Aufsatz 
Reform des Elementarunterrichts in der Vorschule und Abschluß dieses Unterrichts in der deutschen Sexta. Eine pädagogisch-kritische Studie
Entstehung
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als Regel, daß die Vorschule in drei Jahren leistet, wozu die Volksschule vier Jahre praucht. Wir merken das sehr häufig, wenn Schüler anderer Anstalten in die zweite oder erste Vorschul- klasse eintreten wollen, in den meisten Fällen müssen wir sie eine Klasse tiefer setzen. Der Grund hierfür liegt fast immer in der Orthographie, der Grammatik und dem Rechnen. Wenn unsere Schüler im Rechnen anderen überlegen sind, so ist das hauptsächlich die Folge davon, daß wir außer jenen begünstigenden Verhältnissen fünf Wochenstunden in jeder Klasse haben, jene aber nur vier. Um so auffallender ist aber die Ungleichheit im Deutschen, da doch hierin die größere Stundenzahl auf Seiten der Volksschule ist. Hier liegt wirklich eine, pädagogisch angesehen, wesentliche und bedenkliche Differenz vor. Sie besteht, kur⸗ gesagt, darin, daß die Vorschule auf die Anschauung bei weitem nicht das große Gewicht legt wie die Volksschule. Über die Pfiege der Anschauung in der Volksschule spricht sich der preußische Regierungs- und Schulrat Dr. Schoenen) in seinem»Lehrplan für mehrklassige Schulen« folgendermaßen aus: Der Anschauungsunterricht wird zweckmäßsig an Bildern betrieben, deren einzelne Scenen dem Anschauungskreise der Kinder entnommen und angepaßt sind. Dieser Unter- richt hat den Zweck, die Anfänger daran zu gewöhnen, daß sie die dargestellten Personen, Gegenstände u. s. w. allseitig betrachten, ihre Aufmerksamkeit auf eine bestimmte Sache fixieren und in richtigem Deutsch sich über diese Sache aussprechen lernen. Von der 2. Hälfte des ersten Schuljahres an soll dann auch dem Ziele zugesteuert werden, daß die Kinder zunächst die Wörter, die im Anschauungsunterricht vorkamen, aufschreiben lernen, im 2. Schuljahre aber die von ihnen selbst gebildeten Sätze. Dr. Schoenen empfiehlt, in jedem Monat ein anderes Bild vorzunehmen. Bei der Auswahl der Bilder und Scenen ist stets darauf Bedacht zu nehmen, daß die Fassungs- kraft der Kinder und der von ihnen durch wirkliche Wabrnehmung und Lebensgewohnheit er- worbene Anschauungskreis die nötige Berücksichtigung findet. Nachdem das Bild zunächst im allgemeinen der Betrachtung und Besprechung unterzogen worden, wird eine einzelne Scene herausgehoben und begrenzt; es kommen Gestalt und Farbe der dargestellten Personen, Vergleiche der abgebildeten Gegenstände mit den wirklichen, besonders aber der durch die Scene dargestellte Moment der Handlung, sowie das dem dargestellten Moment Vorausgegangene und Nachfolgende zu eingehender Erörterung. Nur hüte sich der Lehrer, selbst zu viel zu reden, vielmehr betrachte er es als seine Aufgabe, die Kinder schauen, denken, sprechen zu lehren; besonders trete er da ein, wo es gilt, falsche Anschauungen, falsche Benennungen und Ausdrücke zu berichtigen, wobei aber alle Uniformität und jedes mechanische Einprägen einer Reihe feststehender Sätze ganz und gar zu vermeiden ist.« Eine derartige systematische Pflege der Anschauung kennt die Vor- schule nicht. Ihre Kenner und Freunde, wie Direktor Dr. Henke in Barmen, gestehen das nicht nur zu, sondern sie erblicken darin einen wesentlichen Vorzug. In seinem erwähnten Gutachten zu Gunsten der Vorschule sagt er: ²)»In der Vorschule tritt der Anschauungsunterricht zurück, ebenso die Masse des durchzulesenden Stoffes. Dagegen muß die Geübtheit im schnellen Lesen und Schreiben der deutschen und lateinischen Schrift bis zu einer höheren Stufe gefördert werden, ebenso die systematische Kenntnis der Formenlehre und der wesentlichsten Elemente der Syntax. Er verlangt außzer der lateinischen Terminologie der Wortarten und Deklinationsformen die Satzteile(Subjectsnomen, Praedicatsverbum, Praedicatsnomen, Object, adverbiale Bestimmung, Attribut, Apposition), die ganze Fülle der bei der Conjugation gebrauchten Ausdrücke(Indicativ, Conjunctiv, Optativ, Imperativ, Infinitiv, Participium, Praesens, Imperfectum etc.). Mit Recht

¹) Köln 1886. Dumont-Schauenbergs Verlag p. 25 ff. 2) a. a. 0. p. 35.