11.
V. Reform des Lehrplans der Sexta.
Während der letzten vier Jahre habe ich reichlich Gelegenheit gehabt, die aus der Vor- schule nach Sexta versetzten Schüler zu beobachten, ihre mündlichen und schriftlichen Leistungen zu prüfen. Der Eindruck, den ich von einem großen Teil der Sextaner empfing, lässt sich in den Satz zusammenfassen: Das Fundament ihres Wissens und Könnens ist, besonders im Deutschen, noch zu schwach, ihre ganze geistige Entwicklung noch nicht weit genug vorgeschritten, als daß man sie mit gutem Gewissen nunmehr den Hauptteil ihrer Kraft auf die Erlernung einer fremden Sprache verwenden lassen könnte. Die mit dem Unterricht in Latein und Fran- zösisch in der Klasse betrauten Lehrer haben mir wiederholt ihre Übereinstimmung mit meinem Urteil ausgesprochen. Einer der gerade mit dem Unterricht in Sexta vertrautesten Kollegen hat schon im Programm der Wöhlerschule von 1883 den Wunsch ausgesprochen, es sollte die Auf- nahme in die Sexta nicht vor dem zehnten Lebensjahre gestattet sein. Auf diese Frage werde ich im nächsten Abschnitte näher eingehen. Derselbe Sachverständige hebt hervor, daß eine eminente körperliche und geistige Spannkraft von dem Lehrer verlangt wird, der nach der Perthes'schen Methode Latein— und, setze ich hinzu, nach der Methode der Reform Französisch— in Sexta unterrichtet. Dieser Anstrengung des Lehrers entspricht aber eine nicht weniger große Inanspruchnahme der Schüler. Nun ist schon oben zugestanden worden, daß die nach den Grundsätzen des methodischen Elementarunterrichts gebildeten Vorschüler in ihren Fertigkeiten nicht so weit gekomnien sein werden, als sie bisher kamen. Wenn also schon jetzt zwischen Vorschule und Sexta eine unausgefüllte Lücke pleibt, so wird diese in Zukunft dem gegenwärtigen Pensum dieser Klasse gegenüber noch fühlbarer werden. Ich erlaube mir daher einen zweiten noch einschneidenderen Reformvorschlag zu machen, nämlich die Sexta vom fremdsprach- lichen Unterricht ganz zu befreien und als die Klasse zu betrachten, in welcher der Elementarunterricht zum Abschlusse gelangt. Ich hebe hervor, daß diese Reform einen dreifachen Zweck erstrebt. Einmal gilt es, in der Muttersprache einen höheren Grad des Verständnisses und eine größere Geübtheit im mündlichen und schriftlichen Ausdruck zu erzielen. Sodann soll die Bildung des Abstraktionsvermögens durch den Unterricht des vierten Schuljahres weiter gefördert werden, als es in der Vorschule geschehen konnte. Endlich sollen die Fertigkeiten zum Abschlusse gebracht werden, deren der Knabe von nun an im Lesen, Schön- und Rechtschreiben und im elementaren Rechnen beständig bedarf. Diese Ziele sollten von allen Schülern erreicht sein, ehe ihnen der Unterricht in einer fremden Sprache zugemutet werden darf.
Es folgt nun der Lehrplan für Sexta, der mir für die Erreichung dieser Ziele geeignet erscheint. Die bisherige Stundenzahl(nach dem allgemeinen Lehrplan) ist in Klammer neben die vorgeschlagene gesetzt.
Lehrgegenstand: 1. Religion. 2. Deutsch...
3. Geschichte 4. Geographie
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