Aufsatz 
Reform des Elementarunterrichts in der Vorschule und Abschluß dieses Unterrichts in der deutschen Sexta. Eine pädagogisch-kritische Studie
Entstehung
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5 es: die drei Klassen der Vorschule sind zu betrachten als die drei untersten Jah rgänge einer wohlgegliederten und unter besonders begünstigenden Umständen arbeitenden Volksschule. Daher sind diese Klassen abgesondert zu zühlen und nicht als Klassen der höheren Schulen selbst zu bezeichnen. Die begünstigenden Umstände liegen 1. in der Unterstützung, welche die Schule durch das häusliche Leben der Schüler erfährt; 2. in der Bestimmung der meisten Schüler für eine höhere Schulbildung; 3. in der beschränkten Frequenz der Klassen. Von besonderer Wichtigkeit ist, daß ausdrücklich betont wird: Es ist nicht Absicht der Regierung, daß höhere Ziele erreicht werden, als sie der Volksschule in den drei Unterklassen gesteckt sind; sondern die Regierung will, daß die Schüler in den für den Eintritt in die höhere Schule er- forderlichen Kenntnissen und Fertigkeiten eine erfreuliche Sicherheit erlangen. Man braucht also nur den Lehrplan für die Frankfurter Bürgerschulen aufzu- schlagen und hier nachzulesen, was die VII., VI. und V. Klasse in den verschiedenen Lehr- gegenständen zu leisten haben, und das Ziel der Vorschule tritt in voller Deutlichkeit zu Tage. Wenn alle Schüler der Oberklasse der Vorschule in allen diesen Lehrfächern es zu erfreulicher Sicherheit gebracht haben, dann und nur dann entsprechen die Leistungen der Vorschule den Erwartungen der Regierung.

Es könnte auf den ersten Blick auffallend erscheinen, daß trotz der»begünstigenden Umstände«, unter welchen die Vorschüler arbeiten, dennoch die Ziele nicht höher gesteckt sind. Aber bei näherem Zusehen erklärt sich diese Beschränkung sehr einfach: Die Stundenzahl ist in der Vorschule eine ganz erheblich geringere als in den entsprechenden Klassen der Volksschule, dort 18, 21, 23 Stunden, hier 22, 22, 26, also ein Unterschied im ersten Jahre von 160 Stunden abgesehen von der geringeren Feriendauer in der Volks- schule im zweiten von 40 und im dritten von 120 Stunden, also in drei Jahren ein Unter- schied von 320 Stunden. Einer so niederen Stundenzahl hat sich die Vorschule keinesweg immer erfreut: in den Jahren von 1870 1882 hatten die beiden unteren Klassen je 26, die Oberklasse 27 Stunden, also sogar mehr wie jetzt die entsprechenden Klassen der Volksschule. Daß eine so bedeutende Ermäßigung eintrat, war die Folge der Erkenntnis, daß man Knaben, die einen zwölfjährigen Unterricht aushalten sollen, in den ersten Jahren schonen müsse, damit sie nicht an ihrer Gesundheit Schaden nehmen ¹). Darum darf an dieser Reduktion unter keinen Um- ständen wieder gerüttelt werden. Ebenso muß aber auch an dem vorstehend bezeichneten Ziele festgehalten werden, wenn die Schüler in ihren Kenntnissen und Fertigkeiten es zu erfreulicher Sicherheit bringen sollen.

III. Die bisherige Methode des Unterrichts in der Vorschule, verglichen mit derjenigen der drei Unter-Klassen der Volksschule.

Der lebhafte Kampf, welcher seit Jahren in parlamentarischen Körperschaften und in der Presse über die Frage geführt wird, ob die Vorschule neben der Volksschule weiter zu existieren berechtigt sei, ein Kampf, der durch die Ablehnung einer Vorschule an dem Goethegymnasium für Frankfurt in ein akutes Stadium getreten ist, hat gewiß mehrfaches Interesse. Uns beschäftigt in diesem Zusammenhange zunächst lediglich die pädagogische Seite der Frage. Wir haben also zu untersuchen, wie sich die Grundsätze, nach welchen die Vorschüler unterrichtet werden, zu

¹) Vergl. Wiese, Verordn. u. Gesetze I. 156.