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Umgang mit deutschen Landsleuten zu vermeiden. Alll diese Schattenseiten einer Pension oder eines boarding house fielen bei dem oben erwähnten weg. Ich traf dort nur drei, den gebildeten Ständen angehörende Personen an, zwei Damen und einen Herrn, sämt- lich Engländer. Zwei davon waren von Oxford gebürtig, so dass ich von ihnen manches Interessante über Oxford erfahren konnte. Der Pensionspreis betrug 35 Schilling die Woche. Dass, wie J. Luley in seiner eingangs von mir erwühnten Programmarbeit behauptet, in Oxford die Familie nicht an den Mahlzeiten teilnimmt, ist mir nicht aufgefallen, ebenso dass Engländer wenig Gebrauch von„boarding houses“ machen. In Oxford wohnende Herren pflegen oft im Sommer, wenn ihre Familie mit Dienstpersonal bereits nach der „seaside“ gegangen ist, so lange sie noch durch ihre Tätigkeit an den Platz gebunden sind, Wohnung und Kost in einem boarding house zu nehmen. Luley scheint mir nicht an die rechte Schmiede gelangt zu sein, gibt aber selbst zu, dass es geeignetere Pen- sionen gab, von denen er zu spät Kenntnis erhielt. Ein Verzeichnis von Häusern, wo gutes Englisch gesprochen wird und der Fremde Familienanschluss findet, versendet auf Verlangen Mr. Bertram Wilson von Ruskin College. In meinem boarding house hatte ich reichlich Gelegenheit zum Sprechen und Hören von gutem Englisch. 80 weit es meine LZeit erlaubte, leistete ich auch Einladungen zu Spaziergängen, Croquet- partien, Kahnfahrten mit Picknicks u. s. w. folge. Da die Dame des Hauses über einen grossen Kreis von Bekannten verfügte, von denen sich oft nachmittags welche zum Tee einfanden, wurde ich auch mit diesen bekannt. Ich erhielt von dieser Seite mehrere Einladungen zum Tee und zum Dinner. Auch wurde ich durch die Liebenswürdigkeit eines Herrn in einem Club eingeführt.
Um meinen Aufenthalt möglichst auszunutzen, nahm ich einen Privatkursus in prak- tischer Phonetik bei Mr. Bertram Wilson, Lektor am Ruskin College. Einen Prospekt dieses Herrn hatte ich s. Zt. gleichzeitig mit dem von Ruskin College erhalten. Es war ein 128tündiger Kursus, für den ein Honorar von 42 Schilling zu zahlen war. Mr. Wilson ist Schüler von Henry Sweet. Da ich mich schon früher viel mit englischer Phonetik be- schättigt hatte, interessierte es mich jetzt sehr, don Gegenstand einmal von einem eng- lischen Fachmann behandelt zu sehen. Mit Hilfe einer grossen Anzahl selbstverfertigter Modelle und Zeichnungen zeigte Mr. Wilson sehr klar das Zustandekommen der englischen Laute. Erstaunlich ist seine Geschicklichkeit und Sicherheit, während des Vortrags die nötigen Modelle in Wachs vor den Augen des Zuhörers erstehen zu lassen. So zeigte er am Modell bei Besprechung der vokalischen Laute die Verschiedenheiten von„back“,„mixed“, „front“ und von„high“,„mid“,„low.“ Eine vonihm aufgestellte Tabelle enthält 25 vokalische Laute(The English Vowel Sounds, a progressive classification by Bertram Wilson). Jeder Laut hat sein Zeichen, symbol. Dann erging er sich über die Rundung, rounding, wobei er innere und äussere unterschied. Nur die erstere sei im Englischen vorhanden, letztere fände sich im Französischen und Deutschen. Ebenso zeigte er den Unterschied zwischen„narrow“ und„wide“. Bei den Konsonanten unterschied er neben den stimmlosen und stimmhaften, breathed and voiced consonants, eine dritte Gruppe, die er„unvoiced consonants“ nannte.
Folgende Beispiele mögen aur Veranschaulichung dienen:
Breathed: belief Voiced: believing Unvoiced: what do you believe? oder: Breathed: hiss Voiced: buzzing Unvoiced: buzz.
Sweet nennt letzteren Laut„whispered“


