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Das soeben von mehreren Schülern Erzählte kann hierauf unter Hervorhebung dessen, worauf es in erster Linie ankommt, von einem Schüler nochmals kurz zusammengefasst wer- den, etwa in folgender Weise: In der Versammlung nahm zuerst Achill das Wort. Er for- derte auf nachzuforschen, warum Apollo zürne. Kalchas gab darauf die von Agamemnon verweigerte Herausgabe der Chryseis und die hiermit verbundene Beschimpfung ihres Vaters als Grund von Apollos Zorn an und verkündete, dass Apollo nur zu versöhnen sei, wenn man dem Vater die Tochter heimsende und ausserdem dem Gott eine Hekatombe darbringe. Voller Wut erhob sich Agamemnon und erklärte sich unter heftigen Ausfällen gegen Kalchas zur Rückgabe der Chryseis bereit, aber nur unter der Bedingung, dass ihm von den Griechen voller Ersatz geboten würde.
Nachdem Abschnitt a in dieser Weise erledigt ist, kann Abschnitt b und nach diesem Abschn. c in gleicher oder ähnlicher Weise behandelt werden. Ich unterlasse es, diese Ab- schnitte hier in dieser ausführlichen Weise wiederzugeben, wie es bei a geschehen ist. Denn hinlänglich glaube ich soeben und auch schon vorher gezeigt zu haben, wie solche Inhalts- angaben etwa ausfallen dürften. Ich will hierbei nur noch bemerken, dass es nicht möglich sein wird, in jeder Stunde von jedem einzelnen Abschnitte den Inhalt so ausführlich angeben zu lassen, dazu mangelt, von anderen Gegengründen zu schweigen, schon von vornherein die Zeit. Oft wird es schon genügen, in der knapperen Form, wie sie bei der obigen gedräng- ten Zusammenfassung angewendet ist, oder in noch kürzerer Fassung den Inhalt angeben zu lassen, manchmal genügen schon solche Überschriften, wie die weiter oben unter 1, 2, 3 u. s. w. angeführten. Dem Lehrer bleibt es, wie schon einmal bemerkt, überlassen, zu scheiden zwischen Abschnitten, die sich zu ausführlicherer Inhaltsangabe eignen, und solchen, die sich mit ein paar Worten abthun lassen; auch hier gilt der bekannte Spruch: Eines schickt sich nicht für alle.
Sobald nun der Inhalt von a genügend klargestellt ist, mag der Lehrer noch folgen- des hinzufügen. L. Bücher zur Hand! Wo lassen sich in dem soeben behandelten Abschnitte entscheidende Wendungen entdecken, solche Wendungen, denen man in der ganzen Versamm- lung mit der grössten Spannung entgegensehen und die man als überaus folgenschwer schon vorausempfinden musste? S. Zunächst nach der ersten Rede des Achill. L. Inwiefern? S. Nach dieser Rede erhebt sich derjenige, welcher vor allem Volke den wahren Grund des ganzen Elends aufdecken wird. L. Und ferner? S. Nach der zweiten Rede des Kalchas. L. Inwiefern hier? S. Jetzt erhebt sich Agamemnon, er wird unter allgemeiner Spannung seinen Empfindungen Ausdruck geben und ankündigen, was er zu thun gedenkt. L. Sehet einmal in eurem Buche zu, was euch hinsichtlich des Wortlautes der betr. Stellen bei jenen entscheidenden Wendungen auffällt. S. Die UÜbergänge sind an beiden Stellen dieselben, v. 66(K.): Also redete jener und setzte sich. Und es erhob sich Kalchas u. s. w., v. 95(K.): Also redete jener und setzte sich. Wieder erhob sich Atreus' Heldensohn u. s. W. L. Das Gleichlautende in der Ausdrucksweise verschiedener Stellen soll uns also wohl schon äusser- lich darthun, dass zwischen den an diesen verschiedenen Stellen erzählten Vorgängen ein ge- wisser Parallelismus besteht.
Weiter lässt sich noch auf folgendes die Rede bringen. L. Wodurch wird man schon von vornherein durch des Kalchas Worte darauf vorbereitet, dass mit Agamemnon ein Kampf von bedenklichem Ernste zu erwarten ist? S. Dadurch, dass Kalchas nicht ohne weiteres den Agamemnon nennt, sondern dass er nur andeutungsweise von ihm spricht, und auch das nur mit einer gewissen Scheu und Zaghaftigkeit. L. Was für einen Schluss kann man bezüglich der Persönlichkeit des Agamemnon wohl aus letzterem Umstande ziehen? S. Wenn man mit ihm etwas abzuwickeln hat, so heisst es: mit der grössten Vorsicht zu Werke gehen. L. Agamemnon ist also ein Mann, mit dem, wie man so im Leben sagt, nicht gut Kirschen essen ist; er ist eine rechthaberische, von der Berechtigung des eignen Denkens und Handelns nur zu sehr überzeugte Natur, darum ist schwer mit ihm fertig werden, weshalb es einem anderen gerade kein Vergnügen machen wird, mit ihm anzubinden.


