Aufsatz 
Carl Curtze : ein Lebensbild / von Carl Beck
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er über ſolche Beſuche ſeinen Spaziergang aufgeben, oder ſeine Mahlden ehen laſſen ver er ließ ſich nicht bewegen, deshalb Jemanden kürzer abzufertigen.Der Mann 5 demüch den Weg gemacht, ſagte er dann wol,es iſt ihm ſchon eine Erſeichterung, üih einna ordentlich aus⸗ zuſprechen, und ich ſollte ihn nicht einmal anhören! Bei ſolch' einem koftvar mnd duh ſeine Gerechtigkeit beſonders hervorheben wollen, das hieße, als zu ſehr ſe ſtverſtänd ich as Lin denken ſeiner Tugenden beleidigen. Erwähnt mag nur noch werden, daß er auch im politiſa en Leben mit einer, man möchte faſt ſagen, übertriebenen Gewiſſenhaftigkeit verfuhr. Bei einer das Wohl der Lehrer, das ihm ſehr am Herzen lag, betreffenden Frage, wo er klagte, daß manche der Stände nur aus unrichtiger Anſchauung ſeinen Wünſchen entgegen wären, verwarf er den Rath, ihnen privatim die Sache zu erläutern, weil er es für unwürdig halte, außer den Sitzun⸗ te einzuwirken. 8 didie dn ein tewer aufrichtiger Freund. Er hat es ſtets erfüll, was er 1841 an Gabert ſchrieb:Ich will, ich werde mich Eurer Freundſchaft nicht unwerth zeigen, werde ſtets, im Glucke wie im Unglücke das freilich fern bleiben moge als ein wahrer und ächter Freund mich bewähren. Die Kunde von Gaberts Tode(t den 1. Auguſt 1842) traf ſein Herz ſchwer. Sein Tod', ſchreibt er daruber,iſt in der That ein höchſt trauriges Creigniß für unſer Land: Gabert iſt nicht wieder zu erſetzen. Und was haben ſeine Familie, was ſeine Freunde an ihm verloren! Ich kann Dir nicht ſagen, wie ich über dieſen Verluſt traure. Das ſchönſte Denkmal ſeiner Freundſchaft aber iſt die Biogrophie,* welche er von dem Vorangegangenen geliefert hat. In dieſer iſt, wie ein nun bereits Verſtorbener K. Trainer davon geurtheilt hat,Gaberts Bild ſo wohl und treu wiedergegeben, daß nicht nur ſeine Freunde und Bekannten ihn darin ſogleich wieder erkennen, ſondern daß auch Unbekannte in dieſem Bilde den Verſtorbenen lieben und achten müſſen. Und wie ſehr hat er beim Tode des Advokaten Weigel getrauert!Ent⸗ ſchuldige mein Durcheinander, ſchreibt er am 20. Januar 1847.Aber ich bin trübe geſtimmt, meine Gedanken kann ich nicht ſammeln. Heut Morgen iſt mein Freund Weigel in dem Herrn entſchlafen. Ein Lungenleiden hat ihn hinweggerafft. Er war mein einziger Freund hier. Cin vortrefflicher Menſch, einer der vorzüglichſten in jeder Beziehung, die ich kennen gelernt habe. Unſer Land hat in ihm einen großen Verluſt erlitten. Beſonders von Schmerz ergriffen war er, als er dem Freunde die Grabrede** hielt. Später hat er manchmal daran gedacht, Weigels Leben zu bearbeiten, iſt aber unter dem Drange der Geſchäfte nicht dazu gekommen. In Arolſen verkehrte er am meiſten mit ſeinem Freunde Groscurth. Auch mit Schneider in Wildungen war er bis an den Tod ſehr befreundet, wie der reiche Briefwechſel Beider beweiſt. Es that ihm in der Seele leid, deſſen Umzug von Wildungen befördern zu müſſen.Freilich aber, ſpricht er ſich*½ 54 gegen dieſen aus,gegen meine Ueberzeugung kann und darf ich nicht ſprechen; das aber verlangſt Du auch nicht. Und ſo war er gegen Alle ein zuverläſſiger, wahrer Freund. Wir Alle müſſen daher als wahr anerkennen, was G. in K. dem Verſtorbenen nachrühmt:Carl war einer meiner früheſten und gewiß meiner treueſten Freunde. Bei jeder

* Dr. Adolf Ludwig Chriſtoph Gabert. hauſen. 1845.

** Zum Andenken an Friedrich Weigel. Mengeringhauſen. 1847.

Ein biographiſcher Verſuch von Dr. Carl Curtze. Mengering⸗

Worte an ſeinem Grabe geſprochen von C. Curtze u. K. Trainer.

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