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organe geben, zeichnen wir nur einen ganz allgemeinen Umriß, wie es die Natur dieſer Abhandlung erfordert. Verfolgen wir die nervöſen Leitungen von den Sinnesorganen aus, ſo bemerken-wir, daß ſie ſämmtlich in der Großhirnrinde endigen. Das große Gehirn erfüllt den größten Teil der Schädelhöhle (vorn und oben), es zerfällt in zwei Hälften, die Gehirnhemiſphären. Jede Hälfte zerfällt in drei Lappen, in den vordern, mittleren und hinteren Lappen. Wir bemerken eine graue und eine weiße Nervenmaſſe, die Großhirnrinde wird gebildet aus dem Rindengrau, welches hier eine Art Rinde um die weiße Subſtanz bildet.
Gehirn und Rückenmark beſtehen in ihren mikroſkopiſchen Elemeneten aus einer Anhäufung von Zellen und ihren Fortſätzen. Dieſe Zellen, die Nerven oder Ganglienzellen, haben meiſt ein farbloſes blaſſes Ausſehen, ſie ſind mit einem Kern verſehen. Ihre Größe iſt wechſelnd, einige werden von dem unbewaffneten Auge als weiße Punkte geſehen, im allgemeinen ſind ſie nur dem bewaffneten Auge ſichtbar. Die Zellen und ihre Fortſätze(Fibrillen, aus denen die Nervenfaſern, gleichſam die Telegraphendrähte hervorgehen) ſind eingebettet und werden zuſammengehalten durch ein Gebilde aus der Gewebsgruppe der Bindeſubſtanz.
Störungen an beſtimmten Stellen der Großhirnrinde haben auffallende Störungen des Gedächtniſſes zur Folge. Dieſe Erſcheinung iſt ein Beweis dafür, daß an dieſen Stellen die Sinneseindrücke lokaliſiert ſind, d. h. daß ſie dort und nirgends anders eine Einwirkung auf die Centralorgane hervorrufen und daß ſie von dieſer Stelle aus bewußt werden. ¹)
Wir nehmen als bewieſen an, daß jeder Reiz, der auf die Sinnesorgane wirkt, in den elementaren Beſtandtheilen der Centralorgane innere Zuſtände hervorruft, durch welche die Erneuerung der Vorgänge ermöglicht wird, die bei jeder ein⸗ zelnen Wahrnehmung ſtattfanden.
Es iſt aber jedenfalls durch die erwähnten Vorgänge nur bewieſen, daß wie Wundt treffend bemerkt, „an der Stirnregion des Gehirns Elemente gelegen ſein müſſen, die den phyſiologiſchen Vorgängen, welche die intellektuellen Thätigkeiten begleiten, unerläßliche Zwiſchenglieder abgeben.(Wundt a. a. O. p. 217).
An dieſen Stellen des körperlichen Organismus entſchwindet uns jede Spur des ſinnlichen Eindrucks, und keine noch ſo geiſtreiche Lehre, die auf den großen Entdeckungen der jüngſten Vergangenheit beruht, vermag uns Aufſchluß zu geben, wie der Vorgang von den Centralorganen aus ins Bewußtſein tritt.
Wir ſind ferner der Anſicht, daß man bei der phyſiologiſchen Entwicklung der Lehre vom Gedächtnis dem Verhalten des Bewußtſeins ſelbſt zu geringe Beachtung geſchenkt hat und betrachten es als ein Verdienſt Kochs, unter Anerkennung der großen Bedeutung der Großhirnrinde, dem Bewußtſeinszuſtande, namentlich der Beſonnenheit und der Unterſcheidung, ſowie dem Erfordernis einer Hemmung, die thatſächliche Be⸗ deutung für das Neuentſtehen und den Verlauf der Vorſtellungen gewahrt zu haben. ²)
Der Bewußtſeinszuſtand wird nicht allein durch organiſche Prozeſſe, ſondern auch durch die Ein⸗ wirkung der Außenwelt bedingt. Der Gang der Vorſtellungen bedarf der Hemmung durch Eindrücke der Außenwelt, wo dieſe unvollkommen und ſchwach einwirkt, da herrſcht das innere Leben vor, da entwickelt ſich beim Kinde ein Traumleben im wachen Zuſtande, ganz abgeſehen von dem eigentlichen Traum, der Illuſion und ſolchen Störungen des Vorſtellungsverlaufs, die wir auch nach dem gewöhnlichen Sprach⸗ gebrauche als krankhaft anſehen.
¹) Auf die Lokaliſatonslehre können wir hier nicht eingehen. ²) Koch a. a. O. beſonders p. 241.


