43. sich anzueignen im Stande sind, als unsere kaum neunjührigen Sextaner, und daß die folgenden Klassen bis zur Untersekunda in allen Sprachen das gleiche Ziel wie bisher werden erreichen können, daran zu zweifeln wäre, nach den bisherigen Resultaten der Reformklassen, Kleinmut. Auch in Berlin hat man neuerdings den Versuch gemacht, in 6 klassigen Realschulen den fran- zösischen Unterricht erst in der Quarta beginnen zu lassen, den englischen in der Secunda. Dieser Versuch ist so gut ausgefallen, daß jetzt bereits zwölf derartige Anstalten dort pestehen.
VI. Das Alter der Vorschüler und Sextaner.
Ostern 1892 sind die Wechselcöten unsrer Vorschule in Parallelcöten verwandelt worden. Infolge dieser Veränderung ist die Altersgrenze für die Aufnahme in die unterste Klasse soweit herunter gerückt worden, daß Kinder von 5 ½ Jahren aufgenommen werden können. Man glaubte dieses Zugeständnis den Eltern schuldig zu sein, die bisher ihre Kinder im Herbst hatten ein- treten lassen. Von diesem Rechte, ihre Kinder schon vor vollendetem 6. Jahre in die Vorschule zu schicken, haben die Eltern bisher regelmäßig und ausgiebig Gebrauch gemacht. Ostern 1893 traten 14% Minderjährige ein
» 1894» 280%„„ » 1895» 20 07%„„ » 1896„» 14%„„
Man sieht daraus, daßs die Eltern in der Herabrückung der Altersgrenze einen wich- tigen Vorteil für ihre Kinder erblickten. Mir erscheint diese Einrichtung zunächst als ein Privile- gium der Begüterten von zweifelhafter Berechtigung. An den Bürger- und Mittelschulen werden nur Kinder aufgenommen, die vor dem 1. April das 6. Jahr vollendet haben. Ausnahmen kommen, infolge des großen Zudranges, nur sehr selten vor. Alle die Gründe aber, welche bei diesen Kindern häufig genug eine frühere Aufnahme rechtfertigen würden: Armut der Eltern, Mangel an häuslicher Aufsicht u. a., sie kommen bei unseren Schülern nicht in Betracht. Aber dieses Privilegium der Besitzenden ist nach meiner Uberzeugung ein wahres Danaergeschenk der Schule an die Eltern. Die kleinen Kinder sind den Anstrengungen, welche der Unterricht unvermeidlich mit sich bringt, in vielen Fällen noch nicht gewachsen. Schon nach dem ersten Vierteljahre füllt uns, die wir sie täglich zusammen sehen, die blasse Gesichtsfarbe auf, die bei den meisten während der ganzen Vorschulzeit andauert. Ob diese Zartheit der Kleinen nicht auch die Em- pfänglichkeit für alle möglichen Kinderkrankheiten steigert, das ist eine Frage, deren Beant- wortung ich den Arzten überlassen muß. Jedenfalls liefert die Statistik der Versäumnisse des ersten Schuljahrs ein auffallend ungünstiges Resultat.
Es wurden versäumt 1893/94 bei 14% Minderjährigen 18% aller Unterrichtstunden 1894/95» 28%„ 24%»„ 1895/96» 20%„ 12 ⁰%„»„
Die Souchay-(Mittel) schule hatte in der untersten Klasse:
1893/94 bei 0% Minderjährigen nur 7— 8% Versäumnisse 1894/95»»„„ 10%„ 1895/96»»„„ 8,4%»
Mögen allerdings manche Versäumnisse unserer Schüler eine Folge übergroßer Angstlich- keit der Eltern sein, so wirken sie doch in allen Fällen beeinträchtigend auf das Ergebnis des Unterrichts im ersten Jahre. Ich will, wie gesagt, für meine Person durchaus nicht behaupten,


