Vertiefung.
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Achilleus. L. Nicht wahr, dieser war stets euer Lieblingsheld, er ist auch des Dichters Liebling, schon sogleich im ersten Gesang wird er„gottgleicher“ genannt, und er wird be- zeichnet als einer, dem Lanzenkunde verliehen die ewigen Götter. Nur eins hat euch an eurem Lieblingshelden nicht gefallen. Was war dies? S. Die Misshandlung der Leiche des Hektor. L. Da hast du recht. Wir haben das Benehmen des Achill dem toten Feinde gegen- über nur dadurch einigermassen erklärlich gefunden, dass ihn die Tötung seines Herzens- freundes Patroklos durch Hektor aufs schmerzlichste getroffen und in die höchste Wut und Aufregung versetzt hat, in der er sich selbst nicht mehr kennt. Da habt ihr gesehen, dass grosse Männer oft auch grosse Fehler haben(Erinnerung an Alexander d. Gr.), und Homer malt uns den Achill auch mit seinen Fehlern. Nun, hiervon abgesehen, habt ihr stets mit Bewunderung zu Achill aufgeschaut. Von ihm werden wir bei der Lektüre der Ilias noch gar vieles hören, wir wollen daher jetzt nicht weiter von ihm sprechen. Saget mir nur noch, warum er wohl von Homer genannt werden mag der Sohn der göttlichen Mutter? S8. Er war der Sohn der Meergöttin Thetis. L. Nenne auch seinen Vater und Grossvater. S. Sein Vater war Peleus, König der Myrmidonen im südlichen Thessalien(daher Pelide), sein Gross- vater hiess Aakos.
L. UÜber Achill haben wir soeben etwas ausführlicher gesprochen, weil er die Haupt- person der Ilias ist, hinsichtlich der übrigen hervorragenden Helden der Griechen weise ich euch auf das zurück, was wir vorhin zu Anfang der Stunde hörten bei der Einführung in den troischen Sagenkreis. Nenne noch einmal die Helden, die wir vorhin aufzählten, und gieb jedesmal an, woher diese Helden waren; wenn du den Namen des Vaters weisst, so füge ihn bei. S. Agamemnon von Mykene, der Sohn des Atreus(Atride), sein Bruder Menelaus von Sparta, Nestor von Pylos, Diomedes aus Argos, der Sohn des Tydeus, Ajas des Telamon Sohn, von der Insel Salamis, Ajas, des Oileus Sohn, aus Lokris, ITdomeneus von Kreta, Odysseus, des Laertes Sohn, von der Insel Ithaka. L. Die meisten dieser Helden werdet ihr bereits im ersten Gesange kennen lernen. Noch das eine möchte ich gerne hören. Es ist da soeben Mykene genannt worden; möglicherweise hat der eine oder andere von euch schon einmal etwas von Ausgrabungen gehört, die ein berühmter, jetzt nicht mehr unter den Lebenden weilender Mann, ein Deutscher, dort vorgenommen hat. Hierauf meldet sich viel- leicht ein Schüler und sagt, dass ihm etwa sein Vater neulich etwas von diesem Manne er- zählt habe. So hat man Gelegenheit von Schliemann zu sprechen. ¹)
c) UÜber hervorragende Persönlichkeiten auf Seiten der Troer zu sprechen, hat sich ebenfalls bei der Einführung in den bezüglichen Sagenkreis Gelegenheit ergeben. Es können jetzt, bei der Vorbesprechung, wenn auch nicht gleich für den ersten Gesang unbedingt nötig, die Namen Priamos, Paris, Hektor(Andromache, Astyanax) noch einmal in der Erinne- rung aufgefrischt werden.
Somit hätte die Vorbesprechung die wichtigsten Gegenstände behandelt, die zum vor- läufigen Verständnisse des 1. Gesangs nötig sind. Dieses Verständnis zu erweitern und zu vertiefen, ist die Aufgabe der nächsten Unterrichtsstunden. Die in diesen Stunden vorzu- nehmende Behandlung des 1. Gesangs mag etwa in folgender Weise verlaufen.
L. Zunächst wollen wir einmal die Zeit der in dem 1. Gesange erzählten Begeben- heiten feststellen. Wer kann hierüber Auskunft geben? S. Neun Jahre des Krieges sind vorüber, wir müssen uns also ins zehnte und letzte Jahr des Krieges versetzt denken. L. Das
¹) Auf diese Dinge muss man natürlich nicht die Rede bringen, aber vielleicht gestattet es ein- mal die Zeit— es sind vielleicht noch fünf oder zehn Minuten bis zum Schluss der Stunde, und man ist mit dem Tagespensum zu Ende—, solche Gegenstände zu berühren. Da darf man schon einmal ein wenig von Schliemann, den Ausgrabungen von Mykene und denen auf dem Hügel von Hissarlik u. dgl. sprechen. Zur Belehrung über die zuletzt erwähnten Ausgrabungen empfehlen wir dem Lehrer das 1. Heft aus der Gymnasialbibliothek von Pohlmey und Hoffmann: Troia und die Troas nach eigener Anschauung geschildert von Rudolf Menge. Gütersloh, Bertelsmann 1891. Womöglich, in solchen Fällen Abbildungen(vgl. den obenerwähnten Aufsatz von Lohr in der Zeitschr.„Gymnasium“). Derartige Exkurse sind natürlich so zu halten, dass sie dem Schüler auf dieser Klassenstufe verständlich sind; dass sie ihn aufs höchste interessieren, ist eine bekannte Erfahrung.


