Aufsatz 
Carl Curtze : ein Lebensbild / von Carl Beck
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Fragen. Beurtheilung ſeiner Beſtrebungen war ihm daher willkommen.Je gruͤndlicher und tiefeingreifender dieſe Kritik, ſagte er,je mehr Stoff ſie mir zum weitern Nachdenken und Lernen bieten wird, mit deſto größerer und lebhafterer Freude werde ich ſie begrüßen. Denn er ſcheute es nicht, ſeine Sache von dem verſchiedenſten Standpunkte betrachten zu laſſen, kurz: er hielt ſich jedem Fortſchritt offen.Daß unſere Anſichten, ſchrieb er an einen Freund, nicht in Allem gleich ſind, iſt ja natuͤrlich. Aber ich will die Wahrheit, Du willſt ſie. Laß uns daher offen zu Werke gehen. Ich laſſe mich gern durch Gründe beſtimmen, und habe ſchon in Manchem, auch nicht Unweſentlichem meine früheren Anſichten geändert. Warum ſollte ich es, von einem Beſſern überzeugt, nicht ferner thun? Fehle ich auch in Dieſem oder Je nem, ich möchte es nicht gern auf meinen Willen geſetzt haben. Werde ich auf das Richtige und Beſſere hingewieſen, gewiß ich nehme das gern und dankbar an und auf.Wir beide wollen das Beſſere. Ich bitte darum, mir immer Deine Anſichten aufrichtig mitzutheilen, da ich nicht zu Denen gehöre, die da meinen, nur ihre Anſicht ſeie die richtige und end⸗ lich:Ich werde meinen Anſichten treu bleiben, bis daß ich durch Gründe eines Beſſern belehrt werde. Gründe entſchieden bei ihm, nicht perſönliche Rückſichten. Das gab ihm einen feſten Halt ſeinen Gegnern gegenüber.Gibt der H. Verf., ſchrieb er 1848,*nicht undeutlich zu verſtehen, wir wollten aus perſönlichen Rückſichten ein Conſiſtorium beibehalten wiſſen, ſo weiſen wir das mit entſchiedener Entrüſtung zurück. Mit dem vollkommenſten Rechte. Es handelt ſich hier um Principien. Wie müßten wir uns vor uns ſelbſt verachten, vor der Welt mit Schande und Schmach bedecken und vor Gott unſer Gewiſſen aufs Schwerſte belaſten, wollten wir in ſo großer Zeit das kleine Selbſt voranſtellen und an der Kirche unſeres Landes zu Verräthern werden. Immer waren es edle Beweggründe, aus denen er auftrat;v. Rh. ſagte mir, ſchreibt er im Decbr. 1840 an ſeinen Freund Gabert,ich opponire ihm immer nur, um zu opponiren und habe das auch dieſes Mal ganz ohne Grund gethan. Ich weiß, und Du, der Du mich ſo viel kennſt, weißt es auch, daß ich ein ſolches Treiben ver⸗ achte. Nur da, wo ich aus reiner Ueberzeugung der Meinung eines Andern nicht bin und ich glaube, daß die meinige eine beſſere, zum Wohle des Gemeinweſens beitragende ſei, nur da äußere ich ſie ohne Scheu und Zurückhaltung. Iſt es aber nicht verdrießlich, mit ſolch Un⸗ angenehmen immer kämpfen zu muͤſſen, wenn man nur das Beſſere will, und zwar um ſo mehr, je eifriger man es will. Auch iſt es ihm ſpäter leid und peinlich geweſen, wenn er im amt⸗ lichen Verkehr ſo oft Andern opponiren mußte.Wie oft hat er, ſchreibt ſeine Gattin in dieſer Beziehung an den Bruder des Verſtorbenen,gegen mich darüber geklagt, mich gefragt, ob er nicht recht habe, ob er nicht feſthalten müſſe. Wie ſorgſam hat er jeden Ausdruck erwogen, der irgendwie verletzen, oder perſönlich genommen werden konnte, und hat, um eines ſolchen Aus⸗ drucks willen, oft ganze Theile einer Arbeit abgeſchrieben, oder umgearbeitet.

Gegen ſich ſelbſt war er ſtreng, wie er auch ſelbſt ſich das Zeugniß ausgeſtellt hat.Ich rede nicht gern von mir ſelbſt, aber greife ich in mein Inneres; ſitze ich als unparteiiſcher Richter zu Gericht über daſſelbe. Er bewies die größte Pünktlichkeit in allen Dingen, namentlich in ſeinem Geſchäftsleben. Seine Ordnungsliebe in jeder Beziehung war eben ſo bewunderungs⸗

* Wald. Volksbote 1848. S. 186. 10