Aufsatz 
Reform des Elementarunterrichts in der Vorschule und Abschluß dieses Unterrichts in der deutschen Sexta. Eine pädagogisch-kritische Studie
Entstehung
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denjenigen verhalten, welche die Grundlage des Volksschulunterrichts bilden. Da ist es nun von vornherein auffallend, daß die Regierung nicht bestimmte Vorschriften über die Methode des Vorschulunterrichts gegeben, daßs sie es vielmehr ausdrücklich den Leitern der höheren Lehranstalten überlassen hat, darüber zu befinden ¹). Die Folge davon sind bedeutende Ver- schiedenheiten in den Lehrplänen der einzelnen Vorschulen. So ist die Zahl der Stunden, welche den einzelnen Gegenständen, auch den gerade für die ersten Schuljahre wichtigsten, gewidmet sind, keineswegs überall die gleiche. In Barmen z. B., wo neuerdings die Vorschulen zu Gunsten der Volksschule abgeschafft worden sind, wurde Religionsunterricht wöchentlich nur in einer einzigen Stunde gegeben, wührend hier in Frankfurt überall die doppelte Stundenzahl angesetzt ist. Ebenso hatte in Barmen die 3. Klasse bereits 1 Stunde Gesang und 1 Stunde Turnen, die 1. Klasse 1 Stunde Geographie; das Rechnen beanspruchte dort in der 1. Klasse 6 Stunden, während man sich hier mit 5 Stunden begnügt. Ich führe diese Einzelheiten hier an, weil gerade der Barmener Lehrplan den grundsätzlichen Unterschied zwischen Volksschule und Vorschule besonders deutlich hervortreten lüßzt. Dieser Unterschied liegt auch in Frankfurt vor, und die wohl in nicht allzuferner Zukunft zu erwartende Fortsetzung des Kampfs um die Vorschule wird auf diese Verschiedenheit ein helles Licht werfen, wenn nicht rechtzeitig dafür gesorgt wird, ihn nach Möglichkeit zu beseitigen. Vergleichen wir nun den hiesigen Lehrplan der Vorschulen mit dem der entsprechenden Volksschulklassen.

a. Christlicher Religionsunterricht.(Vorsch. 2, 2, 2 St. Volkssch. 3, 3, 4 St.) die Vorschule soll in 6 Wochenstunden das leisten, was die Volksschule in 10 Stunden fertig pringt. Soll auch hier der Grundsatz gelten, daß das gleiche Ziel erreicht werden muß, nur mit dem Unterschied der erfreulichen Sicherheit der Vorschüler? Oder hat Direktor Dr. Henke in Barmen recht, wenn erꝰ) sagt:»Gemäß der niederen Stundenzahl(1 Stunde in der Woche!h) ist auch der religiöse Gedächtnisstoff, welcher anzueignen ist, in der Vorschule sehr viel geringer« und wenn er fragt:»Würe es also, da der ganze Stoff, den die Elementarschule schon in den ersten drei- Jahren zu bewältigen hat, von VI. an dreimal vorkommt«(nach den neuen Lehraufgaben nur noch einmal, da von IV. an das Bibellesen an Stelle der biblischen Geschichte tritt)»nicht unverantwort- lich, das Gedächtnis der Vorschüler schon mit diesen Dingen zu belasten?« In Frankfurt hat man vom Religionsunterricht eine bessere Meinung, die Zahl der in der Vorschule zu behandelnden biblischen Geschichten ist bei uns nicht kleiner, als die im Lehrplan der Bürgerschulen vorge-

schriebene, und in der That läßt sich mit den viel kleineren Klassen 20 bis 30 evangelische Schüler rascher vorwärts kommen als mit den überfüllten Klassen der Volksschulen. Immer-

hin ist es ohne Zweifel richtig, daß auch hier von einer centralen Stellung und Bedeutung des Religionsunterrichts schon auf dieser Stufe nicht die Rede sein kann. Wo das Elternhaus in der Pflege des religiösen Sinnes mit der Schule Hand in Hand geht, läßst sich immerhin das Ziel einigermaßen erreichen.

b. Deutsch(Vorsch. 11, 7, 9 Volkssch. 12, 10, 10 St.). Den 27 Wochenstunden der Vorschule stehen 32 Stunden der Volksschule gegenüber. Diese Differenz würde angesichts der begünstigenden Verhältnisse der Vorschule berechtigt erscheinen, wenn streng daran festge- halten würde, daß nicht höhere Ziele erstrebt werden sollen als in den 3 Unterklassen der Volks- schule. Thatsächlich aber sind die Ziele wesentlich andere und stellen sich im Zusammenhang mit der höheren Schule auch ganz entschieden als höhere dar. Dem entsprechend galt es bisher

) Vergl. Min. Reskr. v. 18. Oktober 1882 und Allgem. Best. v. 23. April 1883. ²) Die Vorschule der höheren Lehranstalten 1887.