Aufsatz 
Die Ilias im deutschen Unterrichte der Realanstalten / von Joseph Mathi
Entstehung
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gilt von der Zeit im allgemeinen. Nun wollen wir uns auch klar zu machen suchen, auf wie viele Tage sich die Begebenheiten des ersten Gesangs verteilen.(Dies werden die Schüler natürlich nur unter Mithilfe des Lehrers finden, was überhaupt von vielen Schüler- antworten gilt; hier sind dieselben selbstverständlich sogleich in korrekter Form mitgeteilt). S. Erster Tag: Beschimpfung des Chryses durch Agamemnon und Verweigerung der Herausgabe der Chryseis. Darauf Seuche und grosses Dahinsterben im griechischen Lager bis zum neunten Tage, am zehnten Tage Volksversammlung mit dem Ausbruch des Streites zwischen Agamem- non und Achilleus; am gleichen Tage wird Chryséis von Odysseus ihrem Vater zurückge- bracht, Briséis dem Achill genommen, der sich darauf flehend an seine Mutter Thetis wendet; am elften Tage kehrt Odysseus von Chrysa ins griechische Lager zurück, am einundzwan- zigsten Tage] nach der Heimkehr des Zeus aus dem Athiopenlande, begiebt sich Thetis auf den Olymp. L. Woher weisst du das? S. Am zehnten Tage hörten wir von Thetis, dass Zeus sich am Tage vorher zu den Athiopen begeben habe, und dass er am zwölften Tage wieder heimkehren werde. So kommt der einundzwanzigste Tag heraus. An letzterem Tage begiebt sich Thethis sogleich in der Frühe zu Zeus auf den Olymp. L. Somit kommen für die Begebenheiten des ersten Gesangs in der That 21 Tage heraus. ¹) Prägen wir uns die soeben vorgekommene Festsetzung der Tage und der an ihnen stattgefundenen Begebenheiten ja gut ein, wir haben dann zugleich eine gute Handhabe für die Feststellung der Ortlich- keiten des ersten Gesangs und zugleich für die Gliederung des letzteren. Was ist wohl über die Ortlichkeiten zu sagen? S. Dieselben wechseln. Wir müssen uns teils ins griechische Lager oder doch in dessen unmittelbare Nähe(Meeresküste) versetzt denken, teils nach Chrysa, teils in den Olymp. L. Hinsichtlich des griechischen Lagers merkt euch folgendes. Nach ihrer Landung hatten die Griechen ihre Schiffe ans Land gezogen und dieselben in mehreren Reihen hintereinander geordnet, so dass das griechische Schiffslager einen weiten Flächenraum be- deckte. Merkt euch als äusserste Punkte dieses Raumes im Südwesten das Vorgebirge Sigeum, im Nordosten das Vorgebirg Rhöteum(Karte!); von dem einen Vorgebirge bis zum andern ist es eine Strecke von ungefähr 5 Kilometern, also etwas mehr denn halb so weit, wie von hier nach Frankfurt. Prägt euch auch hier sogleich ein, dass Achilleus mit seinen Myrmidonen den am weitesten nach S. W., also nach dem Sigeischen Vorgebirge hin gelegenen Teil des Schiffs- lagers inne hatte. Neben ihren ans Land gezogenen Schiffen hatten sich die Griechen feste, ziemlich geräumige Holzhäuser errichtet. In der Mitte des Lagers denkt euch den Versamm- lungsplatz. Zwischen dem Lager und der nach Süden hin gelegenen Stadt Troja ist das Schlachtfeld, die troische Ebene.

Nachdem wir in dieser Weise über Zeit und Ort der Begebenheiten uns ausgesprochen haben, gehen wir jetzt zur eingehenderen Betrachtung des Inhalts des 1. Gesangs über. Man kann nun gleich zu Anfang die Gliederung des Inhalts feststellen, indem man etwa fragt: In wie viele einzelne Erzählungen zerfällt der 1. Gesang? oder man kann sofort in die Be- sprechung der einzelnen Abschnitte eintreten und etwa zu Ende jeder einzelnen Besprechung eine Inhaltsübersicht verlangen. Wir wollen hier sogleich die kurzen Inhaltsübersichten (Uberschriften), wie sie sich für die einzelnen Abschnitte ergeben, der Reihe nach hinsetzen. Dieselben zu finden, wird nach der oben vorausgegangenen Verteilung der Begebenheiten auf die 21 Tage den Schülern nicht schwer sein. Sie lauten:

1) Eingang(Prooemium). 17.

2) Chryses bittet vergebens um die Rückgabe seiner Tochter, er wird obendrein noch in empörender Weise beschimpft. K. 8 31. V. 832.

3) Chryses fleht zu Apollo um Bestrafung der Griechen. Apollo sendet eine verderb- liche Seuche. K. 32 50. V. 33 52.

4) Achill beruft, um mit den andern Griechen gemeinschaftlich über Mittel zur Ab- hilfe zu beraten, eine Volksversammlung, in welcher der Streit zwischen ihm und Agamemnon zum Ausbruch kommt. Zürnend zieht sich Achill zurück. K. 51 270, V. 53 307.

¹) Dass mit Recht die Echtheit gewisser Teile des ersten Gesangs angezweifelt wird und also auch obige Berechnung leicht hinfällig werden kann, geht uns selbstredend in Obertertia nichts an. Wir richten uns hier ganz und gar nach dem uns vorliegenden Texte.