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ihre richtigen Verhältniffe geben fan, ift, wenn ich nicht irre, ein ganz anderes Geichöpf. Ein folcher Dichter ift in der Tat ein zweiter Schöpfer, ein Prometheus neben einen Jupiter.“!)
Der Sturm und Drang jeßte die Richtung zum Natürlichen feit und er hatte gewiß gegen die ungefunde Manier alles zu erfünfteln recht. Breitinger meint in der„Gritifchen Dichtkunft“ und zivar in dem Abjchnitt„Bon der herrührenden Schreibart”:„Die figürliche Schreibart machet und glauben, wir fehen die Sachen al3 gegenwärtig vor ums, und betrieget und auf eine unfchuldige Weife durch den Schein der Wahrheit und Würklichfeit; die bewegliche dagegen er- weifet ihre Kraft damit, daß fie uns nöthiget, an den vorgeitellten fremden Handlungen und Angelegenheiten, al3 Menfchen von gleicher Natur, Theil zu nehmen und durch die Gemeinjchaft eben derjelben innigen Rührungen für ihr Wohl nicht weniger bejorget und unruhig zu fein al3 für umfer eigened.“2) In diefen Ausführungen vermifcht fi Altes und Neues, twelch lettered allerdings an Wert finft, weil er e8 bloß nachjagt(Quintilian VI, 3). Warum follte die natürliche Ausiprache der tatjächlichen Empfindungen nicht das„unfchuldigfte“, das notwendigfte Verhalten fein? Die Boefie it die Mutteriprache des menfchlichen Gefchlechtes, hallt e3 von Hamann), von Herder herüber. Dadurch erwacht die Empfänglichkeit fir die Volk3dichtung.*) Man jtellt fich überhaupt den Künftler al3 den unmittelbaren Verkünder jeined inneren Gefühle vor, der dazu genötigt ift, ohne daß er will. Diefe Auffaffung vom Naturfänger ift noch in dem Goethetwort ent- halten:„Ich finge, wie der Vogel fingt, der in den Zweigen wohnet.“ Homer und Shafeipeare gelten al3 die Meifter, beide find Gegenstand abgdtticher Verehrung. Der Naturbegriff erweitert fi und wird vertieft. Doch diefe Frage kommt erjt in Zufammenhang mit Goethe und Schiller zur Beiprehung.
Das Grundprinzip des Stinmes und Dranges ift das der Individualität.„Sudividuell, original follte auch die Poefte fein, die Poefie des einzelnen Dichter ein Ausdruc feines individuellen Wefenz, die Poefie eines ganzen Volkes ein Ausdrud des Volfögeiftes. Daher der Geniefultus umd die Forderung einer nationalen Poefie.“>)
1) Des Grafen Schaftsbury philofophifche Werke. Aus dem Englifchen über- feßt. 1. Bd. Leipzig 1776(S- 268 f.).
2) Zürich 1740, bei Konrad DOrell und Komp., 2. Teil, 8. Abjchnitt.
%) Hamann, Werke(der. dv. Fr. Roth) Berlin 1821, II. Teil,©. 258.
4) Erwin Kirchner, Volfstied und Volkspoefie in der Sturm und Drangzeit, Dijjertation Freiburg i. Br. 1902.
5, Richard Weifenfels, Goethe im Sturm und Drang, Halle 1894,1. Band,©. 15.


