18 ſeiner wahren Geſtalt erkannt haben, in ſeinem innern Zuſammenhange begriffen, in ſeinen
Gründen mit Deutlichkeit und Beſtimmtheit. „In die Tiefe mußt du ſteigen, Soll ſich dir das Weſen zeigen.“
Doch dazu gehört Kraft, das erfordert unerſchütterliche Ausdauer, das Heiſch die ie ſahſten Opfer.“—„Geiſt und Umſicht ſoll des Lehrers Walten offenbaren, richtige Kenntniß feine Zieles, ſeines Strebens ſoll er an den Tag legen; Wärme und Begeierung für den Gegen⸗ ſtand ſoll er haben, ſoll er ſich bewahren; es bleibt ſonſt ohn Nutz und Frommen oft ſein Wiſſen, wäre wol gar eitel und verderblich!— Dieſer Geiſt, der allein das Leben ſchafft, thut ſich kund durch ſeine Behandlung aller Lehrmittel,— durch ſein lebendiges Gefühl für die Sache der Anſtalt, durch die Ueberzeugung, womit er für ſie lebt, durch die Kraft, die er ihr weiht, durch die Opfer, die er freiwillig niederlegt an ibrem Altare, 5 durch die Liebe, womit er wahrt alle Intereſſen der Schule, die Geſammtbildung ihrer Zöglinge bethätigt und näher rückt ihrer Vollendung!“—„Der Lehrer ſoll Erzieher ſein der Jugend. Nicht nur in den Lehrſtunden ſoll er halten auf Ordnung und Zucht, ſehen auf Stille, ſteuern allem Unweſen, den Frechen Schranken ſetzen und den Sittenloſen wehren: er ſoll die Schuͤler anweiſen zur Anwendung des Gelernten im Leben, ſoll einwirken auf ihr Handeln außer der Schule, ſoll fördern ihre Wohlanſtändigkeit und Beſcheidenheit und Sittſamkeit, beitragen da⸗ durch zur höhern Durchbildung der Menſchheit.— Und allerdings, der mit Geiſt und Kraft und Eifer Ausgerüſtete vermag durch die Macht ſeines Beiſpiels, durch die Würde, mit welcher er lebt und handelt, durch die Herzlichkeit, mit welcher er ermahnt, durch den Ernſt, mit wel⸗ chem er zurecht weiſ't, durch die Unparteilichkeit, mit welcher er ſtraft, viel, ſehr viel zu thun für die Ordnung und die Sitten der Schuͤler. Es iſt die Strenge, mit welcher der Lehrer ſich ſelbſt Ordnung zum Geſetz gemacht hat; es iſt die Gleichförmigkeit in den Forderungen, die er macht, die gleichmäßige Feſtigkeit, mit welcher er fort und fort auf ſich hält; es iſt die Achtung, mit welcher er den Beſſeren, den Edleren unter ihnen entgegenkommt, die herzliche Theilnahme, die er für Alle hat und zeigt; ja es iſt auch der Zorn, der heilige Zorn, wie unſer Luther ihn nannte, welche den Frevel, wo er ſich blicken läßt, die Zuchtloſigkeit, wo ſie ſich austhut, in Flammen ſetzt; dieſes iſt es, wodurch er auf Ordnung und Zucht hält und unerbittlich hal⸗ ten muß.“
Wem von ſeinen ehemaligen Schülern tritt nicht in dieſem ſelbſt vorgehaltenen Spiegel der Lehrerpflichten Carl Curtze vor Augen, wie er leibte und lebte, wie er vor uns ſtand in ſeiner Milde und herzgewinnenden Freundlichkeit, und wiederum wie er Funken feurigen Zor⸗ nes ſprühte und in der heiligen Gluth eifernden Unwillens die Ungehorſamen und Trägen niederſchmenerte, oder in ſtillem Schmerze mit abgewandtem Angeſicht die gänzlich Verſtockten und Verſtarrten die Ruthe fühlen ließ. Er ſagt ſelbſt in einem Briefe:„Ich glaube in der That, ich kann mich frei ſprechen von dem Vorwurf, daß ich ein harter und ſtrenger Lehrer ſei. Mache ich mir doch ſelbſt dann und wann den entgegengeſetzten, daß ich zu milde, zu nach⸗ ſichtig gegen meine Schüler ſei, und muß ich doch auch von Andern dieſen Vorwurf hören. Aber ſoſl ich denn anders werden, als ich bisher geweſen, anders, als ich für gut halte, daß ich's bin, und als es mir, möcht' ich ſagen, möglich iſt? Nur Eins allerdings läßt mich mit voller


