Aufsatz 
Einige mathematische Aufgaben aus dem Unterrichtsstoff der Obersekunda und Prima des Gymnasiums : 2. Teil
Entstehung
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hat, ſo haben auch ſie neidlos zugeſtanden, wie übrigens auch die ſtädtiſchen Behörden, daß er ſtets die Seele und der Geiſt des Ganzen geweſen iſt. Der Direktor Paehler konnte nun ſeine Aufgabe in Montabaur als gelöſt betrachten, und als der ehrenvolle Ruf an ihn erging, die Leitung des Königlichen Gymnaſiums in Wiesbaden zu übernehmen, da iſt es zu verſtehen, daß er dieſem Rufe Folge leiſtete, konnte er doch getroſt die Leitung der An⸗ ſtalt, die er ins Leben gerufen, anderen Händen überlaſſen.

Allein ſeine Beziehungen zu Montabaur waren damit nicht gelöſt, und ſeine Verdienſte um das Kaiſer Wilhelms Gymnaſium nicht erſchöpft. Zwanzig Jahre lang, von 18741894 hatte er die Leitung des Wiesbadener Gymnaſiums, dann wurde er in das Provinzialſchulkollegium berufen, und von da an bis auf den heutigen Tag, alſo wieder volle zwanzig Jahre, und hoffentlich noch recht lange, iſt er ſtets als Mitglied und als Direktor des Königlichen Provinzialſchulkollegiums in engſter Fühlung mit ſeiner Anſtalt verblieben. Was er in dieſer Zeit der Anſtalt geweſen iſt, das weiß am beſten das Lehrerkollegium zu beurteilen, das aus dem reichen Schatz ſeines Wiſſens und ſeiner Erfahrung eine Fülle von Anregungen empfangen und gern befolgt hat. Es weiß es aber auch die ſtädtiſche Behörde. Die ſchwache Stelle unſerer Anſtalt iſt ja von jeher leider ihre Finanzlage geweſen. Um ſo größer freilich iſt auch das Verdienſt aller Beteiligten, denen es gelungen iſt, trotzdem eine ſo blühende Anſtalt ins Leben zu rufen und auf ihrer Höhe zu halten. Mit viel Geld kann ſchließlich jeder etwas ſchaffen, aber ohne viel Geld, das iſt die Kunſt. Gleich in den erſten Jahren des Ausbaus, unter Paehler, hatte die Anſtalt mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die Stadt war opferfreudig bis an die Grenze ihrer Leiſtungsfähigkeit gegangen, und der ſtaatliche Zuſchuß betrug anfänglich nicht mehr als 750 Thaler. Dann ſtieg er noch unter dem Direktor Paehler auf 1500 und gleich darauf auf mehr als 3000 Thaler; heute beträgt er über 32 000 Mark.

So wiſſen wir alle, was das Kaiſer Wilhelms Gymnaſium und die Stadt Montabaur dem Herrn Geheimen und Oberregierungsrat Dr. Paehler zu verdanken haben. Schon während der Zeit des Ausbaus der Anſtalt wußte man es. Am Ende des ereignisreichen Jahres 1871, am Sylveſtertage erſchien der Bürgermeiſter an der Spitze des vollzähligen Gemeinderats an ſeiner Wohnung und überreichten ihm den Ehrenbürgerbrief der Stadt Montabaur, eine Auszeichnung, die um ſo ſchwerer wog, als ſie einem jungen Manne von 30 Jahren zuteil wurde. Heute feiert er ſein fünfzigjähriges Dienſtjubiläum. Heute vor fünfzig Jahren trat er nach Ablegung der Staats⸗ prüfung als junger Probandus in das Lehrerkollegium des Gymnaſiums ſeiner Vaterſtadt ein, 3 Jahre wirkte er darauf an der mit altſprachlichen Kurſen verbundenen höheren Bürgerſchule in Bochum, 6 Jahre in Montabaur, 20 Jahre als Direktor des Gymnaſiums in Wiesbaden und wieder 20 Jahre als Mitglied und Direktor des Königlichen Provinzialſchulkollegiums.

So blickt er heute zurück auf eine an Erfolgen reiche Tätigkeit, aus der ich hier nur einen kleinen Ausſchnitt vorgetragen habe. Nicht habe ich geſprochen von ſeiner vorbildlichen Betätigung als Familienvater, als Menſch und als Charakter, nicht von ſeiner erfolgreichen ſchriftſtelleriſchen Tätigkeit; auch von ſeiner Wirkſamkeit als Schul⸗ mann habe ich nur das erwähnt, was hier für Montabaur von beſonderer Wichtigkeit war. Aber ich glaube damit ein wenn auch kleines Stück ſeines bisherigen Lebenswerkes erwähnt zu haben, das ſeinem Herzen beſonders nahe ſteht. Heute ſtrömen ihm die Ehren und die Dankesbezeugungen von allen Seiten zu. Heute durften auch wir nicht zurückbleiben. Danken werden wir Lehrer und Schüler des Kaiſer Wilhelms Gymnaſiums ihm am beſten dadurch, daß wir den guten Geiſt und die Tradition aufrechterhalten, die er hier begründet hat, und die Anſtalt innerlich und nach außen auf der Höhe zu halten ſuchen, auf die er ſie gebracht hat. Das Kuratorium aber und der Magiſtrat der Stadt Montabaur haben beſchloſſen, zum dauernden dankbaren Gedächtnis an die Verdienſte, die ſich Robert Paehler um unſere Anſtalt erworben hat, ſein Bild in Bronzerelief an der Front des Gymnaſial⸗ gebäudes anbringen zu laſſen. Indem ich dem Bilde die Hülle nehme, verſpreche ich im Namen der Anſtalt, daß wir es allezeit in hohen Ehren halten werden, und empfehle es im Namen des Kuratoriums dem Schutze der ſtädtiſchen Behörden und der Bewohner der guten Stadt Montabaur.

Nachdem der Direktor ſeine Anſprache beendet hatte und die Hülle gefallen war, beſchloß das LiedDie Himmel rühmen des Ewigen Ehre die würdig verlaufene Feier. Und ſo bildet denn von heute an das wohlgelungene Bildnis unſeres hochverdienten Ehrenbürgers einen Schmuck der Anſtalt und eine Zierde unſerer Stadt. Das Kaiſer Wilhelms Gymnaſium kann

mit Recht ſich dieſes Tages freuen und unternahm zur weiteren Feier desſelben nachmittags eine gemeinſame Wanderung nach Neuhäuſel.

Von Schulfeſtlichkeiten nach Ausbruch des Krieges iſt nur die Feier des Geburtstages Sr. Majeſtät des Kaiſers zu erwähnen. Sie fand am 26. Januar nachmittags in der Turnhalle in der üblichen Weiſe, aber dieſes Mal mit beſonderer Wärme ſtatt. Das Programm lautete: 1. An das Vaterland(L. Uhland). Von C. Kreutzer. Gem. Chor. 2. Dem Kaiſer. Ged. von Ludwig Finchh. 3. Militärmarſch. Von Schubert. Klaviervortrag. 4. Vor der Attacke. Ged. von O. Kernſtock. 5. Gotenzug (F. Dahn). Von A Chriſte. Gem. Chor. 6. Für uns. Ged. von einem Obertertianer. 7. Freiwillige vor! Ged. von E. Edert. 8 Heimatliebe(W. v. Stolzenfels). Von J. Wengert. Männerchor. 9. Neujahr 1915. Ged. von K. Rosner. 10. Deutſcher Völkerfrühling. Gedicht. 11. Reiters Morgengeſang(Von W. Hauff). Volksweiſe. Gem. Chor. 12. Feſtrede. 13. Heil dir im Siegerkranz.

Die begeiſterte Feſtrede hielt Herr Oberlehrer Dr. Walters. Die KaiſerprämieMarine⸗ Album, die dem Unterſekundaner Edgar Gaul, und eine Prämie des Herrn Miniſters, BüchmannsGeflügelte Worte 25. Aufl., die dem Unterprimaner Joſef Schmidt durch Konferenzbeſchluß zugeſprochen worden waren, wurden den genannten Schülern bei der Feier

durch den Unterzeichneten überreicht.