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In Wörtern wie„church“ betrachtet Wilson ch als einen neuen Laut und gibt ihm in seinen phonetischen Texten auch ein besonderes Zeichen im Gegensatz zu Sweet, der ihn aus zwei Elementen bestehen lässt.
t und d seien im Englischen Palatal-Laute.
Bei der Quantität unterscheidet er„short“,„half long“ und„long.“ Was Mr,. Wilson über Intonation und Betonung sagte, deckt sich mit dem, was Sweet') in seiner Grammatik, Teil II, ausführt.
Nachdem ich mit Wilson's System vertraut geworden war, hatte ich nach eigen- artigen, von ihm in Lautschrift hergestellten Texten vorzulesen. Er nennt sie„phono- chromic texts.“ In ihnen sind Betonung, Intonation und Tonhöhe durch Anwendung ver- schiedener Farben in anschaulicher und gefälliger Weise dargestellt. Zu Hause setzte ich von Stunde zu Stunde englische Texte in Lautschrift um, deren Correctur und Besprech- ung Mr. Wilson in der folgenden Stunde vornahm. Ich bin durch seinen sehr interessanten Unterricht sehr gefördert worden und kann Kollegen, die nach Oxford kommen und für phonetische Studien Zeit haben, einen Kursus bei Herrn Wilson nur empfehlen.
Jeden Sonntag wohnte ich in verschiedenen Kirchen dem Gottesdienst bei, um die verschiedenen Schattierungen des so vielgestalteten religiösen Lebens kennen zu lernen. Allerdings ist hierbei der sprachliche Gewinn, wie auch Sturmfels in seiner Programm- arbeit angibt, sehr gering, da Gebet und Gesang den grössten Teil des Gottesdienstes in Anspruch nehmen. Nur einmal hatte ich Gelegenheit, eine gute Predigt zu hören, die von einem Geistlichen gehalten wurde, den ich persönlich kennen lernte. Kirche und Gottesdienst zeigten hier im Gegensatz zu den Kapellen der Colleges grosse Einfachheit.
Das Theater, wo man auf viel grösseren sprachlichen Gewinn hätte rechnen können, war natürlich zu dieser Zeit geschlossen.
Es lag noch in meinem Plan, verschiedenen Schulen einen Besuch abzustatten, sowohl höheren als auch Volksschulen. Meine phonetischen Arbeiten nahmen aber meine Zeit derart in Anspruch, dass ich nicht über die hierzu nötige Zeit verfügte. Als dann Ende Juli mein Kursus zu Ende gegangen war, waren die höheren Schulen sämtlich geschlossen und die Volksschulen grösstenteils. Ich konnte nur noch am letzten Schultag eine Volksschule, Aldate School, besichtigen, wo ich vormittags und nachmittags dem Unterricht bei Mädchen und Knaben beiwohnte. Natürlich kann ich mir auf diesen eintägigen Besuch hin kein Urteil über diese Schule und ihre Einrichtungen erlauben, sie machte jedoch auf mich einen günstigen Eindruck. Von seiten der Lehrerinnen und Lehrer wurde mir in allen Klassen die liebenswürdigste Aufnahme zu teil.
Hiermit bin ich am Schluss meiner Darstellung angelangt. Mit voller Befrie di- gung verliess ich Oxford, bedauerte jedoch, dass ich meinen Aufenthalt nicht über das Summer Meeting hinaus ausdehnen konnte.
*) Henry Sweet, A new English Grammar, logical aud historical, Oxford, at the Clarendon Press.


