erst, daß ich Hände und Füße hatte“) md in demjelben Auflage fchreibt er:„Und ich rufe Natur! Natur! Nichts jo Natur als Shafefpeares Menfchen.“ Aber wie jehr dazu auch die edeliten Seiten des Menfchentumsd gehören, zeigen feine Worte über Homer:„Und da, anftatt Gefühld des höchften Fdeal3 menjchlicher Natur, der hödhften Würde menschlicher Taten, entichuldigt“ man„den Homer, daß feine Zeit Tapferkeit für die Höchfte Tugend hielt?) Goethe wünscht, „daß der heilige Sinn der überirdiichen Geftalt über euch fäme, ihr anbetetet, und Wärme und Mut euch entzündete.“ Zur natürlichen Darftellung in der Kunft ift e8 auch nmottwendig, daß Feine gelehrten Kenntniffe vorausgefeßt werden, jondern alle al3 gegenwärtig und naturgetreu wiedergegeben wird.„Und jo ift alles Ktoftinme lächerlich.“
Wie bei Goethe jo macht fi auch beit Schiller in den Jahren de3 Sturmes und Dranges ein leidenfchaftliches Verlangen nad Natur und Wahrheit bemerkbar. Schiller jelbit fühlt fich verpflichtet fein erites Stüd, das eine gewaltige Wirkung ausübte, gegen den Vorwurf der Mahlofigkeit und Übertreibung in Schuß zu nehmen:„Unfer inneres Gefühl empört fich dabei, aber wir glauben doch immer unter Menfchen zu fein, folange wir und überreden fonnen, daß. das Herz niemal3 jo grundverderbt werden fann, al3 die Zunge e8 auf fich nimmt. Wiederum liefert uns die Gefchichte Subjekte, die unjeren Franz an unmenshlihen Taten weit hinter fich laffen umd doc fchüttelt und diefer Charakter fo jehr.“?) Daß e3 folche„Schleichenden“ Teufel in Menfchengeftalt geben fan, lehren und die Beobachtungen aus der Gegenwart. Für unfere Frage kommt e3 hauptjächlich darauf an, ob da3 Lafter und die Gemeinheit um ihrer jelbit willen dargeftellt find. Das ift unbedingt zu verneinen. Bon diefer allgemeinen Ber: derbtheit hebt fich die edle Geftalt Amalias ab(ganz anders in Goethes Mitichuldigen). Karl Moor ift urfprünglich eine edle hochjinnige Natur,„ein Geift, den das äußerte Lafter mm reizet um der Größe willen, die ihm anhänget, um der Kraft willen, die e3 erheifchet, um der Gefahren willen, die e3 begleiten.t) Was aber am wichtigften ift, troß aller Greneltaten triumphiert das Vöje nicht, jondern die Moralität, die höhere Macht fiegt. Wir können bier die einzelnen Werke nicht verfolgen. Wie fi) Schiller allmählih von der Maf- lofigfeit zu läutern beginnt, jo werden auch feine Anfchauungen immer mehr geläutert. Schon in Kabale und Liebe tritt und in Ferdinand
2) Zum Shafejpeares Tag.
2) Rezenfion i. d. Frankfurter Gelehrten Anzeigen 1772, 3) Zubiläumsausgabe, Bd. XVI,©. 29,
4)©. 16(Vorrede zu den Näubern).


