Aufsatz 
Einige mathematische Aufgaben aus dem Unterrichtsstoff der Obersekunda und Prima des Gymnasiums : 2. Teil
Entstehung
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in Rückſicht ihrer geſunden, centralen Lage, der Wohlfeilheit der Lebensmittel, der Sittlichkeit und des biederen Schlages der Einwohner, daß der Sitz des neuen Gymnaſiums Montabaur ſein ſollte. Unter zwei tüchtigen Leitern, Bauſch und Frorath, ſtieg die Anſtalt bald zu hoher Blüte, und man hätte ihr eine lange und glückliche Zukunft vorherſagen können, wenn ſie nicht unerwartet der Untergang ereilt hätte. Schon ſeit dem Jahre 1813 trug ſich die Regierung mit dem Gedanken, das Gymnaſium von Montabaur nach Weilburg zu verlegen. Auf wiederholte flehentliche Eingaben der ſtädtiſchen Behörden ließ man ſich bereit finden, es bei der bisherigen Ordnung zu belaſſen, aber man machte die Belaſſung der Anſtalt abhängig von größeren finanziellen Opfern ſeitens der Stadt. Und nun verſagte leider die Opferfreudigkeit und der weite Blick der Bewohner und der Behörden. Weil man ſich zu den geforderten Aufwendungen nicht entſchließen konnte, erfolgte 1817 die Aufhebung des Gymnaſiums und die Verlegung nach Weilburg. Zwar folgte die Reue dem kurzſichtigen Beſchluß auf dem Fuße, aber es war zu ſpät. Die Stadt war ihrer Zierde veraubt, und auswärtige wie einheimiſche Schüler mußten auswandern. Verſtändlich und in milderem Lichte erſcheint allerdings der Beſchluß, wenn man bedenkt, daß die Stadt damals unter dem Druck einer gewaltigen Kriegsſchuld ſeufzte.

Nun war die Stadt Montabaur lange Jahre ohne jegliche höhere Schule, ein Zuſtand, der hart und bitter genug empfunden wurde. Erſt im Jahre 1840 gelang es einſichtigen und bildungsfreundlichen Männern, eine Realſchule zu gründen, eine Anſtalt, die ſchlecht und recht, mit wechſelnder Schülerzahl, eine im ganzen beſcheidene Exiſtenz friſtete bis zum Jahre 1868. 3

Es kam das Jahr 1866 und damit der Übergang Naſſaus an Preußen. Jetzt galt es, die naſſauiſche Real⸗ ſchule in eine der preußiſchen höheren Lehranſtalten umzuwandeln. Das forderte ſchon die Berechtigungsfrage. Bei dem damaligen Stande der Dinge konnte es für die Väter der Stadt nicht lange zweifelhaft ſein, für welche der fünf preußiſchen höheren Schulgattungen ſie ſich entſcheiden ſollten, und ſo beſchloſſen ſie für den Herbſt 1868 die Errichtung eines Progymnaſiums.

Zum erſten Leiter der Anſtalt wurde vom Kuratorium Dr. Robert Paehler gewählt, bis dahin Lehrer an der mit Gymnaſialklaſſen verbundenen höheren Bürgerſchule in Bochum, ein junger Mann von 26 Jahren, der mit jugendlicher Begeiſterung und Arbeitsfreudigkeit und mit großem pädagogiſchem und techniſchem Geſchick an ſeine neue Aufgabe herantrat. Zunächſt galt es, die ehemalige naſſauiſche Realſchule in ein preußiſches Progym⸗ naſium umzuwandeln, eine Aufgabe, die nicht ſo ganz leicht war, wie der Fernerſtehende denken möchte. Wollte man doch einerſeits die bisherigen Realſchüler nicht ſo ohne weiteres abſtoßen, und war doch andrerſeits der Lehr⸗ plan ein ganz anderer. Trotzdem war in 1 ½ Jahren das Werk ſo weit gefördert, daß man Oſtern 1870 die oberſte Klaſſe eines damaligen Progymnaſiums, die Oberſekunda, errichten konnte, und nach einer eingehenden Reviſion ließ die ſtaatliche Anerkennung der Anſtalt nicht lange auf ſich worten.

Allein weder der Tatendurſt des jungen Rektors noch die Unternehmungsluſt der ſtädtiſchen Behörden wollten bei dem Erreichten ſtehen bleiben. Ihr Sinn war auf Höheres gerichtet, ſie wollten das Progymnaſium ausbauen zu einem Vollgymnaſium. Am denkwürdigen 16. Juli 1870, gleich nach der Anerkennung des Progymnaſiums wurde der Beſchluß gefaßt, Oſtern 1871 die Unterprima zu errichten. Nach den erforderlichen Verhandlungen mit der Regierung erfolgte die Genehmigung, und ſo konnten Oſtern 1871 die Oberſekundaner, ohne weiter zu wandern, an Ort und Stelle in die Prima aufrücken. Infolge einer außerordentlich günſtigen Fügung der Umſtände erfolgte dann, früher als man für gewöhnlich hätte erwarten dürfen, ſchon am 14. Auguſt 1871 die Anerkennung der Anſtalt als Vollgymnaſium. Damit war die große Aufgabe, die die Stadt dem jungen Rektor geſtellt hatte, glänzend gelöſt. In der beiſpiellos kurzen Zeit von noch nicht drei Jahren war die ehemalige naſſauiſche Real⸗ ſchule in eine jetzt ſchon blühende preußiſche Vollanſtalt umgewandelt; denn die Errichtung der OI Oſtern 1872 und die Entlaſſung der erſten Abiturienten Oſtern 1873 waren nunmehr Dinge, die ſich ganz von ſelbſt verſtanden.

Aber noch durch ein anderes für die Geſchichte der Schule höchſt wichtiges Ereignis war das Jahr 1871. denkwürdig, nämlich durch die Verleihung des Namens Kaiſer Wilhelms Gymnaſium Es iſt allgemein bekannt und braucht hier nicht näher erzählt zu werden, wie der Rektor Paehler durch eine Huldigungsfahrt, die er mit der ganzen Schule nach Ems zu dem ſiegreichen Kaiſer Wilhelm unternahm, der Anſtalt dieſen Namen verſchafft hat. Es könnte das vielleicht manchem als etwas Unbedeutendes erſcheinen, und doch iſt es für die innere und äußere Entwickelung der Schule von größter Wichtigkeit. Der Name Kaiſer Wilhelms Gymnaſium iſt nicht nur ein Ehren⸗ name, auf den wir mit Recht ſtolz ſein dürfen, ſondern er ſoll auch der Anſtalt ihren Charakter aufdrücken. Der unvergeßliche Kaiſer Wilhelm J., der damals in Ems in ſo leutſeliger Weiſe mit den Lehrern und Schülern dieſer Anſtalt verkehrt hat, der in ſeiner Einfachheit und Beſcheidenheit ſo beiſpiellos Großes getan hat für das deutſche Vaterland, der bis zu ſeiner letzten Stunde keine Zeit hatte, müde zu ſein, ſoll uns immerdar als leuchtendes Beiſpiel treuer Pflichterfüllung vorſchweben. So wie er ſollen auch wir, jeder an ſeiner beſcheidenen Stelle, in raſtloſer Arbeit unſere Pflicht erfüllen. Wenn das deutſche Volk aus lauter ſolchen Männern beſteht, dann braucht uns um des Vaterlandes Zukunft nicht bange zu ſein, dann werden wir das Erbe der Väter nicht nur wahren ſondern auch mehren, in ſtiller Arbeit und ohne viele und große Worte.

Der Rektor Paehler ſchrieb am Schluſſe des Schuljahres 1871 in das Programm der Anſtalt die Worte, Es iſt ein ereignisreiches, glückbringendes Jahr, an deſſen Schluß wir ſtehen, ein Jahr, welches auf lange Zeit hin das denkwürdigſte in der Geſchichte der Schule bleiben wird und auf das wir mit innigem Danke gegen den Höchſten zurückblicken. Und in der Tat, man hatte allen Grund, ſich über das Erreichte zu freuen. Die Vollanſtalt war ausgebaut, gekrönt mit der ſtaatlichen Berechtigung, beſucht von einer Schülerzahl, die in wenigen Jahren von 95, womit das Progymnaſium eröffnet worden war, auf mehr als 200 geſtiegen war, verſehen mit einem Lehrer⸗ kollegium, das mit jugendlicher Kraft und Begeiſterung auf die Ideen ſeines Leiters einging und ſich willig den ſchwierigen Aufgaben unterzog, die der Aus⸗ und Aufbau einer ſolchen Anſtalt mit ſich bringt und die eigentlich nur derjenige recht würdigen kann, der einmal etwas Ähnliches mitgemacht hat. Ich nenne nur die Namen Breuer, Iltgen, Abt, Schmitz, Wahle, Wirſel, lauter tüchtige Männer, die auch ihren Anteil an dem Verdienſt um den Ausbau der Anſtalt haben. Aber wie der Direktor Paehler ſtets gern und dankbar ihre Hilfe anerkannt