Aufsatz 
Reform des Elementarunterrichts in der Vorschule und Abschluß dieses Unterrichts in der deutschen Sexta. Eine pädagogisch-kritische Studie
Entstehung
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Ubertrag 12 St.(9)

5. Rechnen. 4 y(4) 6. Naturkunde 2»(2) 7. Schreiben. 3(2) 8. Turnen. 3 2(3) 9. Singen.. 2»(2) 10. Latein....((8)

26 St.(30)

1. Vervollkommnung im Verständnis und Gebrauch der Muttersprache.

Herbart beschreibt den Fortschritt, welchen die Entwicklung des Kindes beim Eintritt in das Knabenalter zurücklegt, folgendermaßen:»Dem Kinde konnte man ein bestimmtes In- teresse einpflanzen, ihm baut man eine Welt durch Bilder und Erzählungen. Jetzt kommt die Zeit, wo die Wirklichkeit anfängt, ihre Rechte an den Knaben geltend zu machen, und wo er verlangt, in die reale Welt in immer sich erweiterndem Kreise eingeführt zu werden«¹). Nach diesem Grundsatz soll vor allen Dingen der Unter- richt in der Muttersprache, in Geschichtserzühlung, Heimat- und Naturkunde eingerichtet werden. Nicht die Grammatik also, wie das bisher mit dem Beginne des fremdsprachlichen Unterrichts, als des Hauptfaches, unvermeidlich war, sondern der freie Gebrauch der längst vertrauten Mutter- sprache innerhalb des sich erweiternden Kreises seiner Anschauungen soll die Geisteskräfte des Sextaners üben und bereichern. Ich kann mir nicht versagen, die schöne Stelle hierher zu setzen, in welcher Schrader in seinem trefflichen Lehrbuche der Pädagogik sich über den deutschen Unterricht in den Unterklassen höherer Lehranstalten ausspricht:»Zunächst ist ein systematischer Unterricht in der deutschen Grammatik auf den unteren und mittleren Stufen nicht nur über- flüssig, sondern in mehr als einem Betracht geradezu schädlich. Die nötige Bekanntschaß mit den allgemeinen Formen und Kategorieen der Sprache erwirbt der Schüler am leichtesten und klarsten in einer fremden Sprache; die eigne ist ihm hierzu nicht gegenständlich genug und ein zu inniger Teil seines eignen lebendigen Wesens, um nicht ihre analytische und, so zu sagen, anatomische Betrachtung für ein so frühes Alter zu erschweren und zu widerraten. Nicht indem der Schüler sie in ihre Formen auflöst, bildet er sich in seiner Muttersprache aus; er kennt und gebraucht diese Formen längst, ehe er das Schulzimmer betreten... er soll sich in sie durch den geistigen und gemütlichen Verkehr mit ihren besten Schöpfungen hineinleben, und dieser Verkehr soll durch den Lehrer so geleitet werden, daß ihre Reinheit und Tiefe, ihre Pracht und Fülle seinen Sinn zugleich fesseln und befreien. Nicht als Symbol und Kleid für den anderweit gefundenen Gedanken soll er sie betrachten und nach formalen Gesichtspunkten sich zurecht legen, sondern er soll ihren Klang empfinden und das lebendige Spiel ihrer bald kräftigen, bald anmutvollen Bewegungen mit dem Behagen anschauen, daß alles dies ihm und seinem Volke angehöre und daß es nur seiner Hingabe bedürfe, um dieses Spiel mit ihr teilen zu können. Ein Eindringen in ihren Bau darf ihm erst dann, und auch dann nur in allmählicher und maßvoller Betrachtung, gestattet werden, wenn er in und mit ihr soweit erstarkt ist, um von der Abstraktion und Analyse zwar größere Klarheit des Sprachbewußtseins, aber keine Beschädigung der Sprach-

¹) Herbarts Werke XI pag. 352. Vortrag über die Vorzüge der Pädagogik Pestalozzis.