Aufsatz 
Carl Curtze : ein Lebensbild / von Carl Beck
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Freund,wie unangenehm es mir iſt, daß es immer noch ſo jämmerlich bei uns ausſieht, Gott wird ja geben, daß ſich bald Alles, zum Beſſeren kehrt! Ich bin manchmal ſo mißmuthig, ſo gebeugt, ſo ohne Muth, daß ich Hammer und Zange niederlegen möchte: und doch muß man nicht treu bleiben, helfen ſoweit es möglich iſt? und ¼ 51:Wir dürfen unſern Muth nicht ſinken laſſen, endlich doch zum Ziele zu kommen. Man hat ihn zwölfmal an⸗ ſetzen ſehn, zeugt Freund Rocholl* in ſeinem Vorwort von ihm,und zum dreizehnten Male ſiegte er. Dieſe Ausdauer iſt in gegebenem Falle Standhaftigkeit. Er hat ſich zuweilen unbeug⸗ ſam gezeigt; Ich habe ihn mit Thränen in ſeinen großen und geiſtvollen Augen betheuern hören, daß er lieber ſein Amt niederlegen wolle, als es war von einer wichtigen Maßregel die Rede dieſe zugeben. Der gleichmäßig ruhige, gehaltene Mann konnte dann eine flam⸗ mende Begeiſterung zeigen, die ihm ungemein edel ſtand. Man blickte einmal in den bewegten Seelengrund. Ohne innigſte Liebe zu einer innigen Seele, ohne Hochachtung vor einem ſelte⸗ nen Manne ging das nicht ab. Ja dieſe unerſchütterliche Standhaftigkeit, von welcher bei ſeinem Wirken Andeutungen gegeben ſind, dieſe Energie des Willens in Durchführung deſſen, was er als wahr, als heilſam und nothwendig erkannt hatte, dieſe Felſenfeſtigkeit bei aller Weich⸗ heit des Gemüths war das Imponirende und wahrhaft Großartige in ſeinem Charakter, und wird mir wol immer der ergreifendſte Zug in ſeinem Bilde bleiben, der manchmal mich ſchon an den großen Luther erinnert hat.

Wahrlich, der ſanfte, milde Mann hätte ſo nicht auftreten können, wenn nicht das Bewußt⸗ ſein, daß er Gottes Sache führe und daß dieſe endlich das Feld behaupten muͤſſe, ihn gehoben und gekräftigt hätte!Unſere Hoffnungen, ſchreibt er an den Freund ¹½ 46,werden nicht zu Schanden werden. Wir müſſen nur klein anfangen, nicht müde werden zu wirken und zu bauen: dann iſt Gott auch mit uns. Mit vertrauendem Blick ſchaute er in trüben Zeiten ſtets heiter in die Zufunft, mochte dies in Bezug auf ſeine perſönlichen Verhältniſſe, oder in Bezug auf das ſtaatliche und kirchliche Leben ſein. Die düſtern Anſchauungen ſo Vieler, welche nur das Vergangene ſchätzen und die entſchwundene gute alte Zeit beklagen, dagegen in jeder Neuerung ein Uebel erkennen, lagen ihm fern. Er war der Anſicht, daß namentlich die Kämpfe auf dem Gebiete der Kirche ein Zeichen des wiedererwachenden Lebens in der⸗ ſelben ſeien, und betrachtete niemals dergleichen Streitigkeiten mit vorgefaßter Meinung, ſondern mit dem redlichſten Streben nach Wahrheit, und zur Läuterung und Aufklärung ſeiner eigenen Anſichten. Curtze war ein ächter Mann des Fortſchritts. Sein geſammtes Wirken und Streben zeugt davon** So bereit er aber auch war, den Bedürfniſſen der Zeit Rechnung zu tragen; ſo wollte er doch nicht mit aller Haſt und Cile fortſchreiten, ſondern ging mit einer Beſon⸗ nenheit zu Werke, welche den erfahrnen, reifen Mann beurkundet.Wenn je, ſo iſt gerade in unſerer Zeit, ſagte er im Jahre 1848,***ruhige, beſonnene Prüfung und Abwä⸗ gung aller Verhältniſſe gedoppelte und dreifache Pflicht, zumal in ſo wichtigen, tief eingreifenden

* Zwölf Feſtpredigten von Carl Curtze nebſt einem Vorwort von R. Rocholl herausg. v. L. Curtze. Arolſen, bei Speper. 1856. ** Vergl. z. B. im Wald. Volksboten 1848 Nr. 1 und Kirchen zu thun? *** Wald. Volksbote 1848. S. 196.

u. 2. den Aufſatz:Was iſt zunächſt für unſere Schulen

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