Fall: er war, trotzdem er ſo krumm war, daß er nur liegend den Himmel ſehen konnte, nach Mühlheim gekommen„baculis innitens(§ 35) inter alios pauperes mendicando“(§ 20). Hatte ſich doch ſchon ein Vierteljahr nach der Ankunft der Heiligen in dem abgelegenen Michelſtadt eine„turba pauperum“ angeſammelt,„quae illo per eos dies ob eleemosynam accipiendam undecumque confluxerat“(§ 18). Dieſe Bettlerſchar ſiedelte zugleich mit den heiligen Leibern nach Obermühlheim über.
Letztgenannter Ort war übrigens durch ſeine Lage am ſchiffbaren Main ungleich geeigneter für einen Wallfahrtsort als das tief im Odenwald verſteckte Michelſtadt. Schon zweieinhalb Jahre nach erfolgter „Übertragung“ muß der Fremdenverkehr in Mühlheim, beſonders am Feſte der Heiligen, am 2. Juni, ein ganz erheblicher geweſen ſein; denn es fanden ſich in unſerem Maindorfe zu dieſem Tage ſchon reiſende Kaufleute ein. Von der oben erwähnten Kölnerin heißt es: in nave mercatorum, qui illo ad festivitatem eorumdem Sanctorum ibant, advecta est(§ 93). Alſo Kaufleute aus Köln ſuchten bereits 830 Ober⸗ mühlheim zur Feſtzeit auf, und am 28. Auguſt, dem Feſte des heiligen Hermes, von dem Einhard ein Fingerglied beſaß, lagen ebenfalls niederrheiniſche Kaufleute hier vor Anker. Die Kölnerin wollte nämlich, nachdem ſie zwei Monate lang vergeblich auf ihre Heilung durch St. Marcellin und St. Petrus gewartet hatte, nunmehr wieder nach Hauſe zurückkehren,„statuitque,“ ſagt Einhard,„cum negotiatoribus, qui se reducerent, ut proxima dominica(28. Auguſt) navem eorum in regionem suam reversura conscenderet“ (§ 93). Es iſt ſchade, daß wir durch die translatio nicht etwas mehr über die Geſchäftsreiſen damaliger Kaufleute erfahren. Nur noch eine Stelle iſt es, die uns ſo nebenbei noch einen Blick auf den Handelsverkehr der rheinſtädtiſchen Kaufleute jener Zeit geſtattet. Den obenerwähnten blinden Aquitanier hatten, um ſich einen Gotteslohn zu verdienen, Kaufleute aus Mainz auf die Bitten deſſelben mit auf ihr Schiff genommen und ihn nach Mühlheim gebracht. Dieſe Mainzer Kaufherren waren auf einer ihrer gewöhnlichen(solebant) Handelsreiſen begriffen. Sie kauften nämlich in Oberdeutſchland(in superioribus partibus Germaniae) Getreide auf und führten es dann zu Schiff den Main abwärts nach Mainz. Wem fällt bei dieſer Notiz nicht ein Karls des Großen großartiges handelsfreundliches Projekt einer Kanalanlage zwiſchen Main und Donau, das er ſiebenunddreißig Jahre vorher, im Jahre 793, durchzuführen verſucht hatte.
Wir wenden uns nunmehr den Reiſen zu, die in dem mehrfach erwähnten Zeitraum von drei Jahren (827 bis Auguſt 830) von dem Verfaſſer der translatio ſelbſt oder von ſeinen Leuten unternommen wurden. Da müſſen wir zunächſt feſthalten, daß Einhard freilich eben kein einfacher Privatmann war, ſondern zu den angeſehenſten Großen des ganzen kaiſerlichen Hofes gehörte. Wie Karl der Große, deſſen Gunſt und Freundſchaft ſich Einhard ſchon als junger Mann erworben hatte, den jüngeren Freund ſpäter mit wichtigen Reichsgeſchäften beauftragt und auf den Rat deſſelben gehört hatte(cf. Annales Einhardi ad a. 806 und 811), ſo genoß der Verfaſſer der translatio und der vita Caroli auch bei Karls Sohn und Nachfolger Ludwig hohes Vertrauen. Als Ludwig 817 ſeinen älteſten Sohn Lothar zum Mitregenten erhoben hatte, war unſerm Einhard vom Kaiſer der Auftrag erteilt worden, ſich der Erziehung Lothars anzunehmen.
Während der Wintermonate pflegte Einhard regelmäßig am kaiſerlichen Hofe in Aachen ſich aufzuhalten, wo er ſelbſt ein Haus beſaß; er durfte bei den engeren Ratsverſammlungen der Großen nicht fehlen und gerade in der Zeit, von der wir handeln, erſcheint Einhard nach Simſons Urteil(Jahrbücher des Fränkiſchen Reichs unter Ludwig dem Frommen I. Seite 349) neben dem Erzkaplan Hilduin ſogar als der angeſehenſte Mann in der kaiſerlichen Pfalz. Einhards hoher Stellung entſprachen auch ſeine Einkünfte, die er der Güte und freundſchaftlichen Dankbarkeit des Kaiſers verdankte.
Außer dem bereits erwähnten Michelſtadt und dem königlichen Hofgute Obermühlheim hatte Einhard noch vom Kaiſer eine Reihe ſtattlicher Abteien als Laienabt erhalten: St. Peter zu Blandigny bei Gent, St. Bavon in Gent, St. Servatius in Maastricht, Fritzlar in Heſſen und die Kirche San Giovanni Battiſta in Pavia. Die Einkünfte, die der Verfaſſer der translatio aus dieſen Stiftern zog und auf deren pünktliches


