Aufsatz 
Carl Curtze : ein Lebensbild / von Carl Beck
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oder derSittenlehre vor.

liebe Gewohnheit, die Woch und dort einer Erzahlung oder einem Mährchen zu lauſchen, meiſt

Svi je der f's eifrigſte liebte. ielen, Spiele, die der Lehrer auf's eifrigſt K uu 4* Oſtern 1818 wanderte Carl mit ſeinem Zwillingsbruder Louis drei Sommer täglich

nach Corbach zur Schule, ſie beſuchten die Tertia des Gymnaſiums, jedoch u ben in 4 Sur⸗ mittagsſtunden ertheilten Unterricht, da der Nachmittag wieder zu Hauſe zuae ricß wurdeen De Winters ſetzte der Vater in ſeiner Weiſe den Unterricht fort. Der Gegenſtände waren wenige. Das Bruͤderpaar trieb faſt nichts als Latein und Griechiſch, dabei etwas Rechnen und Geographie. Deutſche Aufſätze wurden nur ſehr ſelten gemacht. Außerdem daß Cornel und Caesar aͤglich überſetzt wurden, wurde täglich auch ſchriftlich ein lateiniſches Crereitium gemacht. Dieſe Uebung erweckte nicht beſonderes Intereſſe, deſto mehr die wöchentlich mehrmals vorgenommenen pros⸗ odiſchen und metriſchen Uebungen. Daß mit kaum 13 jährigen Tertianern auch Taciti Germania geleſen wurde, darf wol als ein pädagogiſches Verſehen angeſehen werden; Sinn für deutſche Studien iſt aber allerdings wol gerade dadurch früh geweckt worden. Der Religionsunterricht wurde vom Vater mit Herzlichkeit und Wärme vorgetragen, und auch im Hebräiſchen wurde von den Söhnen mit vielem Vergnuügen der Anfang gemacht.

Tadel kam ſelten vor; wenn er ausgeſprochen wurde, mit eindringlicher, kräftiger Ent⸗ ſchiedenheit. Lob wurde mit Worten kaum geſpendet, die Zufriedenheit nur durch heitern Blick und freundliches Weſen zu erkennen gegeben. Die Söhne haben nie gewußt, welche Anſicht der Vater wol von ihnen haben möchte. Erſt 2 Wochen etwa vor ihrem Tode äußerte die Mutter, als der ältere ihrer Zwillingsſöhne zum Rector des Gymnaſiums ernannt war:Wie würde ſich der Vater gefreut haben, wenn er das erlebt hätte. Er hat immer große Hoffnungen auf Euch geſetzt.

Auf ſittliche Erziehung und Geſinnung wirkte der Vater nicht mit vielen Worten hin. Das Beiſpiel, mochte er denken, ſolle wirkſamer ſein. Von der Mutter wurden mitunter, vorzugsweis aber von der Großmutter Ermahnungen gegeben. Von ganz beſonderem Einfluſſe aber wird es auf des Knaben Gemüth geweſen ſein, daß ſeine Mutter mit größter Hochachtung und Liebe häufig von ihrem Vater, dem Kirchenrath Winterberg, von ſeiner Lebensweiſe, ſeinen Studien, auch wol ſeinen Schriften ſprach. Sie war in Eſſen und Dortmund, wo der Vater an den Gymnaſien als Rector geſtanden hatte, erzogen; ihre Phantaſie verſetzte ſie nicht ſelten in dieſe Jugenderinnerungen, in denen ihr Vater ſtets eine Rolle ſpielte, um ſo mehr wol, weil ſie der Liebling deſſelben geweſen war. Dieſe dem jugendlichen Gemüthe eingepflanzte Hoch⸗ achtung iſt dem Manne geblieben. Ein altes Pult des Großvaters, das ihn als Kind ſo oft an den Großvater erinnert hatte, begleitete ihn überall hin in ſeine Wohnungen. Und als Lehrer an demſelben Gymnaſium, wo der Großvater zu zwei verſchiedenen Zeiten Rector geweſen war, hat ertheils aus mündlichen Mittheilungen der noch lebenden Töchter, theils mit Benutzung von Briefen und ſonſtigen Schriften eine Biographie des hochgeachteten Mannes verfaßt, die zum Druck beſtimmt war.

Im Herbſt 1820 war Carl Curtze in die 2. Claſſe des Gymnaſiums verſetzt und beſuchte daſſelbe nun ununterbrochen in allen Unterrichtsgegenſtänden, auch die hebräiſche Sprache wurde

Außerdem war es in der Dämmerſtunde des Winters für dieſe eine e einigemal bei dem ſtets heiter geſtimmten Schullehrer einzukehren aberDame, oderMuͤhle