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Schilderung. Da ilt feine einzige, die einen fittlichen Nückhalt im fich trägt, lauter„übertünchte Gräber“, Eriftenzen, die nım von dem Heute leben, weil jie das Morgen fürchten. Man denkt an die Gatilinarier, wie fie Cicero jchildert.. Sölfer der Schwiegerfohn ift ein gemwiffenlofer Spieler und Berjchwender, der fih aus dem ärgiten Schurfenftreich nicht3 macht, wenn’3 nur nicht herauskommt, fein Schwiegervater ein würdiges Gegenftüc, ein eitler Nenommift, ein geldgieriger Patron und Alceft der Stavalier fteht faum auf höherer Stufe der Sittlichkeit. Das Stüd fchließt vielverheißend:„Diesmal blieben wir wohl alle ungehangen“, wie e3 vorher heißt:„Seid ext nicht Hängenswert, wenn ihr und hängen wollt!" Nur Sophie ftrebt nad} der zweiten Nedaktion über das allgemeine Niveau einigermaßen empor. Albert Köfter urteilt über das Verhältnis der beiden Faffungen:„Hatten in dem Ginakter die vier Perfonen ihr Dafein in der fittlichen Fäulnis achjel- zudend hingenommen al3 den Zuftand, der mım einmal nicht mehr zu ändern ift, jo jehnt in dem nachgedichteten erften Aufzug Sophie fich hinauf nad Neinheit, wie fie fie früher in der Zeit der erften Liebe zu Alceft gekannt hat“;!) denn die erfte Liebe ift nach Goethe idealiftiich. Diefe Anderung ift eine fpätere Veredlung de3 Stoffes und darım für Goethe chavakteriftiich; denn wenn diefes Motiv bis ins Hußerfte gejteigert wide, jo wäre das Grgebnis ein Charakter wie Sphigenie. Mit dem ganzen Milten, dem Gang der Handlung verträgt fich dies jelbjtverftändfich nicht. Hier Haben wir die ganze Lichtlofe Finfternis des Naturalismus. Man brauchte mm gewiffe durch die Zeit bedingte Äunßerlichkeiten zu ändern und ein modernes Pradtitüd wäre fertig; freilih fehlten noch gewilfe Zutaten wie Gntartungserfcheinungen, franfhafte Nervofität, Anfälle von Srrfinn, ftärkere Brutalität. Kein Humor, was bei einem jugendlichen Menfchen begreiflich erjcheint, mildert den Gindrud wie 3. 8. in Gerhart Hauptmanns Biherpelz. Wir jehen, daß fich der ganz echte Natıralismus von felbft mit trübem Beliimismus, mit Verzweiflung am Leben zufammenfindet, wenn er nicht erfünftelte Mode ift. Goethe fällt darüber fpäter ein beherzigend- wertes Irteil:?)„Hätte ich al8 Schriftfteller die Wünfche des großen Haufend mir zum Ziele machen md diefe zu befriedigen trachten wollen, jo hätte ich ihnen Hiftörchen erzählen umd fie zum beften haben müfjen, wie der felige Koßebite getan hat.“;
Auch in GöL von Berlichingen find in der Hauptjache die Nacht- jeiten de Lebens dargeftellt. Das ift ein Anzeichen, tvie wenig ich Goethe in der damaligen Zeitrichtung wohl fühlt. Verrat und Gemein-
) Yubiläumsausgabe von Goethes Sämtlichen Werken(Cotta) Bd. 7,©. 817. 2) Gejpräche mit Erfermann von 20. Oftober 1830,


