Aufsatz 
Ein Ferienaufenthalt in Oxford
Entstehung
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auf, und zwar sollte ich mit einemstudent zusammen Geschirr spülen. Ich wies dieses Ansinnen höflichst zurück, worauf man mir dierules(Hausordnung) überreichte.

Nier einige Proben daraus:

§ 8.All resident students take part in the household duties on the basis of an average of not more than two hours' work per day, and in addition take their turn as delegate. In dem Prospekt heisst es hinsichtlich der Hausarbeit:students are ex- pected to do a certain amount of housework which occupies about an hour a day.

§ 12. The work be divided amongst resident students as follows taking 20 as a maximum:

a) Ten men to special duties.

b) Six men to general wash-up.

c) Four men to the preparation of the publie rooms, etc.

§ 14 The resident students appointed to the morning work shall commence at 7. 5 a. m.;knock up at 6. 45 a. m. § 16. A weekly scrub shall be undertaken by resident students.

§ 27. Alll6 resident students shall scrub the floors and clean the windows of their own rooms once a month and seven days prior to leaving the College. In the event of a resident student changing from one room to another, he shall scrub out and clean the room he purposes leaving within the last seven days of his occupancy.

Dies möge genügen. Ich begab mich sofort zu dem stellvertretenden Direktor, Mister Lees Smith, und erklärte ihm, dass ich mich den in denrules namhaft gemachten Hausarbeiten nicht unterziehen und mithin Ruskin College verlassen würde. Mister Lees Smith war sehr erstaunt, als er von mir hörte, dass die deutschen Oberlehrer alle auf der Universität studiert hätten. Ich bemerkte, dass es nutzlos sei, Prospekte von Ruskin College an deutsche Oberlehrer zu schicken, deren Stellung als akademisch gebildete Be- amte ihnen ein solches Institut von vornenherein verschliesse. Auch würde ich jedem Kollegen von einem Besuch von Ruskin College abraten. Mister Lees Smith sah nun selbst ein, dass ich im College nicht bleiben konnte. Er hatte die Liebenswürdigkeit, sich für mich nach einer geeigneten Wohnung in der Stadt umzutun. Noch am selben Tag konnte er mir die Adresse eines sehr gutenboarding house bei einer Miss Faulk- ner, Farndon Road 25, übermitteln, das, wie ich später zu meiner grossen Freude fest- stellen konnte, in jeder Beziehung mnustergültig war. Während meines zweitägigen Aufent- halts in Ruskin College hörte ich eine Vorlesung über Nationalökonomie, gehalten von Mister Lees Smith; dann wohnte ich zweimal Leseübungen bei, die unter Leitung von zwei Damen stattfanden. Hieran nahmen natürlich nur die Fremden teil.

Es sei mir hier gestattet, einiges über das boarding house zu berichten, in dem ich für die vorausgegangenen Enttäuschungen so reichlich entschädigt wurde, wie über Pensionen überhaupt. Die Erfahraungen, die ich früher bei zweimaligem Aufenthalt in Grenoble mit Pensionen machte, decken sich im wesentlichen mit dem, was Reusch*) und Sturmfels**) darüber sagen. Die Grenobler Pension war bei all ihren grossen Vorzügen eine Massenpension. Aus allen Ländern kamen sie, darunter ein beträchtlicher Prozent- satz Deutsche. Die Tätigkeit der beiden Damen, welche der Pension vorstanden, ging fast vollständig im Haushalt auf, so dass eine gute sprachliche Ausbildung von dieser Seite nicht zu erwarten war. Selbst wenn in einer solchen Pension genügend Dienstper- sonal vorhanden ist, ist die Zeit, die jedem einzelnen der Pensionsgäste von seiten der Pensionshalter gewidmet wird, zu gering, um dadurch sprachlich gefördert zu werden. Dazu kommt in Grenoble noch der Umstand, dass es zur Zeit derCours de vacances bei der stets grossen Anzahl dort weilender Deutscher nicht vollständig möglich ist, den

*) Am angeführten Ort.

**) Ueber den Aufenthalt der Neuphilologen in England von Dr. A. Sturmfels, Programm, Realgymna- sium Giessen, Ostern 1890. 3 1