Aufsatz 
Die Stellung unserer Klassiker (besonders Goethes und Schillers) zur naturalistischen Richtung. Eine entwicklungsgeschichtliche Studie
Entstehung
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heit werfen ihre Nee mm den edlen Nittersmann und fchließlich ficht fi diefer jeldft in die Bewegungen de3 Bauernbundes hineingerifien und er hat alle Not fich vor der Anftecung einigermaßen zu bewahren. Sp endet er in trüberFinfterni3 der Seele. Alle, die gut waren, find bi3 auf wenige Ausnahmen dahin. Doc für unfere Zwede Liegt der Nachdruck auf der Umänderung im fprachlichen Ausdrud. CS tft realiftifche Forderung, daß jeder jo redet, wie e3 feinem Lebensfreis entipricht. Wenn man von Gottjcheds pedantifch nüchterner Profa, von Klopftods erhabenem Pathos, von Leilings flarer und beftimmter Ausdrucdsweife herkommt, fo erjcheint hier etwas Neues. Jede Verjon fpricht jo, wie man e8 von ihr erwartet: Die aufrühreriichen Bauern grob md urwüchjig, doch aucd mit Schattierungen, Göß treuherzig und offen, Weislingen Hofmännifch und gleisneriich, mur bei feiner Icheinbaren Sinnesänderung brechen Herzenstöne hervor; Adelheids Worte Llingen Iodend und verlodend, fie jchaufpielert mit ihren Empfindungen, eigentlich haftet ihren Neden immer etwas Gcheim- nispolles an, weil fie die erjte dämonijche Geftalt tft, die Goethe Ichafft. Manches, 3. 3. die Ichwäbiiche Färbung, verdanft Goethe feiner Quelle; aber gleichviel, e3 find natürliche Menjchen, die und entgegentreten, und fo ift e3 des Meifters Wille und Abficht. Aber e3 findet auch feine Sprachverwirrung ftatt. Könige reden nicht wie fleine Leute, die Perfonen ergehen fich nicht in lauter Snterjeftionen und in blödem Geftammel. 3 find jelbit die Niedrigften nod) Menfchen, feine Ganz oder Halbnarren. Die Iprachliche Darftellung ift von dem widerlichen SKrächzen und Getue im echt naturaliftiichen Drama himmelmweit verfchieden. Noch ftärfer tritt die unmittelbare Kraft der Sprache in den Fleineren Werfen(3. B. Götter, Helden und Mieland) zutage.

DieLeiden des jungen Wertherd(1774) bieten zur Betrach- tungen über dieTendenz und dieForm Anlaß; dem beide jind vielerörterte Begriffe in den Zeiten des Naturalismus. Leo Berg widmet diefer Frage ein befonderes Kapitel.) Mit Necht weilt er darauf hin, daß in folchen Zeitalterndie Anarchie in der Literatur erklärt wird.Wie e3 tır der moralifchen Welt bejonder3 die Spik- buben find, fährt er in feiner draftifchen Weife fort,die von allen Freiheiten den größten Nuten haben, jo profitieren Hier am meiften die Dilettanten von jeder Gefeglofigfeit. Wir erfermen auch in Diejer Hinficht die Verwwandtichaft des modernen Naturalismus mit der Be wegung de3 Sturmes und Dranges. Gine Neihe von umnberufenen

2) An feiner SchriftDer Naturalismus, München 1892,©. 112 ff.Der Naturalismus der Form,