Aufsatz 
Carl Curtze : ein Lebensbild / von Carl Beck
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Wiſſen angeſtellt und zur Erquickung einige Dialoge Plato's geleſen. War nun auch außerdem die Dogmatik von Wegſcheider, die Kirchengeſchichte nach Stäudlin und Eregeſe nach Meyer ſorgfältig durchgearbeitet, ſo gönnte er ſich doch nochmals in der Nacht vor dem Tentamen dieſes fiel in die Oſterferien 1827 bis 3 Uhr keine Ruhe. Sobald aber die erſten Fragen beantwortet waren, ſchwand alle Befangenheit, und das Cramen gewährte ihm ſelbſt Vergnügen, was nur einmal dadurch gedämpft wurde, daß die Prüfung ſich auch auf lateiniſche Grammatik erſtreckte, was er nicht erwartet hatte. Das Zeugniß lautete:Zu vollkommenſter Zufriedenheit in den theologiſchen Schulwiſſenſchaften beſtanden.

Carl Curtze kehrte nun noch 1 Jahr wieder nach Göttingen zurück und ſetzte auch jetzt mit Vorliebe theologiſche Studien fort, hörte, ſo oft es möglich war, mit großem Beifall den treff⸗ lichen Kanzelredner Ruperti, beſuchte aber wenige Collegien, unter ihnen mit beſonderer Vorliebe einige geſchichtliche bei Höckh und Saalfeld; ſonſt ſtudirte er meiſt nach Büchern, die wöchentlich von der Univerſitätsbibliothek entliehen wurden. Da las er nun faſt beſtändig mit der Feder in der Hand, das Wichtigſte exrcerpirend. So liegt noch ein ſauberer ſtarker Band von Auszügen aus Werken vor, die ſich meiſt auf alte Literatur und Mythologie, oder auf neuere Kunſt und Literatur beziehen. Unter den theologiſchen Büchern, die auf ihn einen nachhaltigen Eindruck gemacht haben, ſind Herders Briefe, das Studium der Theologie betreffend, und Reinhards Biographie beſonders hervorzuheben. Hervorſtechend war bei ihm die ungewöhnliche Ausdauer, mit der er anhaltend ein und denſelben Gegenſtand verfolgen konnte, ohne daß er das Bedürfniß der Abwechſelung ſpürte. Außerdem verwandte Curtze aber auch einige Stunden die Woche auf Unterricht im Deutſchen bei Nordamerikanern, wogegen er Unterricht im Engliſchen erhielt; dabei war er aber auch, wie er den 17. November ſchreibt:in 4 Stunden wöchentlich ordent⸗ licher Proſeſſor bei ihnen, wo ich ihnen Vorleſungen über Literatur und ſchöne Künſte halte, welches auch zugleich für mich von großem Nutzen iſt. Um die engliſche Sprache immer beſſer zu lernen, war er auch mit einem Engländer, dem nachmals ſo oft genannten E. B. Puſey aus Orford in Verkehr getreten, von dem er ein Buch: The Scripture testimony to the Messiah, an inquiry concerning the person of Christ. By John Pye Smith. In two volumes. London. 1821, zum Andenken nebſt freundlichem Briefe bis an ſeinen Tod aufbewahrt hat. Curtze iſt durch die Bekanntſchaft mit dem katholiſirenden Puſey in ſeiner Glaubensrichtung keineswegs beeinflußt, viel eher vor gleichem Abwege gewarnt worden, gleichwie von dem frommen Spener erzählt wird, daß die Berührung mit Labadie für ſeine Bewahrung vor confeſſioneller und dogmatiſcher Einſeitigkeit bedeutſam geweſen iſt.

Als das dritte Jahr der Univerſitätszeit verfloſſen war, verließ er Göttingen, wie er meinte, den Kopf vielleicht in manchen Zweigen des menſchlichen Wiſſens mit zu Vielem beläſtigt, das hernach zu Wenigem hilft. Den Sommer 1828 uͤber war er Hauslehrer bei einer verwandten Familie in Carlshafen, den Winter 182862, verlebte er in Corbach, um den am Gymnaſium

* Der Brief ſelbſt iſt wenig charakteriſtiſch, in deutſcher Sprache geſchrieben, trägt er doch das Gepräge der Nationalität des Abſenders; am wichtigſten erſcheint folgende Stelle:Desto gegrundeter aber wer- den Sie, glaub' ich, den zweiten Theil finden, welcher die eigentlichen Beweisstellen der Lehre(die des N. T.) enthält. Weil aber ich es bis jetzt nur nachgeschlagen, und meine Ueberzeugung von der Bibel selbst bekommen habe, so kann ich nicht dafär burgen.