Aufsatz 
Einige mathematische Aufgaben aus dem Unterrichtsstoff der Obersekunda und Prima des Gymnasiums : 2. Teil
Entstehung
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Stellung ſegensreich gewirkt. So war er mit der Anſtalt, und die Anſtalt war mit ihm ver⸗ wachſen; wir ſahen ihn nur ungern ſcheiden, aber wir begleiten ihn mit den beſten Wünſchen für die Zukunft und werden ihm ein treues, dankbares Andenken bewahren. Dieſen Gefühlen von Lehrern und Schülern gab der Unterzeichnete auch bei einer Abſchiedsfeier in der Aula Ausdruck. Die erledigte Stelle des katholiſchen Religionslehrers wurde zu kommiſſariſcher Ver⸗ waltung dem Probekandidaten Herrn Anton Jäger übertragen. Über ſeinen Lebensgang macht er folgende Angaben:

Anton Jäger, geboren am 21. Juni 1884 zu Ellenhauſen im Unterweſterwald, beſuchte von 1896 das Kaiſer Wilhelms Gymnaſium zu Montabaur, das er Oſtern 1903 mit dem Zeugnis der Reife verließ; er ſtudierte 4 Semeſter an der philoſophiſch⸗theologiſchen Lehranſtalt zu Fulda und 2 Semeſter an der Albert⸗Ludwigs⸗Uni⸗ verſität zu Freiburg, worauf er in das Prieſterſeminar in Limburg eintrat. Am 21. Februar 1907 wurde er zum Prieſter geweiht, wirkte 2 Jahre an der Domkirche zu Limburg und 5 Jahre am Oberlyzeum der Marienſchule zu Limburg. Am 27. November 1911 beſtand er vor der Königl. Wiſſenſchaftlichen Prüfungskommiſſion der Univerſität Münſter i. W. die Prüfung für das höhere Lehramt. Im letzten Jahr ſeiner Limburger Tätigkeit beſuchte er gleich⸗ zeitig das pädagogiſche Seminar am Gymnaſium zu Oberlahnſtein und wurde Oſtern 1914 zur Ableiſtung des Probejahres und kommiſſariſchen Verwaltung der kath. Religionslehrerſtelle dem Kaiſer Wilhelms Gymnaſium in

Montabaur überwieſen.

Ferner verließen uns zu Anfang des neuen Schuljahres der Wiſſenſchaftliche Hilfslehrer Herr Aumüller, der dem Progymnaſium in Hofgeismar, und der Probekandidat Herr Dr. Georg Reichwein, der dem Gymnaſium und Realgymnaſium in Limburg überwieſen wurde, während der Probekandidat Herr Flock ausſchied, um ſeiner einjährig⸗freiwilligen Militärpflicht zu genügen. Anderſeits wurde der Anſtalt überwieſen der Wiſſenſchaftliche Hilfs⸗ lehrer Herr Paul Gilles.

Größere Veränderungen innerhalb des Lehrerkollegiums führte der Ausbruch des Krieges herbei. Es wurden zum Heere einberufen: 1. Herr Oberlehrer Ebert zum Landſturmbataillon Oberlahnſtein, ſpäter zum Unteroffizier befördert; 2. Herr Oberlehrer Gut zur Feſtungskom⸗ pagnie Mainz reſp. Biebrich, ſpäter zum Unteroffizier und dann zum Inſpektorſtellvertreter beim Reſ.⸗Bekleidungsamt befördert; 3. Herr Wiſſenſchaftlicher Hilfslehrer Dr. Kron als L. d. R. im 132. Inf.⸗Regt, im November mit dem Eiſernen Kreuze ausgezeichnet; 4. Herr Probe⸗ kandidat und kommiſſariſcher kath. Religionslehrer Jäger als Militärkrankenwärter in das Reſerve⸗Lazarett Niederlahnſtein. Der letztere kehrte Anfang Februar an die Anſtalt zurück, da er vom Kultusminiſterium als unabkömmlich erklärt und vom Kriegsminiſterium für die Dauer des Krieges vom Heeresdienſt befreit wurde. Die ſo entſtandenen Lücken wurden aus⸗ gefüllt durch Herrn Wiſſ. Hilfsl. Joſeph Reichert, durch die Überweiſung des Wiſſ. Hilfsl. Dr. Kirchgäßner und dadurch, daß der Religionsunterricht in entgegenkommendſter Weiſe übernommen wurde durch die Herren Pfarrer Weiand und Eberling, den Herrn Konvikts⸗ regens Fiſchbach und die Herren Kapläne von Boehn und Hans. So konnte nach der infolge der Notreifeprüfung möglich gewordenen Zuſammenlegung der beiden Primen der Unter⸗ richt auch während der Kriegszeit unverkürzt durchgeführt werden; nur die hebräiſchen Stunden mußten vom 18. Auguſt bis zum 1. Februar ausfallen.

Am 18. Auguſt verſchied in ſeiner Heimat Wevelinghoven Herr Oberlehrer Dr. Hubert Eſſer. In jungen Jahren befiel ihn gleich nach ſeiner erſten Anſtellung, die an der hieſigen Anſtalt erfolgte, eine tückiſche Krankheit, die ihn ſeinem Berufe entzog und nun dahingerafft hat. Wenn es ihm ſo auch nicht vergönnt war, mit uns zuſammen zu wirken, ſo bedauern wir doch ſein frühes Hinſcheiden und werden ihm ein treues Andenken bewahren.

Mit Beginn des Winterhalbjahres wurden die Wiſſenſchaftlichen Hilfslehrer Herr Sabel und Herr Gilles anderen Anſtalten überwieſen, der erſtere dem Gymnaſium und Real⸗ progymnaſium in Limburg, der letztere dem Haſſelſchen Inſtitut in Frankfurt a. M.

Am 4. Februar erreichte uns die Trauerkunde von dem plötzlichen Tode des ehemaligen hochverdienten Leiters unſerer Anſtalt, des Direktors des Kgl. Gymnaſiums in Wiesbaden Prof. Dr. phil. et jur. Melchior Thamm. Bei ſeiner Beerdigung, die am 6. Februar in Wiesbaden ſtattfand, war das Kaiſer Wilhelms Gymnaſium vertreten durch 2 Mitglieder des

Kuratoriums, 5 des Lehrerkollegiums und eine Abordnung von etwa 30 Schülern mit der Gymnaſialfahne. Der Direktor legte im Namen des Kuratoriums und des Lehrerkollegiums je einen Kranz am Sarge des Verſtorbenen nieder und widmete ihm einen Nachruf, in dem