Aufsatz 
Einige mathematische Aufgaben aus dem Unterrichtsstoff der Obersekunda und Prima des Gymnasiums : 2. Teil
Entstehung
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Unſere daheimgebliebenen Schüler haben wir regen Anteil nehmen laſſen an den großen Ereigniſſen, die wir erleben müſſen und dürfen; nicht nur indem wir mit ihnen die herrlichen Taten und Erfolge unſeres tapferen Heeres verfolgten, ſondern auch indem wir ſie nach Maßgabe ihrer Kräfte und der gebotenen Gelegenheiten ſich betätigen ließen für das Wohl des bedrängten Vaterlandes und ſich als Glieder zu fühlen des ſchwer ringenden deutſchen Volkes. Die ſechs⸗ zehnjährigen und älteren bildeten unſere etwa 110 Mann beſtehende Jugendwehrkompagnie, die unter der Führung des Herrn Turnlehrers Bormes fleißig die vorgeſchriebenen libungen vornahm. Faſt alle haben ſich an der Goldſammlung, am Verkauf von Kreuz⸗Pfennigmarken und Poſtkarten für das Rote Kreuz beteiligt und ſchöne Erfolge damit erzielt.

Im übrigen hat die Schule es als ihre Hauptaufgabe während des Krieges betrachtet, durch Fortführung der gewohnten ernſten Arbeit die Schüler zur Diſziplin und gewiſſenhaften Pflichterfüllung zu erziehen und ſie ſo zu ertüchtigen, wenn es ſein muß auch noch ihren Mann zu ſtellen in dieſem uns aufgezwungenen ſchweren Ringen, andernfalls aber mitzuarbeiten an den großen Aufgaben, die dem Vaterlande aus dieſem Kriege erwachſen werden.

3. Schulfeſtlichkeiten und Ausflüge.

Die ernſte Zeit, in der wir leben, iſt keine Zeit rauſchender Feſtlichkeiten. Vor Ausbruch des Krieges hatten wir unſern jährlichen Sommerausflug gemacht; am Dienstag den 30. Juni zogen die einzelnen Klaſſen unter Führung der Herren Ordinarien teils an Rhein und Lahn, teils in die nähere Umgebung der Stadt, beſichtigten landſchaftlich ſchöne und hiſtoriſch denk⸗ würdige Punkte und kehrten nach erfriſchenden Wanderungen abends wieder zurück.

Am 11. Juni beging der Ehrenbürger unſerer Stadt und Begründer unſerer Anſtalt, der Herr Geh. und Oberregierungsrat Dr. Paehler das ſeltene Feſt ſeines fünfzigjährigen Dienſtjubiläums. Das Lehrerkollegium überſandte dem Jubilar einen lateiniſchen, von Herrn Prof. Eiſel verfaßten und von Herrn Zeichenlehrer Bormes in Kunſtſchrift ausgeführten Glückwunſch. Das Kuratorium des Gymnaſiums und der Magiſtrat der Stadt hatten be⸗ ſchloſſen, zur dauernden dankbaren Erinnerung an die Verdienſte des Jubilars um unſere Anſtalt ſeine bronzene Bildnistafel an der Front des Gymnaſiums anbringen zu laſſen. Das Bildnis iſt von Herrn Profeſſor Hugo Heck in Hanau künſtleriſch modelliert und wurde durch eine Schulfeier in Gegenwart der Mitalieder des Kuratoriums, des Magiſtrats und der Stadtverordneten ſowie einiger Freunde der Anſtalt am 15. Juni in würdiger Weiſe enthüllt. Dabei hielt der Unterzeichnete etwa folgende Anſprache:

Das Kaiſer Wilhelms Gymnaſium bildet neben den übrigen hieſigen Lehranſtalten den Stolz und die Freude der Stadt Montabaur. Und mit Recht. Bietet es doch neben manchen anderen greifbaren und ungreifbaren Vor⸗ teilen den Bewohnern der Stadt und der nächſten Umgebung vor allen Dingen die große Annehnllichkeit, ihren Söhnen vom Elternhauſe aus eine höhere Bildung und Erziehung zuteil werden zu laſſen als Vorbereitung zu allen höheren Berufen, einerlei, welchen einer ſpäter ergreifen will. Und ſo beſitzt die Stadt Montabaur in ihrem Gymnaſium eine Einrichtung, um die manche größere Stadt ſie beneidet.

Aber nicht nur die bildungsdurſtige Jugend der Stadt und der nächſten Umgebung ſtrömt zu dem Brünnlein der Wiſſenſchaft, das da plätſchert in den Räumen des Gymnaſiums, ſondern zum Teil von weit her kommen ſie. Weit über 3000 ſind ſeit dem Beſtehen der Anſtalt in das Album eingetragen worden, annähernd 1000 haben die Reifeprüfung beſtanden, und ſo kommt es, daß in ganz Naſſau und drüben im Heſſiſchen, an den Ufern des Rheins, der Moſel und der Saar, in Weſtfalen und der Rheinprovinz, im Süden und weit hinten im Oſten des Vater⸗ landes der romantiſche Name des lieblichen Weſterwaldſtädtchens von dankbaren Lippen erklingt.

Wem verdankt die Stadt Montabaur ihr Kaiſer Wilhelms Gymnaſium? Sie verdankt es in erſter Linie dem opferfreudigen, bildungsfreundlichen Gemeinſinn ihrer Bewohner und dem weiten Blick der ſtädtiſchen Behörden. Sie verdankt es aber auch einem Manne, der heute auf eine fünfzigjährige, reichgeſegnete und erfolgreiche Tätigkeit im Dienſte des preußiſchen höheren Schulweſens zurückblicken kann, dem Herrn Geheimen und Oberregierungsrat Dr. Paehler in Kaſſel. Um das beſſer würdigen zu können, muß ich einen Rückblick werfen auf die Geſchichte der Montabaurer höheren Schule während des 19. Jahrhunderts, wenn ich allerdings auch den meiſten der hier Anweſenden damit nichts Neues ſagen werde. Denn das gehört ja auch mit zur Freude und zum Stolz der Montabaurer auf ihr Gymnaſium, daß ſie mit der Geſchichte desſelben wohl vertraut ſind. 3

Als im Jahre 1803 durch den Reichsdeputationshauptſchluß Stadt und Amt Montabaur nebſt den übrigen rechtsrheiniſchen Gebieten des ehemaligen Kurfürſtentums Trier an den Fürſten von Naſſau⸗Weilburg gefallen waren, waren die Bewohner, die ſich jahrhundertelang wohlgefühlt hatten unter dem Krummſtabe, anfangs mit der Neu⸗ ordnung der Dinge nicht zufrieden, wußten aber andrerſeits ſich mit geſundem, praktiſchem Sinn in die Neuordnung der Dinge zu fügen. Als der Herzog daran ging, das Schulweſen in ſeinen neuerworbenen Landesteilen zu ordnen, wandten ſich die Behörden der Stadt mit einer wiederholten Eingabe an den Landesherrn, in der ſie ihn baten, die neu zu errichtende lateiniſche Landesſchule nach Montabaur zu verlegen. Und in der Tat beſtimmte der Fürſt