Aufsatz 
Carl Curtze : ein Lebensbild / von Carl Beck
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der Direction der Guttenbergsſtiftung die Wahl der Leſebücher beſorgt bat; ich will es nicht hervorheben, daß er dem Verlangen nach Schiedsgerichten †i öffentlichen Beifall gezollt und als Landſtand Erſparungen fuͤr die Landeskaſſe herbeizuführen ſich bemüht hat; ich will es endlich nicht betonen, daß er in einer Promotionsſchrift †it das Leben des Corbachers C. S. Schurzfleiſch behandelt, eine Anzahl Urkunden zur waldeck. Geſchichte geſammelt und auf Wunſch Sr. Durch⸗ laucht des Fürſten Georg Victor den 2. Theil der waldeck. Geſchichte von Varnhagen zum Druck befördert hat. Erwähnen aber muß ich ſein Programm von 1841Beiträge zur älteſten waldecki⸗ ſchen Geſchichte mit dem bezeichnenden Motto aus Jacob Grimm:Wer seine heimat liebt, muss sie auch verstehen wollen, wer sie aber verstehen will, überall in ihre geschichte zu dringen suchen, erwähnen, daß er bis jetzt der bedeutendſte Kenner und Bearbeiter einzelner Theile der waldeckiſchen Kirchengeſchichte iſt.

Hervorgehoben zu werden verdient, daß ihn bei der Auswahl der Leſeſtücke zu ſeinem Leſe⸗ buch der Gedanke leitete:*Unſer Leſebuch ſoll ſeinem ganzen Sinn und Geiſte nach ein deutſches ſein. Aecht deutſches Weſen, deutſche Treue und Biederkeit und innige Liebe zum gro ßen deutſchen Vaterlande zu fördern, iſt nicht eine ſeiner geringſten Aufgaben geweſen. Daß es einige Bilder bringt, welche die Kenntniſſe des engeren Heimathlandes zu erweitern beſtimmt ſind, möchte von Keinem Tadel verdienen, und daß er noch kurz vor ſeinem Tode äußerte: Wie habe ich doch mein Waldeck ſo lieb gehabt. Seine Liebe zum deutſchen Vaterlande ſpricht er beſonders in vertrauten Briefen aus.Eine ſolche Friſche und Kraft des Ausdrucks, ſchreibt er 1841 in einem derſelben, eine ſolche Fülle und ſolchen Reichthum des Wortvor⸗ raths, einen ſolchen Rhythmus und Wohlklang und ſolch unvergleichliche Bildſamkeit aller Sprach⸗ formen findet man ſo im Vereine, wie ſie ſich in unſerer Mutterſprache offenbaren und darthun, nur ſelten, vielleicht nirgends, wo man auch ſuche. Nur ſie allein iſt's, in welcher ſich das innerſte Weſen und Walten des ächt deutſchen Charakters mit ſeiner Tiefe, ſeinem Ernſte, ſeinem Sinne für Recht und Tugend und Religion, für die höchſten und heiligſten Intereſſen der Menſchheit, mit ſeinem warmen, reichen, vollen Gefühlsleben am reinſten und klarſten, am unverſtellteſten und unverdorbenſten darlegen läßt. Und dieſe Heranbildung zu einem ſolch ächten Charakter, ſie hat mir immer als eine Aufgabe gegolten, die wenngleich nicht leicht zu löſen, und darum nicht eben von zu Vielen gelöſ't, des höchſten Strebens wenigſtens,des Schweißes der Unſterblichen werth ſei.Ach, wie ſteht es jetzt, ſchreibt er 1849,ſo übel mit unſerem deutſchen Vaterlande! Ich zweifle faſt, daß unſere Wüunſche für Deutſchlands Größe und Macht erfüllt werden! Und doch ſoll man nicht alle Hoffnung aufgeben. Und beim Jahresanfang 1851 ſagt er:Die Hoffnungen für unſer deutſches Vaterland ſind trübe, ſehr trübe. Wie wird mit Recht und Gerechtigkeit in unſerem Nachbarland verfahren! Was ge⸗

S. Waldeck. Anzeiger 1852. No. 22. Die Gutenbergsſtiftung im Fürſtenthum Waldeck. †† S. Waldeck. Volksbote S. 57 und 58. ttt De vita et ingenio Conr. Sam Schurzfleischii, ut ab amplissimo philosophorum ordine in Georgia Augusta doctoris philosophiae honoribus ornaretur, scripsit C. G. H. Curtze. Meng. 1837. S. 1:Ego quidem cogitatione et mente complectens illos, quos nostra terra tulit quondam doctos sane et vitae integritate conspicuos viros, semper vehementor commotus vitae meae rationes, qpnantum in me fuit, ad illorum mores formare annisus sum.

* Deutſches Leſebuch in Lebensbildern. Von Dr. C. Curtze. Mengeringhauſen, 1849. Vorwort. 9.