Aufsatz 
Reform des Elementarunterrichts in der Vorschule und Abschluß dieses Unterrichts in der deutschen Sexta. Eine pädagogisch-kritische Studie
Entstehung
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lichkeit Deutschlands in seinen großen Männern vor Augen führen, so soll daneben die engere Heimat die junge Seele auch wieder an sich fesseln. Hier soll ihm-das Auge geschärft werden für die Beobachtung der Bewegung von Sonne und Mond über dem eignen Horizont, für die Gestaltung des Bodens und die dadurche bedingte Bewegung und Verteilung der Gewässer sodann aber soll auch sein Ohr lauschen lernen auf die Sprache der Zeugen längst entschwundener Zeiten, welche die Hände lüngst erloschener Geschlechter auf den heimatlichen Boden gebaut: ehrwürdige Kirchen, Rat- und Bürgerbäuser, malerische Ruinen. Und dabei soll Ortsgeschichte und Sage eingehend berücksichtigt und hierzu Geeignetes fein säuberlich aufgezeichnet werden, sei es Prosa, sei es Poesie. Wie leicht ist es unseren heutigen Schülern gemacht, eine solche von ihnen selbst geschriebene Heimatkunde mit den schönsten Illustrationen zu schmücken, wo sie für wenige Pfennige photographische Bilder erwerben können! Wenn in der 2. Hälfte des Schuljahres die Übersicht über die Erdoberfläche zur Behandlung kommt, so empfiehlt es sich, nebenher im deutschen Unterricht eine zusammenhängende Lektüre vorzunehmen, welche geeignet ist, die nun dafür schon hbinreichend entwickelte Vorstellungskraft der Kinder an Bildern aus einer»neuen Welt« zu bereichern. Ich weiß kein Buch, welches für diesen Zweck geeigneter wäre als der Campe'sche Robert Crusoe in der Bearbeitung von Direktor Reimer in Leipzig), der in den sächsischen Schulen längst mit dem besten Erfolge verwendet wird. Die etwas lang- atmigen Gespräche der Campe'schen Originalausgabe sind in dieser Bearbeitung weggelassen. An ihre Stelle werden freie Besprechungen unter Leitung des Lehrers treten, unterstützt durch die Illustrationen des Buches und geographische Bilderbogen. Dabs auch das Gemüt der Knaben bei dieser Lektüre reiche Anregung empfängt, indem sie den Gedanken»Terra ubique Dominis« an dem Schicksal des Helden in ergreifender Weise zur Darstellung bringt, sei hier nur neben- pei erwähnt.

2. Die Förderung des Abstraktionsvermögens.

Wenn der Erfolg des anschaulichen Unterrichts sich am deutlichsten in der sprachlichen Bildung der Schüler offenbart, so ist damit schon vorausgesetzt, daß der Eindruck der sinnlichen Umgebung durch das Medium des schaffenden Menschengeistes eine innere Welt zur Entwicklung gebracht hat, welche wir die Welt der Vorstellungen nennen. Indem der Schüler die einander äahnlichen Vorstellungen vergleicht und das Resultat dieser Vergleichung angiebt, übt er die Thätigkeit der Abstraktion. Der Anschauungsunterricht der untersten Stufe verwertet die ein- zelnen Sinneswahrnehmungen zur Feststellung der einzelnen Merkmale und verbindet diese auf synthetischem Wege zu deutlichen und klaren Vorstellungen. Durch Vergleichung der einzelnen gelangt er zu Gesamtvorstellungen, um diese alsbald wieder auf deduktivem Wege in Sonderbilder aufzulösen. Durch diese dem kindlichen Geiste unbewufst pleibenden Leistungen wird der Schatz seiner materiellen Erkenntnis stetig vermehrt und zugleich seine Pähigkeit, zu erkennen, seine formale Bildung, gesteigert. Diese doppelte Geistesthätigkeit erweitert sich nun von Sexta an mit dem Kreise der umgebenden Welt, in welche der Unterricht einführt. Die Beschäftigung mit der Welt der Pflanzen und Tiere, die Beobachtung der Naturvorgänge an dem Himmel und auf dem Boden seiner Heimat führt zur Analyse der Einzelerscheinungen und durch Vergleichung dieser letzteren auf die Erkenntnis des Gesetzes, welches den zusammengehörigen Erscheinungen

¹) Robert Crusoe, Leipzig, Alfr. Oehmigke. Vgl. für den Vorschlag zusammenhängender Lektüre: Kannegiesser, Vorträge über erziehenden Unterricht. Breslau, F. Hirt 1893 p. 267.