72
Wir kommen jetzt zum ſchwierigſten Theile der Biographie. Denn wen auch duech oine
gewiſſe Gleichheit der Grundſätze, durch leerehen aaendde duainunn und ndtdec ilweiſe Aehnlichkeit der ganzen Anſchauungswei Seas 2. anes heideſe nehe wird; ſo dringt doch in das verborgenſte Geheimniß dss enlchlihen Herzens kein erſchaffner Geiſt:„ſein ganzes innerſtes Sein und Weſen, deſſen allmähliche Ent⸗ wicklung und Geſtaltung kann nur das Individuum, das ſich zu wahrer Selbſterkenutniß zu erheben verſteht, vollſtändig darlegen, kann kein Anderer, eben ſo ins Einzelnſte eindeingend, ſo klar und wahr entfalten.“* Nun hat uns zwar der Mann, deſſen Leben uns beſchäftigt, kein ſelbſtentworfenes bis in die kleinſten Züge ausgemaltes Bild ſeines Innern hinterlaſſen; wir finden aber in ſeinen Schriften und namentlich in vertrauten Briefen, wo er ſeine inner⸗ ſten Gedanken und Gefuhle offen ausſpricht, die Grundſtriche ſeines Charaktergemäldes gezeichnet, ſo daß wir nach dieſen aus eigener Anſchauung und mit Benutzung des Urtheils, das Andere, die ihn näher kannten, über ihn fällten, wenn auch kein vollſtändiges in ſeinen Theilen vollen⸗ detes, ſo doch ein anſchauliches, treues Abbild zu liefern hoffen.
Der genauern Schilderung wird ein Brief Curtze's vom Sept. 1841, ſo wie das Urtheil ſeines Collegen, des C⸗R. St., zu Grunde gelegt. Erſterer mag, ſoweit er ſein inneres Leben betrifft, hier zunächſt Platz finden:„Sie verlangen, ich denke ſo, auch etwas von meinem innern Leben zu erfahren. Wohlan, hören Sie. Ich liebe meinen ſchönen Beruf, erfülle daher meine Pflich⸗ ten, glaub' ich, mit Treue und Sorgfalt, ſoviel möglich; aber ich wünſche mir nichts deſto weni⸗ ger eine zuſagende Stelle als Prediger. Sie würde, mein' ich, meinem ganzen Weſen, meiner inneren Denkart und meinem Gemüthe entſprechender ſein. Vielleicht auch, daß meine Wünſche bald Erfüllung finden, auch hierin Erfüllung finden.— In meinen Grundſätzen bin ich feſt, ſtreng, unerbittlich faſt— ſobald es ſich um Moraliſches, um Niedrigkeit oder Adel der Geſin⸗ nung handelt; aber doch vor Allem ſtreng gegen mich ſelbſt,— will's wenigſtens ſein. Ich meine, wer Sittenrichter ſein will, muß ſchlechterdings ſich ſelbſt, ſo viel möglich, zu einer höhern Stufe der Selbſtbeherrſchung, der Reinheit und Unſträflichkeit ſeines Wandels emporgeläutert haben.— Ich liebe Offenheit und Geradheit des Charakters und Weſens, haſſe jede Unnatur, Verſtellung und Verſchrobenheit, will Einfachheit in Wort und Leben, Großartigkeit des Wollens und Beſtrebens**F wie es einem ächt deutſchen Manne eigen iſt.— Ich habe bei aller Feſtig⸗ keit des Charakters eine Weichheit des Gemüths, die mir manchmal nicht ganz leichte Kämpfe bereitet, damit ich mir allezeit eine nämliche Handlungsart bewahre, auf der andern Seite aber auch vielfachen Gewinn bringt: ich habe durch ſie zumal viel Sinn für ein ſtilles Familienleben, beſuche daher öffentliche Geſellſchaften nur ſelten, und finde in denſelben nicht, was ich wuͤnſche.“ Neben dieſem Selbſtzeugniſſe ſtehe ergänzend, was Conſiſtorialrath Steinmetz am Schuſſe ſeiner Predigt am Reformationsfeſt 1855 in Arolſen ſprach:„Zu dieſer unvergänglichen Herr⸗ lichkeit iſt vor einigen Wochen ein Mann eingegangen, den wir heute ſchmerzlich unter uns vermiſſen. Der verſtorbene Conſiſtorialrath Curtze hat es fürwahr verdient, daß wir am heuti⸗
* Worte Curtzes in der Biographie Winterbergs.
** Nachdem er 1855 in Schlangenbad nebſt Humboldts Briefen Vinckes letzte größere Lectüre— mit Intereſſe geleſen hatte, äußerte er ein wehmüthig:„So Etwas habe ich auch immer gewollt!“
Leben von Bodelſchwingh— ſeine mal in Bezug auf Vinckes Wirken
Srs


