Aufsatz 
Die Stellung unserer Klassiker (besonders Goethes und Schillers) zur naturalistischen Richtung. Eine entwicklungsgeschichtliche Studie
Entstehung
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Tale

weil er jchon vorher frank it und fich in Lotte ein Fdealbild der jeelifchen Gefundheit jchafft, das ihm verjfagt bleibt, weil er fich nicht zu der Stlarheit erheben fan, daß Leben Tätigkeit ift, daß man dann das mwürdigite Dafein führt, wenn man auf eigene Wünfche verzichten lernt und ich im Dienste für die anderen aufopfert. WonTendenz it hier feine Nede. rt überfpannte Zeitgenoffen haben daraus geichloffen, daß died Goethes dauernde Lebensanfhauung jei. Er läuterte jih von demWerther-Lafter um ein neues Dafein beginnen zu können. Vielleicht hat er aus diefer Erfahrung zuerft die Folgerung gezogen, daß Kımft eine Erhöhung über das wirkliche Dafein, itber dadStoffliche, wie Schiller jagt, bedeuten müfje; denn um Sranf- heitözuftände zu verewigen genügten Schließlich auch medizinische Protokolle. Übrigens erhebt jih der Noman zum Schluffe weit über troftlofe Abgründe. E3 leuchtet doch etwas von dem Cwigen herein. Die neue Moral ijt feine verneinende, jondern die allen guten Menjchen jelbjtverftändliche, daß man feinen verdammen jolle ohne ihn zu ver: ftehen.Schöpfe Troft aus. feinem Leiden! heißt es jchon in der Vorbemerkung und jpäter:Folge mir nicht nach! Noheit jcheidet gänzlich aus, zarte, überfeined Empfinden fpriht aus dem ganzen Werke. Werther fcheidet ja doch zum Schluffe aus der Welt um dei Sieden diefer Seele nicht zu ftören. Und ebenjo wenig ift die Form naturaliftiich. Goethe wählt wie Roufjeau die Einfleidung in Briefe. Aber das geht jo langjam und doc jo ficher, daß wir dad Ende fait zu Anfang vorausjehen. Wie willkürlich tft der franzöfiiche Roman dagegen!

Wenn wir den Naturalismus in der weitejten Ausdehnung des Begriffes als Nückehr zur Natur auffaffen, jo finden wir auch in Goethes Briefen und jonftigen profaifchen Schriften veichliche Zeugniffe dafür. Freilich ift eine gewilfe Vorfiht und auch Beichränfung in der Auswahl geboten. Am 9. November 1768 jchreibt er an Brofeflor Defer in Leipzig, daß diefer ihmden Weg zum Wahren und Schönen gezeigt habe; aber dies ijt doch ficher im Sinne der mehr äußerlichen Nahahmung der Natur zu erklären. Die Epoche feiner Richtung zum Natürlichen beginnt erjt in Straßburg umd zwar durch Herder Einfluß. Der eigentlicheKraftitil jegt damit ein, der Kampf gegen Negel und abgezirkelten Anftand entbrennt und-Soethe jcheut nicht vor derben Ausdrüden zurüd. EI macht ihm Freude die Dinge mit ihrem richtigen Namen zu bezeichnen und den Zwang der Regeln zu fprengen.E83 jchien mir die Einheit de Ortes jo ferfermäßig ängitlih, die Einheiten der Handlung und der Zeit Läftige Felleln unferer Einbildungskraft. Ih Iprang in die freie Luft und. fühlte