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ſchieht an dem treueſten Volksſtamme der Schleswig⸗Holſteiner!— Man kann nicht ohne tiefe
Betrübniß hieran denken.“— 4 iß i bei einer Perſönlichkeit, in der das Gemüthsleben vorherrſchend iſt, erwarten läßt,
machte die Natur auf ihn einen tiefen Eindruck. Ein Spaziergang in den grünen Wald war ihm nebſt Reiſen zu der Familie in Corbach die anziehendſte Erholung. Er liebte es, dieſen mitunter ganz allein zu unternehmen, die gebahnten Wege zu verlaſſen und das Waldleben ſo recht in der Einſamkeit zu belauſchen. Vogelgeſang war ihm die liebſte Muſik, kr hörte auch während der Unterhaltung darauf und kannte noch aus ſeiner Jugendzeit die Waldvögel vielfach am Schlag. In der Pflanzenwelt hatte er für die Schönheit und den Bau auch des Jeringſten Mooſes ein aufmerkſames Auge und brachte, trotz ſeiner Kurzſichtigkeit, oft die ſchonſten Sträuße von Feld⸗ und Waldblumen von ſeinen Wanderungen mit nach Haus.„Ausflüge auf Feld und Flur“, ſagt er,„und Hain und Hügel, die lob' ich nur. Die ſtärken, erfriſchen, geben Nahrung für Körper und Geiſt. Ich möcht' ſie mir um nichts entreißen laſſen.“ Auf Reiſen erfriſchte und erfreute er ſich nicht nur an Naturſchönheiten und Kunſtgenüſſen, ſondern benutzte auch jede Gelegenheit, den Kreis ſeiner Erfahrungen und Anſchauungen zu erweitern: er beobach⸗ tete mit Theilnahme das Volksleben, die Sitten Gebräuche und induſtrielle Thätigkeit der Län⸗ der, welche er berührte. Kunſtwerke jeder Art intereſſirten ihn aufs Lebhafteſte, er verſäumte nicht leicht eine Gelegenheit, ſolche zu betrachten, und zwar nicht blos mit dem allgemeinen wiſſenſchaftlichen Intereſſe, ſondern mit einem warmen Gefühle für die Schönheit und die Erha⸗ benheit und ideale Darſtellung der einzelnen Gegenſtände.
Curtze war von mittlerer Körpergröße. Sein Körperbau war ſchlank und zart. In ſeinem Geſicht ſpiegelte ſich der Ausdruck wahrer Herzensgüte und des innerlich befriedigten Lebens. Viele haben in den letzten Jahren in ſeinem Auge eine gewiſſe Verklärung finden wollen. Auch ſein Anzug bezeichnete die innere Reinheit. Daß irgend ein äußeres Bild von ihm genom⸗ men wurde, hat er nie erlaubt. Er war ſeiner Natur nach ernſt und gehalten, daher ſeine Stimmung wol ſelten eine eigentlich fröhliche genannt werden konnte; doch war ſie faſt immer eine gleichmäßig heitere.„Es iſt wahr“, ſagt er ſelbſt,„ich bin im Ganzen der äußern Erſchei⸗ nung nach ernſter, je nachdem der Stoff des Geſprächs iſt, nicht ſo wortreich, wie Andere— theils Natur, theils die ernſteren Beſchäftigungen und Beſtrebungen, denen bisher mein Leben ge⸗ widmet war, mögen hieran ihren Antheil haben— aber das glaub' mir, in meinem Innern bin ich meiſt froh, heiter, freudig geſtimmt, ſo daß ich nicht nur an Deiner Fröhlichkeit ſtets wahren Antheil nehmen werde, ſondern auch in ihr eine wahre Erquickung und Labung finden.“
So habe ich denn Dein Bild treu und wahr gezeichnet, hochverehrter, uns zu früh entriſſner Freund, ohne Neid und ohne Gunſt, ſo gut ich es vermochte. Das nur ſchmerzt mich, daß ich durch langwierigeres Unwohlſein geſtört, Dein Wirken nicht tiefer habe ausſchöpfen, Deine Beſtrebungen nicht klarer habe hinſtellen können vor Aller Augen, ſo daß Dein Bild uns erſchiene als der Heimath ſüßes Licht, und jeder biedere Waldecker im Hinblick darauf mit Stolz es fühlte: Er war auch der Unſern Einer. Möge Dein edler Charakter und Deine ſeltene Berufstreue,
wie Du Dir ſelbſt edle Waldecker zum Muſter nahmeſt, uns ein Muſter ſein, und es bleiben, ſo lange Waldecks Stern noch glänzt!
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