Aufsatz 
Reform des Elementarunterrichts in der Vorschule und Abschluß dieses Unterrichts in der deutschen Sexta. Eine pädagogisch-kritische Studie
Entstehung
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gar eines systematischen grammatischen Unterrichts in der Vorschule. Unentbehrlich sind ein- zelne grammatische Unterweisungen hier nur, so weit sie im Dienste der Rechtschreibung stehen. Diese ist in erster Linie Sache des Gedächtnisses für Formenanschauung und Sache des ver- feinerten Gehörsinnes; daher leisten schon die ersten Schuljabre hierin recht Bedeutendes. Erfreulich ist die Beobachtung, welche seit nunmehr 2 Jahren in unsrer Vorschule mit der neuen, nach phonetischen Grundsätzen bearbeiteten Fibel von Wilhelm BangertN) gemacht worden ist. Der nach Anleitung des Vorworts erteilte Sprach-, Lese- und Schreibunterricht erzielt schon im ersten Schuljahre eine erstaunliche Feinheit der Lautunterscheidung, und diese läßt sich alsbald im Interesse der Rechtschreibung verwerten, natürlich nur soweit unsere Orthographie der Regel entspricht:»Bezeichne jeden Laut, den man bei richtiger, deutlicher Aussprache hört, durch das ihm zukommende Zeichen!« Wo aber diese Regel nicht ausreicht, wie gleich im ersten Jahre schon in der Anwendung der großen Buchstaben, da werden eben grammatische Regeln unent- behrlich. Auch die Einübung der(Casusendungen beim Substantivum und Adjectivum ist im Interesse richtigen Sprechens und Schreibens unentbehrlich. Nur soll hier das Hauptgewicht nicht auf schematische Deklinationsübungen, sondern auf Gewöhnung an richtige Beantwortung sachlich gestellter Fragen, und zwar Beantwortung in zusammenhängendem Satze, gelegt werden. Daß sich vom zweiten Schuljahr an reichliche Gelegenheit zu schriftlichen Ubungen findet, in welchen auch diesem Zwecke Rechnung getragen wird, darauf wurde schon oben bei der Be- sprechung des Anschauungsunterrichts hingewiesen. Selbständige und systematische grammatische Ubungen sind für die Vorschule nach meiner UÜberzeugung mindestens entbehrlich. Ich habe mich häufig überzeugt, daß in der Oberklasse bei allen Versuchen, derartige Ubungen anzustellen, die Anstrengungen des Lehrers in einem Mißverhältnis zu dem Erfolg für die Klasse standen. Ein bedeutender Bruchteil der Schüler verlor sofort das lebhafte Interesse, der übrigen aber be- mächtigte sich eine nervöse Unruhe in dem Gefühl der Unsicherheit, ob sie denn das Eingeprägte auch richtig behalten haben. Und wenn solche UÜbungen längere Zeit ausgesetzt hatten, so zeigten auch die sonst hellsten Köpfe eine bemerkenswerte Unsicherheit.

Für Sexta schreiben die neuen Lehraufgaben die Einübung der Redeteile und die Be- handlung des einfachen Satzes vor. Es leuchtet ein, daß für die Erledigung dieses Pensums große Vorarbeiten in früheren Klassen nicht erforderlich sind. Es soll auch nicht etwa die gleiche Zeit, welche bisher auf lateinische Grammatik verwendet wurde, jetzt der deutschen Sprachlehre zu gute kommen. Aber es ist allerdings eine gewisse Vorarbeit für den Beginn des fremd- sprachlichen Unterrichts in Quinta unerläßllich. Es gilt, die lateinische Terminologie einzuüben sowohl für die Flexionslehre wie für die Syntax, und dies wird dem Sextaner bedeutend weniger Anstrengung kosten, als bisher dem Vorschüler. Dabei muß aber immer vom Satz ausgegangen werden, und schematische Zusammenstellungen, soweit solche unentbehrlich sind, müssen ans Ende treten, so daß das auf analytischem Wege Gefundene zusammengefaßt und sodann gedächtnis- mäfig eingeprägt wird also ganz derselbe Weg, den im folgenden Jahre die grammatische Behandlung der fremden Sprache einschlägt. Auch hier wird Schrader insofern Recht behalten, als erst dieser letztere Unterricht dem Schüler zum vollständigen Erfassen des abstrakten gram- matischen Stoffes verhelfen wird. Es wird also bei der Bemerkung der Schlesischen Direktoren- Conferenz sein Bewenden haben, daß dieser Stoff dem Sextaner»zu einem mehr äußerlichen Besitztum« gemacht wird.

¹) Fibel für den ersten Sprach-, Lese- und Schreibunterricht. Frankfurt a. M. Mor. Diesterweg.