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ſofort mit betrieben. Es war nämlich eigentlich als ſelbſtverſtändlich angenommen, daß er Theologie ſtudiren werde. Eine ernſtliche Ruͤckſprache und Ueberlegung hat weder damals, noch ſpäter mit den Eltern irgendwie ſtattgefunden. In der Secunda äußerte der damalige Prorector Freybe durch ſeinen anziehenden Religionsunterricht unverkennbaren Einfluß, ſo wie in den alten Sprachen namentlich Kirchenrath Weigel ihm ſehr förderlich geweſen iſt. In Prima war es vor allen Kirchenrath Strube, der durch ſeine genauen Ueberſetzungen und ſorgfältige Correctur der Erercitien die Bildung förderte, wenngleich er bei erſteren den Schüler zu wenig ſelbſtthätig ſein ließ. Die Art, wie der ehrwürdige Kirchenrath Strube Geſchichte nach Schröckh, Logik nach Kieſewetter und Religion nach Niemeyer trieb, konnte wenig Intereſſe bieten. Auch auf deutſche Ausarbeitungen wurde von Seiten des betreffenden Lehrers weniger Sorgfalt verwendet. Carl Curte aber arbeitete gerade den deutſchen Aufſatz mit Fleiß und beſonderer Vorliebe und zeigte in der Darſtellung ein gewiſſes Talent. Die Präparationen auf die griechiſche Sprache geſchahen meiſt mit einem Schulfreunde. In den letzten Semeſtern war der Trieb zum Selbſt⸗ ſtudium erwacht: ſo wurde unter Anderem Miscellanea angelegt und darin Nachweiſungen aus der Geſchichte, der Mythologie, der lateiniſchen Grammatik ꝛc. eingetragen und mit einem Freunde privatim Anakreon geleſen. Das durchſchoſſene Eremplar zeigt jetzt noch, wie fleißig verſchiedene Ausgaben dabei benutzt wurden. Mit ungemeiner Freude wurde in den letzten Wochen des Aufenthalts zu Corbach auch noch Mullers Vorſchule zum Homer geleſen und ercerpirt, die ihm vom Conrector Waldeck freundlichſt eingehändigt war. Für den Jüngling wurde hierdurch eine ganz neue Welt erſchloſſen, da die Schulbibliothek aus der Acerra philol. und einigen deutſchen Claſſikern wenig darbot. Ihn hat die Erinnerung, daß er bei einer nach Grünberg zu Ver⸗ wandten unternommenen Reiſe in den Ferien Köppen's Anmerkungen zum Homer für einige Geſänge abgeſchrieben hat, oftmals noch recht ergötzt. Der Vater ſah es nämlich gern, daß in den Ferien Reiſen zu Verwandten unternommen wurden, weil dieſes zur Bildung beitrage. So iſt das Brüderpaar oft und gern in Carlshafen, Pyrmont, Grünberg geweſen. Außerdem hatte er ſich in Corbach fleißig mit Clavierſpiel beſchäftigt, trieb im letzten Jahre nicht ohne Fortſchritte Generalbaß und privatim Zeichnen. Die Lehrer ſind wol ſtets mit ihm zufrieden geweſen. Dem Verfaſſer liegen die Cenſuren der beiden letzten Semeſter ſeines Schulbeſuchs vor: ſie geben übereinſtimmend das Zeugniß im Fleiße„anermüdet“, Betragen„muſterhaft“, Fortſchritte„ſehr gut.“
Er fühlte ſich, nachdem er 2 Jahre die erſte Claſſe beſucht hatte, für die Univerſität noch nicht hinlänglich vorbereitet, und wäre gern noch auf dem Gymnaſium zu weiterer Ausbildung verblieben. Der Vater aber hatte mit den Lehrern Rückſprache genommen; dieſe hatten kein Bedenken gegen ſeinen Uebertritt zur Univerſität, und darauf Bezug nehmend, wünſchte er, das Eramen möge gemacht werden. So geſchah es. Das Zeugniß lautete:„Carl Curtze kann mit wirklichem Nutzen die Univerſität beziehen.“ Er ging im Frühjahr 1825 nach Göttingen, welches damals in großem Rufe ſtand. Der Vater gab beim Abſchiede aus dem Vaterhauſe im Allge⸗ meinen an, welche theologiſchen Collegien gehört werden ſollten und glaubte, es würde gut ſein, die Schulwiſſenſchaften nicht zu verſäumen. So, ohne alle Ermahnungen, entließ er ihn.
Im erſten Semeſter wurden 5 Collegien gehört, unter ihnen Terenz bei Diſſen. Doch ſchrieb der Vater an ihn und ſeinen mitſtudirenden Zwillingsbruder:„Das Engliſche werdet Ihr


