Aufsatz 
Carl Curtze : ein Lebensbild / von Carl Beck
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64 deck herauszugeben und hat ſchon umfaſſende und genaue Vorarbeiten dazu gemacht. Nach deren Erſcheinen gedachte er eine neue Gottesdienſtordnung auszuarbeiten.

Auch iſt es wol paſſend, ſeines Votums wegen Aufſtellung der ſo genannten 4 Cardinal⸗ tugenden in der Arolſer Kirche hier zu gedenken.

Im Frühjahr 1853 berichtete nämlich* der Pfarrer der Stadt Arolſen, Conſiſtorialrath Steinmetz, an das Conſiſtorium, es habe ihn der Vorſitzende des Gemeinderathes, Procurator Cuntze, davon in Kenntniß geſetzt, daß Profeſſor Rauch in Berlin ſeiner Geburtsſtadt Arolſen Abgüſſe von vier Statuen zum Zweck der Aufſtellung in der evangeliſchen Kirche ſchenken wolle, und ihn dabei erſucht, zu dieſer Aufſtellung die Genehmigung des Collegiums zu erwirken. Die vier Statuen ſeien Gypsabdrücke der ſo genannten 4 Cardinaltugenden, der Weisheit, Stärke, Mäßigkeit und Gerechtigkeit, welche ſich an der Reiterſtatue Friedrichs des Großen zu Berlin befänden. Das Conſiſtorium möge Verfügung ertheilen, ob dieſe Statuen in der evangeliſchen Kirche aufgeſtellt werden könnten oder nicht. Das Conſiſtorium entſchied auf den Bericht Curtze's, daßdie Statuen der Cardinaltugenden nicht in ein evangeliſches Gotteshaus gehören. Die Sache erregte Aufſehn, ſie ward vielfach** beſprochen. Uebrigenshat das Conſiſtorium wie Curtze ſagt,bei den vier fr. Gypsſtatuen darüber nie den geringſten Zweifel gehegt, daß dieſelben als Meiſterwerke der Kunſt anzuſehen ſeien, da ſie ja von Rauch,dem großten Bildhauer unſerer Zeit, wie das desfallſige Referat ſich ausdrückt, gebildet ſeien. Das Conſi⸗ ſtorium hat es im vollſten Maße anerkannt, daß dieſelben in ſofern unſerer Kirche zum größten Schmuck gereichen würden.Es hat mit Freuden unſeres großen Rauchs Statuen, Glaube, Liebe und Hoffnung darſtellend, in die Arolſer Kirche aufgenommen. Aber es wird doch ſicher⸗ lich nicht ſofort jedes plaſtiſche Werk der Kunſt in das evangeliſche Gotteshaus paſſen.Die Theorie des evangeliſchen Cultus ſagt: ſolle die Einwirkung der Kunſt auf die Kirche eine heil⸗ ſame ſein, ſo ſeie nothwendig, daß man mit der größten Strenge daran feſthalte, nur erbau liche bibliſche Gegenſtände zuzulaſſen. Ich ſchließe mit den Worten Curtze's:Ich glaube, kein Waldecker kann größere Pietät gegen den berühmten Künſtler, der ſeines Vaterländchens in ſeinem Ruhme nicht vergaß, im Herzen tragen, als die Mitglieder des Conſiſtoriums. Hat denn nicht ein Mitglied des Conſiſtoriums, als die Statuen des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung in dem Gotteshauſe aufgeſtellt wurden, in ſeinen Predigten ſeine Dankbarkeit und Hochachtung gegen den ehrwürdigen Greis öffentlich bezeugt? Hat nicht ein anderes Mitglied die Künſtler, auf welche das Vaterland ſtolz iſt, durch ſein Leſebuch ſelbſt ſchon der geſammten Jugend deſſelben zur Kenntniß bringen wollen, und ihnen dadurch ebenfalls ſeine Hochachtung bewieſen? Nein, es geſchah bei allen Mitgliedern des Conſiſtoriums nur mit dem widerſtre⸗ bendſten Gefuhle, daß ſie ſolchen Beſcheid ertheilten, wie ſie thaten; die des fallſigen Verhand⸗ lungen geben den Beweis hierfür. Das aber durfte nicht Grund abgeben, anders zu handeln, handeln, als wozu ſie ſich von der ev. Kirche, deren Diener ſte waren, verpflichtet erachteten.

Nachdem ſo dargethan iſt, was Curtze für die Kircheuverfaſſung und den Cultus geſchaffen und geſtrebt hat; gehen wir dazu über, was er für die würdige Stellung der Geiſtlichkeit gethan

* Vergl. den ſorgfältigen Aufſatz:Die ev. Kirche und die K 4. Kirchenblatt 1853. Nr. 3. unſt, insbeſondere die Sculptur im Wald.

* Vergl. Wald. Anzeiger 1853. Wald. Schulblatt 1853. Nr. 20.

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