Aufsatz 
Reform des Elementarunterrichts in der Vorschule und Abschluß dieses Unterrichts in der deutschen Sexta. Eine pädagogisch-kritische Studie
Entstehung
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3. Befestigung im Lesen, Schön- und Rechtschreiben und im elementaren Rechnen.

Wenn früher bemerkt wurde, daß erst in Sexta der Elementarunterricht zu seinem Ab- schlusse gelangen soll, so gilt das auch von den Fertigkeiten, welche dem Schüler von nun an auf Schritt und Tritt unentbehrlich sind, deren mangelhafte Aneignung ihm bisher so viele Hindernisse bei der Erledigung schwierigerer Aufgaben bereitete. Ich brauche mich im einzelnen jezt wohl nicht mehr ausführlich darüber auszusprechen, wie wertvoll die deutschen Stunden der Sexta in diesen Beziehungen werden können, wenn sie richtig benutzt werden. So im nicht bloß sinngemäßen, sondern ästhetisch schönen Lesen, der Vorübung zu einer wirklich be- friedigenden Deklamation. Welcher Lehrer des Deutschen möchte nicht gerne mehr Zeit darauf verwenden, wenn sie ihm nur zu Gebot stünde! So in der Schönschrift. Bisher schadete das allzurasche Nebeneinandertreten von zweierlei Schwierigkeiten auf demselben Gebiete, der deutschen und lateinischen Schrift, der Fähigkeit vieler Schüler, sich auch nur auf einem von beiden siegreich zu behaupten. In Sexta aber wird es möglich sein, alle Schüler dahin zu bringen, daß es ihnen gleich gilt, ob sie ihr deutsches Diktat in deutscher oder in lateinischer Schrift nieder- schreiben. Und ähnlich verhält es sich mit der Orthographie. Auch hier mutete der fremd- sprachliche Unterricht dem Schüler das Erlernen einer zweiten Rechtschreibung zu, ehe die in der Muttersprache hinreichend festgewachsen war. Wir haben es oft genug erlebt, daß Schüler, welche in der Oberklasse der Vorschule ihr deutsches Diktat mit genügender Sicherheit schrieben, in Sexta darin auffallend zurückgingen und kaum weniger deutsche als lateinische orthographische Fehler machten.

Von der Ergänzung, welche dem Rechenunterricht in Sexta zu teil werden wird, braucht hier nicht weiter die Rede zu sein. Sie stimmt im wesentlichen mit dem bisherigen Lehrplane dieser Klasse überein.

Ich bin mit der Begründung meines Vorschlags: Befreiung der Sexta vom fremdsprach- lichen Unterrichte, zu Ende. Der Lehrplan dieser deutschen Sexta umfaßt nur 26 Wochenstunden anstatt 30; er bietet also einen angemessenen Übergang von den 23 Stunden der oberen Vorschulklasse zu den 30, die auch wohl in Zukunft dem Quintaner unvermindert auferlegt werden müssen. Wird mein Vorschlag Beifall finden? Jedenfalls wird er bei den Anhängern des bisherigen Lehrplans einem Einwurf begegnen. Sie werden fragen: Wann und wie soll der Ausfall des fremdsprachlichen Unterrichts in Sexta wieder eingebracht werden? Müssen nicht die folgenden Klassen in demselben Maße mehr belastet werden, als jene Klasse erleichtert worden ist? Ich könnte darauf antworten: Wer meinen Ausführungen zustimmt, der muß ernstlich wollen, daß eine derartige Reform ins Werk gesetzt werde, und wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg; die Auffindung dieses Weges ist nicht meine Sache. Aber ich glaube mich nicht hinter solche Bollwerke verschanzen zu sollen. Ich glaube, wir in Frankfurt sehen diesen Weg bereits vor uns, ja wir haben bereits angefangen, ihn zu betreten. Seit fünf Jahren wird hier in drei An- stalten der Versuch gemacht, zu beweisen, daßz es nicht so sehr auf die Zahl der Jahre ankommt, welche man auf die Erlernung einer Sprache verwendet, als vielmehr auf die Energie und F reudig- keit, mit der man sie betreibt, und daß man mit reiferen Schülern in bedeutend kürzerer Zeit das Ziel erreicht, welchem halbreife nur langsam näher kommen. Dafß Quintaner mit einem vollkommener entwickelten Abstraktionsvermögen und größzerer Sicherheit in ihrer Muttersprache

die Anfangsgründe des Lateinischen oder Französischen besser und rascher zu fassen und fester Wöhlerschule 1897. 3