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Die übrigen patriotiſchen Gedenktage wurden durch Anſprachen in den einzelnen Klaſſen in der vorgeſchriebenen Weiſe begangen. Die Feier des Sedantages fand am 1. September nach Schul⸗ ſchluß ſtatt, wobei Herr Oberlehrer Dr. Walters die Anſprache hielt. Der Tag ſelbſt war ſchulfrei.
4. Beſondere Einrichtungen an der Anſtalt.
Nach einer Verfügung des Herrn Miniſters der geiſtlichen und Unterrichtsangelegenheiten vom 22. Dezember 1913 ſollen im Jahresbericht auch Mitteilungen gemacht werden von be⸗ ſonderen Einrichtungen, die an der Schule getroffen ſind, von Alumnaten uſw. und von eigen⸗ tümlichen Verſuchen im Leben der Schule. Hier wäre in erſter Linie das Biſchöfliche Konvikt zu erwähnen, das in ſeinem ſchönen, geräumigen Neubau auf luftiger Höhe unter der Leitung des hochwürdigen Herrn Regens Fiſchbach 106, d. i. mehr als die Hälfte unſerer auswärtigen Schüler, beherbergt. Man darf ſagen, daß dieſe Schüler in der Anſtalt nicht nur gut verpflegt, und nicht nur vor den mancherlei Gefahren für Leib und Seele nach Möglichkeit bewahrt werden, ſondern auch daß für ihre körperliche Ausbildung und ihre geiſtige Führung während der ſchulfreien Zeit das Mögliche getan wird, und daß ſich der wohltätige Einfluß dieſer Pflege auch in der Schule durch die Haltung und die Erfolge dieſer Schüler in angenehmer Weiſe bemerkbar macht, was wiederum auch auf die übrigen Schüler von wohltätigem Einfluß iſt. Nicht nur die dort untergebrachten Schüler und deren Eltern, ſondern auch die Schule iſt dem Herrn Biſchof von Limburg für die Unterhaltung dieſer Anſtalt zu großem Dank verpflichtet.
Die zweite ſchöne Einrichtung an unſerer Anſtalt iſt der Verein ehemaliger Schüler, der von dem Vorgänger des Berichterſtatters, Herrn Gymnaſialdirektor Proſeſſor Dr. Thamm, im Jahre 1907 ins Leben gerufen wurde und gegenwärtig etwa 500 Mitglieder zählt. Dieſe Einrichtung zu pflegen, betrachtet auch der Unterzeichnete als eine ſchöne Aufgabe. Zweck des Vereins iſt nicht nur die Pflege der Jugendfreundſchaft unter ſeinen Mitgliedern, ſondern auch Aufrechterhaltung des Zuſammenhangs der ehemaligen Schüler mit der Schule, der ſie in treuer Liebe und Anhänglichkeit zugetan ſind. Das zeigen ſie zunächſt durch die Feier von größeren Studienerinnerungsfeſten, die in größeren Abſtänden begangen werden. Das letzte war im Jahre 1911, das nächſte wird vorausſichtlich zuſammen mit dem 50⸗jährigen Jubiläum der Anſtalt im Sommer 1918 gefeiert werden. Daneben iſt es faſt zur Sitte geworden, daß die Abiturienten der einzelnen Jahrgänge ſich nach einer Reihe von Jahren am Sitz der Schule zu einer Erinnerungs⸗ feier verſammeln, an der die Schule jedesmal herzlichſten Anteil nimmt. So fand im Berichts⸗ jahr eine Erinnerungsfeier der Abiturienten von 1899 auf Einladung des Herrn Dr. Hartmann in Villmar ſtatt, der der Direktor und mehrere Mitglieder des Lehrerkollegiums gefolgt ſind.
Aber auch in werktätiger Weiſe zeigt der Verein ehemaliger Schüler ſeine Anhänglichkeit an die Anſtalt. Bei Gelegenheit des Sommerausfluges wurde dem Unterzeichneten vom Vor⸗ ſtand eine Summe zur Verfügung geſtellt, um auch unbemittelten Schülern die Teilnahme am Ausfluge zu ermöglichen, und zu Weihnachten erhielten wieder ſechs würdige und bedürftige Schüler eine Gabe von je 50 Mark; endlich wurde jedem im Felde ſtehenden ehemaligen Schüler, der ſeit Ausbruch des Krieges die Anſtalt verlaſſen hat, aus Mitteln des Vereins eine kleine Liebesgabe überſandt. Durch das Intereſſe, das die ehemaligen Schüler der Anſtalt ent⸗ gegenbringen, ehren ſie nicht nur ſich ſelbſt, ſondern ſie ehren und fördern auch die Schule, die ihnen dafür zu aufrichtigem Dank verpflichtet iſt.
Wie im vorigen, ſo hat auch im Berichtsjahre eine Reihe von populär⸗wiſſenſchaftlichen Vorträgen in der Aula der Anſtalt ſtattgefunden. Es ſprachen: 1. Der Unterzeichnete über das Thema:„Der Kampf um die Weltmacht bei den Römern und bei uns“. 2. Herr Dr. Herwarth von Bittenfeld über„Belgien“ mit Lichtbildern. 3. Herr Profeſſer Maßfeller über „Das Geſchützweſen der Gegenwart“, 4. Herr Pater Andreas Schmitt O. P. über„Krieg und Gottesglaube“.
Zu den Vorträgen haben die Schüler der oberen Klaſſen freien Zutritt. Von den anderen Beſuchern wird ein Eintrittsgeld erhoben. Der Reinertrag floß im vorigen Jahre in der Höhe von 303,80 M. der Wernekeſtiftung zu. Der diesjährige Ertrag wird zur Hälfte der Wernekeſtiftung und zur Hälfte der Nationalſtiftung für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen zufließen.
5. Reviſionen und Prüfungen.
Im Auguſt und September fanden unter dem Vorſitz des Unterzeichneten in 3 Terminen
die infolge des Kriegsausbruchs vom Herrn Miniſter der geiſtlichen und Unterrichtsangelegen⸗


