ZU IN au
Talenten befaßte fich mit dem Dichten und glaubte etwas Großes geleitet zu haben, wenn jte fich möglichjt natürlich, d. h. häufig recht unnatürlich gebärdete.&3 ift gewiß feine echte Natırr, wenn man nur da3 Nohe und Gemeine in den Vordergrund rüct; denn zur äußeren Welt gehören auch Frühlingslandichaft, die ernfte Welt des Herbites, die Sonne und die Sterne. Wer fein Schönheitägefühl, feine moralijche Kraft in fich trägt, Fan fich nicht al3 Nepräfentant der Menjchheit aufjpielen. Doch hier handelt e3 fich vor allem um die Frage der Fornt, d.h. um Vernichtung der Form. Daß fich diefe veräußerlichen und handwerfsmäßig werden fann, fennen wir aus den Hleinlichen VBorjchriften in den Singjchulen der Meifterfinger, aus der ftrengen Einhaltung der drei Einheiten, von denen zwei(Zeit und Ort) weniger von Belang find, in der Kunftlehre Boileaus und Gottjcheds. Auch jeit Nücert Bid auf die legten Nachahmer der Nomantifer irrte man bedenklich von der Bahn der Natur ab und verlor fich häufig in leere Reimfpiele oder äußerlichen Formalismus. Ferner Huldigt der echte Naturalismus der„Tendenz“. Er will, wie VBerg meint, unhaltbare Zuftände wegräumen um neue Möglichkeiten, ein neues Beitalter anzubahnen. Verhält e8 fich jo, dann ift er nur ein Dirch- gangsftadium in der Kunft, nicht dieje jelbft. Cbenfowenig fanır man begreifen, wie man gerade die Bühne zu diefem Zmwede mißbraucht, Wir gehen doch nicht ind Theater um und zeigen zu Laffen, wie jchlecht die Menjchen in einer Großftadt find, oder die nee Moral eines unberufenen Propheten anzuhören, weil ihm. die alte, die chriftliche Moral, die erhabenfte Lehre der Welt, zur fehwer geworden ift. Oder um md„Übermenschen“ nach Nießfches Vorfchrift oder weit darımter vorführen zu Laffen, die fich fchließlich al3 Lleinliche Taugenichtfe oder Hppochonder entpuppen. Leo Berg weilt auch darauf hin(S. 13), daß neuerdings jelbjt die vielverachteten Negeln über Einheit des Ortes wieder zu Ehren kommen,„daß die modernften. Dramatiker zu ihnen zurückkehren, daß jelbft Nomanzter3 durch die Einheit des Ortes ganz impofante Wirkungen erzielen“. Nur hat man jet einen anderen Auzdrud dafür gefumden:„Milten“, wodurch jchon die Abhängigkeit vom Auslande gekennzeichnet ift. Goethe im„Werther“ hat ja eben- fall3 einen franzöfifchen Vorgänger: Nouffeaus„Sulie oder die neıte Heloife”. Aber diefer St. Preur hat jedoch mit der Hauptperfon in feiner Dichtung mir entfernte Verwandtichaft. Und das ift eines der Momente, die Goethe von den Naturaliften neueren Datums unter- jcheiden. Werther ift ein Selbftbefenntnis, ungleich tiefer als Nouffeaus Verlangen nach finnlichem Naturglüd. Die Liebe nimmt Werther nicht ausjchließlich gefangen wie St. Breur; er geht in den Tod,


