Aufsatz 
Carl Curtze : ein Lebensbild / von Carl Beck
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die Größe und Weitherzigkeit ſeiner Liebe glänzend vor der Seele. Unvergeßlich dieſer liebe, edle, ſeelenvolle Mann, der ſich fuͤr uns zu Tode gearbeitet hat, oder vielmehr: Gott hat ihm in ſeiner Liebe ein ſeliges Halt! zugerufen. Nun ſtehet dieſe helle, weiße Seele mit unſerm Wolff und Steinmetz vor Gottes Throne, dem Platze der getreuen Knechte und hören die Töne von Gottes Harfen an den friſchen Waſſern und das Lamm mitten im Stuhle weidet ſie, wiſchet ab den Schweiß. Und Pfarrer Freybe:Mit uns trauert unſere Kirche, Schule und das ganze Land und wird ſein Heimgang von jedem Einzelnen ſchmerzlich empfun⸗ den werden. Dem theuren Heimgegangenen iſt wohl. Er hat überwunden, hat im Glauben uͤberwunden, und ſein iſt, deß bin ich gewiß, die Krone des ewigen Lebens. Er hat einen guten Kampf gekämpft, hat ſeinen Lauf wohl vollendet, hat Glauben gehalten, und darum iſt ihm die Seligkeit gegeben und ſeine Werke folgen ihm nach, ſo gewiß wie das Andenken die⸗ ſes Gerechten in Segen bleiben wird bis zu den ſpäteſten Nachkommen!

Was iſt es, das Curtze dieſe allgemeine Annerkennung verſchafft, dieſe ungeheuchelte Liebe und Bewunderung gewonnen hat? Das iſt die Größe ſeiner Leiſtungen, das Untadelhafte ſei⸗ nes Charakters.

Laſſen wir alſo zunächſt ſein Wirken in ſeinem ganzen Umfange vor die Augen unſeres Geiſtes treten und uns aus den Thatſachen ſelbſt ein Urtheil bilden. Denn nicht ſelten ver⸗ leiht eine höhere Stellung einen gewiſſen Glanz, und gemeine Seelen beugen vor Einflußreichen ſich in den Staub ein Fehler, der in unſern Tagen großen und kleinen Staaten nicht min⸗ der gemeinſam iſt, als Verkennung des Wahren und Schmälerung verdienten Ruhmes. Ob aber die Stimme der Schmeichelei geſprochen hat, oder ob dem Verdienſte gezollt iſt, was vor Gott und Menſchen ihm gebührt, darüber können allein die Thatſachen entſcheiden. Curtze iſt als Gymnaſiallehrer, als Prediger und als Mitglied des Conſiſtoriums thätig geweſen. Dar⸗ aus ergibt ſich denn von ſelbſt, daß wir ſeine Leiſtungen und Beſtrebungen in der dreifachen Hinſicht zu betrachten haben und es unſerem Geiſte vergegenwärtigen müſſen, was er 1) als Schulmann und für das Schulweſen, 2) als Prediger und Seelſorger, ſowie endlich 3) in Be⸗ ziehung auf das Kirchenregiment gewirkt habe. Dabei würde es nach unſerm Bedünken un⸗ natürlich und geiſtlos ſein, nach Art einer chronologiſchen Tabelle Alles aufzuzählen, was er in der einen Stellung erzielt und erreicht hat und ſo das eine Gebiet mit dem andern zu ver⸗ mengen. Um ein anſchauliches Lebensbild zu gewinnen, erſcheint es vielmehr nothwendig, an den 3 Gruppen, der Materie nach, feſt zu halten und einer jeden das Entſprechende beizuord⸗ nen, wenn Einzelnes auch in einem frühern oder ſpätern Zeitabſchnitt angeregt oder verwirk⸗ licht iſt.

Curtze iſt 11 ½ Jahr Gymnaſiallehrer geweſen und hat, wie ich aus eigner Erfahrung weiß und alle Andern, wie viele ſeine Schuͤler geweſen ſind, der Wahrheit gemäß bezeugen werden, ſegensreich gewirkt und zwar nicht blos in den beiden unterſten Claſſen, deren Ordinarius er geweſen iſt, ſondern auch in den obern, wiewol er nur wenige Stunden an dieſen ertheilt hat. Streng waren die Anforderungen, die er an ſich ſtellte; reich dadurch der Erfolg, den er hatte. Hören wir, was er in zwei bei den Feierlichkeiten des Actus gehaltenen Reden von dem Lehrer verlangt:Gründlich und tief ſein ſoll ſein Wiſſen, ein reger Sinn für ſolches, ein nie erlö ſchender Durſt nach Aufhellung und Wahrheit ſoll ihn beſeelen, und was er weiß, ſoll er in