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Hat nun der Schüler den ihm bezeichneten Abschnitt zu Hause gelesen und auf die eben angeführten Stücke besonders geachtet, so wird der Lehrer sich in der folgenden Unter- richtsstunde über das zu Hause Gelesene Auskunft geben lassen; hierbei nehme diese ver- tiefende Besprechung den Charakter einer ganz zwanglosen Unterhaltung an. Sollte bei der Vorbesprechung in der vorhergehenden Stunde etwas der Erklärung Bedürftiges nicht aufgeklärt worden sein, so wird im Laufe dieser Unterhaltung sich Gelegenheit ergeben dies aufzuhellen, etwaige Irrtümer zu berichtigen u. dgl. m. Es kann nichts schaden, wenn die Schüler dazu angehalten werden, diejenigen Stellen, welche ihnen entweder im ganzen oder hinsichtlich einzelner Ausdrücke unklar geblieben sind, sich besonders anzustreichen; sollte dann bei der Besprechung in dieser Stunde nicht von selbst die Rede auf die betr. Stelle kommen, so haben sich nachher die Schüler zu melden und zu sagen, was ihnen noch nicht klar ist; ab und zu frage auch der Lehrer nach, ob der eine oder andere noch etwas auf dem Herzen habe, nicht minder aber auch, ob vielleicht einer der Schüler über irgend etwas anderer Ansicht sei. Besondere Sorgfalt ist zu verwenden auf die Feststellung einer vernunft- gemässen Gliederung des aufgegebenen Abschnitts; dieselbe hat sich wiederum in gemein- schaftlicher Arbeit zu vollziehen. Natürlich können die Ansichten über eine angemessene Gliederung verschieden sein; hat man sich hinlänglich über alles in dieser Beziehung Nötige ausgesprochen, so ist zuletzt vom Lehrer über die Gliederung des betr. Abschnittes eine end- gültige Entscheidung zu treffen. Wenn man ein Ganzes festgestellt hat, das als eine Einheit für sich betrachtet werden kann, so wird man vielfach den Inhalt dieser Einheit in erzählen- der Weise zusammenfassen lassen, sei es vor oder nach der eingehenderen Besprechung dieser Einheit. Mitunter können auch mehrere kleinere Einheiten in zusammenhängender Erzählung ihrem Inhalte nach wiedergegeben werden.
Ist der ganze aufgegebene Abschnitt erledigt, so erfolge die Feststellung des durch die Durchnahme erarbeiteten Gewinnes. Es wäre also jetzt angebracht eine mög- lichst gedrängte Zusammenfassung des Inhalts, wenn auch zuweilen nur durch Zusammen- fassung der für die kleineren Einheiten festgestellten UÜberschriften, Einordnung des betr. Gliedes der Handlung in die Haupthandlung, Zusammenstellung der Haupteigenschaften der auftretenden Personen, Vergleichung ¹) vorgekommener Begebenheiten und Situationen mit ähnlichen, sei es aus derselben Dichtung oder aus anderen bis dahin bekannt gewordenen Dichtungen und Lesestücken, manchmal auch Zusammenstellung des in sprachlicher Hinsicht in der betr. Unterrichtsstunde Erlernten und auch hier, wo es sich in ungezwungener Weise ermöglichen lässt, Vergleichung mit ähnlichen Erscheinungen.
Es könnte noch die Frage aufgeworfen werden, ob das aufgegebene und zu Hause durchgelesene Pensum oder ein Teil desselben noch einmal in der Klasse zu lesen sei. Alles wird man in der Klasse nicht mehr lesen lassen können, dazu mangelt leider die Zeit, aber gleichwohl möge man, das ist meine Ansicht, doch keine Stunde vorübergehen lassen, ohne wenigstens einen Teil des besprochenen und nun hoffentlich, so weit es auf dieser Stufe möglich ist, verstandenen Pensums laut vortragen zu lassen, wobei auf lautes und deutliches Sprechen, sowie sinngemässe Betonung entschieden zu halten ist. Je mehr Zeit zum Lesen bliebe, desto besser wäre es; denn der Obertertia kann es wahrlich durchaus nicht schaden, wenn das Lesen noch recht fleissig geübt wird. Ab und zu übernehme auch der Lehrer ab- wechselnd mit den Schülern den Vortrag einer der zu lesenden Partieen. ²)
Auf diese Weise wird die Lehrstunde sich allmählich ihrem Ende zuneigen. Es hätte alsdann kurz die Vorbesprechung des zur nächsten Stunde in Aussicht genommenen
¹) Derartige Vergleiche müssen gerade nicht immer zu Schluss der Besprechung angestellt werden, sie können sich auch schon während der Durchnahme des Pensums von selbst ergeben oder auch der Vor- besprechung angehören, alles je nach Umständen.
²) Bei dieser Gelegenheit möchte ich recht eindringlich betonen, dass man doch auch im fremd- sprachlichen Unterrichte mehr lesen lassen möge, als es vielfach geschieht. Wenn z. B. eine Anzahl von Cäsarkapiteln übersetzt und erklärt ist, die zusammen eine geschlossene Einheit bilden, so lasse man nach kurzer Inhaltsangabe durch den Schüler dieselben nachmals im Zusammenhange lateinisch lesen, wenn- gleich dies selbstverständlich auch schon früher im einzelnen hat geschehen müssen; jetzt, nachdem die betr.


