Aufsatz 
Carl Curtze : ein Lebensbild / von Carl Beck
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Kraft und Entſchiedenheit auftreten: das Auftauchen und Hervortreten offenbarer Schlechtigkeit und Niedrigkeit des Charakters. Da kann ich nicht anders, da drängt's mich, da muß ich laut und ſtark ſprechen und ſpreche auch wol zu ſtark, das geſtehe ich. Aber das iſt ſelten.

Es war ihm Alles daran gelegen, Charactere zu bilden.Die Schule will keine Nachbeter bilden, nicht Jünger, welche ſchwören auf die Worte des Lehrers, nicht Menſchen, welche glauben, weil geſagt iſt, nicht ſolche, welche ohne Weiteres dem Joche der Gewohnheit und des Her⸗ kommens ſich fügen. Der Art welche verlangt, braucht das Leben nicht; es will ſelbſtſtändige, erſtarkte, mannhafte. So rief er den Abiturienten zu:Streben Sie fort und fort nach Wahr⸗ heit. Ohne dieſes Streben würdigen Sie die Wiſſenſchaft herab zu einer elenden Sclavin; ohne daſſelbe trieben Sie Sich herum auf ihrem Gebiete ohne wahre Kenntniß ihres Zwecks und ihres Ziels, würden Sie nimmer die richtigen Mittel erkennen und wählen, die Sie zu ergreifen mit demſelben werden Sie frei bleiben von den Banden niedriger Leidenſchaft, frei bleiben von der Thorheit der Jugend, werden Sie Ihre Tage auf der Hochſchule, deren wenige ſind, nicht vertändeln, verträumen und vergeuden werden Sie einſt heimkehren als tüchtige Männer. Streben Sie nach Wahrheit, rufen Ihnen die Geiſter Ihrer Eltern, ruft Ihnen das Vater⸗ land, ruft dieſe Anſtalt Ihnen nochmals zu. Wir hoffen: Sie wollen es, Sie werden es. Einem ſo gewaltigen Thäter ſeines Wortes, einem ſo gewiſſenhaften Erfüller der klar erkannten Pflicht konnte die Freude an dem Gelingen ſeiner Arbeit nicht mangeln.Erfreulich iſt es dem Schulmanne, die heranblühende Jugend, der Eltern Hoffnung und ſeine, den einſtigen Kern des Vaterlandes und der Menſchheit, von Geſchlecht zu Geſchlecht, nicht blos an ſich vorüber wandeln zu ſehen, ſondern ſein geiſtiges Sein ihr gleichſam einzuhauchen und lebende und denkende Ge⸗ ſtalten, wie Prometheus vordem, aus roher Maſſe zu bilden.Und verleihet es nicht die ſeligſten der Stunden, in denen des Lehrers Herz überſtrömt vor Freude, wenn er wißbegierige Jünglinge ſieht, die ſtill im Kreiſe, mit geſpannter Aufmerkſamkeit das Wort der Lehre, mit Kraft und Wärme geſprochen, ſeinen Lippen entnehmen; wenn er den Anſtand ſieht um ſich her aus kindlicher Scheu, die Ordnung, weil's ſo der Brauch heiſcht, den Ernſt, weil der Gegen⸗ ſtand, der eben vorliegt, und ſeine Behandlung ſelbſt ernſt und würdevoll iſt; wenn er bemerkt, wie ſie vorwärts ſchreiten im Gefilde jeglichen Wiſſens; wenn er die Achtung ſchaut und das Vertrauen, das ſie für ihn erfüllt und durchdringt, die Hingebung und die Liebe, mit der ſie an ihm hängen, die ſich wol gar zum Enthuſiasmus ſteigert, in welchem ſich mit dem Gefühle für ihn eben das Gefuͤhl für die Wiſſenſchaft ſelbſt verkläret! Ich meine, dieſe und ſolcherlei Freuden des Lehrers, ſie werden bei ihm von keiner andern, welcher Art ſie auch ſein mögen, überwogen, zumal wenn er bedenkt, zu welch' erhabenem Zwecke er wirkt in ſeinem Amte. Gilt es hier nicht die Bildung jugendlicher Seelen, gilt es hier nicht der Wohlfahrt des Staates, gilt es hier nicht dem Heile der Menſchheit! Findet er hierin nicht eben das für Manche Unbegreifliche, das ſeine Bruſt fort und fort erfüllt und erhebt, raſtlos ſein Ziel zu verfolgen und unermüdet fortzuwandeln auf der Bahn ſeines großen Berufes.* Außerdem

* Wer Curtze's Anſichten über Gymnaſialweſen näher kennen lernen will, leſeAndeutungen über einige Gegenſtände des höhern Schulweſens, ein Programm von 1833, worin er daſſelbe in 6 Abſchnitten (1. Zweck der Gymnaſien, 2. die Lehrer, 3. Methode des Unterrichts, 4. Unterrichtsgegenſtände, 5. Claſſen⸗ und Fachſyſtem, 6. Schuldisciplin) kurz behandelt.

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